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Aktuelles zur Bio-Getreidevermarktung

Foto: © BIO AUSTRIA

Obmann Rudi Vierbauch informiert über die aktuelle Situation in der Bio-Getreidevermarktung und die Gründung einer neuen Vermarktungsorganisation.

Am 23. Juni hat die Österreichische Agentur für Bio Getreide in einem Schreiben an ihre zuliefernden Bauern bekannt gegeben, die offenen Zahlungsverpflichtungen aus dem Jahr 2009 nicht leisten zu können. Diese Information sorgte für berechtigte Verunsicherung bei den zuliefernden Bauern, noch dazu wo die Ernte 2010 bereits eingesetzt hatte. Von Seiten der Agentur wurde mir versichert, dass an einer Lösung gearbeitet wird, die den Schaden der betroffenen Bauern in Grenzen hält.

Der Lösungsvorschlag, der mir vorgelegt wurde, ist eine Fortsetzung des Systems unter einer neu gegründeten Firma von Herrn Engelbert Sperl – allerdings ohne wirkliche Mitsprache der Bauern (Minderheitenbeteiligung). In einem nächsten Schritt wurde dieses Lösungsmodell den Landesorganisationen Niederösterreich und Wien und Burgenland vorgestellt. Dabei wurden Zusagen für bäuerliche Beteiligungen (Mehrheitsbeteiligung) gemacht. Die mit der Agentur geschlossenen Verträge für 2010 sollen einvernehmlich gelöst und neue Lieferverträge mit der neuen Firma abgeschlossen werden. Durch die späte Bekanntgabe an die Bauern und deren vertragliche Bindung war von vornherein klar, dass es nicht möglich sein würde, eine Alternative zu entwickeln. Damit blieb der von der Agentur vorgeschlagene Weg als die einzige Möglichkeit übrig. Die Landesorganisationen Niederösterreich und Wien sowie Burgenland bemühen sich durch ihr Engagement innerhalb dieser Konstellation, die Ernte 2010 möglichst reibungslos abzuwickeln. Ich hoffe, dass das bestehende Restrisiko für unsere bäuerlichen Lieferanten dabei nicht zum Tragen kommt. Die wesentlichen Auslöser dieser Situation waren meiner Meinung nach Fehleinschätzungen der Markt- und Kundenentwicklung von Seiten der Agentur in den letzten Jahren.

BIO AUSTRIA hat sich angesichts dieser Situation entschlossen, für die Zukunft, das heißt ab der Ernte 2011, ein neues Vermarktungsmodell aufzubauen, das sicher stellt:

  1. dass die zu schaffende bäuerliche Vermarktungsstruktur wieder Zugang zu allen Handelspartnern am österreichischen Markt findet, stabile Geschäftsbeziehungen möglich macht und gleichzeitig den Exportmarkt für österreichische Ackerfrüchte entwickelt.
  2. dass der von uns BIO AUSTRIA Bäuerinnen und Bauern entwickelte BIO AUSTRIA Standard als Premium-Qualitätsstandard am Markt weiter etabliert und umgesetzt wird.
  3. dass Transparenz in der Vermarktung von Speise- und Futtergetreide nach Innen und Außen im höchsten Maße sichergestellt wird.
  4. dass durch ein Netzwerk starker strategischer Partner Zahlungsflüsse sichergestellt und Termine eingehalten werden und das finanzielle Risiko minimiert wird.
  5. dass eine schlanke Kostenstruktur gewährleistet ist.

Ich bin überzeugt davon, dass es dringend notwendig und höchst an der Zeit ist, über andere (zusätzliche) Formen der Vermarktung für österreichische Bio-Ackerfrüchte nachzudenken. Es wird unsererseits intensiv an einer solchen neuen Struktur gearbeitet. Wir denken dabei an eine Organisationsform, wo die direkte Beteiligung der Bauern schnell und unbürokratisch möglich ist, wo Kontrolle und Verantwortung nicht in einer Hand liegen, Transparenz und Fairness in höchstem Maße sicher gestellt sind und eine Wiederholung der derzeitigen Situation weitestgehend ausgeschlossen werden kann. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass das Organisationsmodell einer Genossenschaft diesen Voraussetzungen sehr nahe kommt.

Für eine Genossenschaft spricht:

  1. Bäuerliche Beteiligung ist auf einfachstem Wege möglich (Aufnahme von Mitgliedern durch Vorstandsbeschluss), es fallen keine Rechtskosten an.
  2. Der Vorstand wird durch die Mitglieder gewählt und bildet somit die Struktur der Zulieferer ab. Er hat klare strategische Aufgaben.
  3. Der Aufsichtsrat als erstes und direktes Kontrollorgan sorgt rasch für notwendige Korrekturen.
  4. Der Revisionsverband steht zur Überprüfung der Geschäftsführung und der finanziellen Gebarung zur Verfügung. Eine jährliche Revision ist verpflichtend.
  5. An der Generalversammlung kann jedes Mitglied teilnehmen und durch direkte Fragenstellung Information und Aufklärung verlangen. Die Mitsprache ist somit sicher gestellt.

Die Tätigkeit einer solchen Genossenschaft wird sich auf alle Ackerbaugebiete in Österreich erstrecken. Damit ist eine flächendeckende Übernahme sicher gestellt und die bestmögliche Bedienung des Marktes möglich. Wir arbeiten mit Hochdruck an der Ausarbeitung dieses Modells. In den nächsten Wochen wird es weitere Informationen dazu geben. Ich bin überzeugt, dass wir damit im Sinne unserer Ackerbaubetriebe an einer besseren Perspektive für die Zukunft arbeiten.

Servicetelefon :
In dieser Situation werden viele Fragen von betroffenen bzw. interessierten Landwirten an uns heran getragen. Wir haben daher ein Servicetelefon eingerichtet. Für weitere Fragen zum Thema Getreidevermarktung steht ihnen ab sofort unser Servicetelefon unter der Nummer 0676/842 214 888 zur Verfügung.

Herzliche Grüße

Rudi Vierbauch

Obmann BIO AUSTRIA



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