Das Hauptaugenmerk lag auf dem Kennenlernen der Beratungs- und Forschungslandschaft der dänischen Öko-Szene. In Hovborg im Südwesten Dänemarks wurde der Ferkelzuchtbetrieb „Stenager Økogris“ von Nikolaj Pedersen besucht.
Umstellung auf Öko-Schweinehaltung
Als Jungbauer kaufte Nikolaj Pedersen einen 300 ha-Betrieb im Jahr 1997 und hielt dort Freilandschweine. In Dänemark werden Landwirtschaften generell gekauft, auch von den Eltern. Nachdem der elterliche Betrieb von Nikolaj, der ganz in der Nähe liegt, einer der ältesten Bio-Ackerbaubetriebe Dänemarks ist, war für ihn die Umstellung auf Öko-Schweinehaltung logisch.
550 Zuchtsauen
Ab 2001 wird der Betrieb nun nach Öko-Kriterien geführt, und die mittlerweile 550 Zuchtsauen weiterhin im Freiland gehalten. Dazu sind sechs Angestellte notwendig, die für genau besprochene Bereiche zuständig sind. In Dänemark ist die Freilandhaltung der Zuchtsauen rund um die Geburt sowie die der Ferkel bis 7 Wochen für Bio-Betriebe verpflichtend. In „Stenager Økogris“ werden nur die abgesetzten Ferkel sowie die leeren Sauen bis nach dem Belegen in Stallungen gehalten.
Bio-Futter
Die Futtermittel kommen zu 1/3 von den eigenen Flächen, der Rest wird am dänischen und internationalen Bio-Futtermarkt zugekauft. Die Getreidekosten von cirka 40 Cent stellen dabei ebenso eine Herausforderung dar wie bei uns, noch dazu wo in Dänemark für ein 30 kg-Ferkel nur etwa EUR 100,- bezahlt werden. Wirtschaftlich wird die Öko-Schweinehaltung bei Nikolaj durch die sehr hohen Leistungen: Er verkauft durchschnittlich 21 Ferkel/Sau und Jahr.
Professionalität
Um diese hohen Leistungen zu erreichen, ist Professionalität an allen Ecken gefordert. So gibt es zum Beispiel 20 kleine Krankenbuchten mit Ausläufen, in die erkrankte Ferkel sofort verlegt und nach einer Behandlung mit blauen Ohrmarken versehen werden. Die Sauen werden in einem strengen 3-Wochen-Rhythmus geführt, wobei Sonntag (bis Dienstag) besamt wird und bei jeder Sau eine Trächtigkeitskontrolle auf der Weide erfolgt. Der Besamungserfolg liegt dabei bei 90 %, ein Yorkshire-Duroc-Eber belegt bei Bedarf die Umrauscher.
Beratung
Auf Beratung wird generell in Dänemark viel Wert gelegt. Zu Nikolaj kommt einmal im Monat für zwei Stunden der Tierarzt und macht eine Runde mit ihm über den Betrieb, bei der sie Verbesserungen besprechen. Dafür bezahlt der Betriebsleiter EUR 1000,- pro Stunde, die für ihn eine hervorragende Investition sind. Seine MitarbeiterInnen werden auf Seminaren und Veranstaltungen der Bio-Beraterin regelmäßig weitergebildet. Für Fragen zu Öko-Richtlinien und für den Förderungs-Antrag werden ebenfalls Berater herangezogen, und dafür EUR 100,- pro Stunde bezahlt. Nikolaj selbst trifft sich mit seinen Kollegen in Gruppentreffen zum Erfahrungsaustausch, die von der Bio-Beraterin organisiert sind, etwa 4-5 Mal pro Jahr.
Zusammenfassend kann ich sagen, dass die Professionalität in allen besuchten dänischen Betrieben beeindruckend hoch war. Für uns Österreicher ernüchternd war allerdings der ausschließlich wirtschaftliche Zugang der Betriebsleiter zur Biologischen Landwirtschaft.
Rückfragehinweis:
E sonja.wlcek@bio-austria.at