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Wintererbse – eine interessante Kulturpflanze im Bio-Ackerbau?

Foto: © BIO AUSTRIA

Körnerleguminosen haben eine wichtige Bedeutung in der Fruchtfolge am Bio-Ackerbaubetrieb. Sie werden von Biobetrieben in der Fütterung benötigt, um die Eiweißversorgung sicherzustellen. Körnererbsen aus biologischer Landwirtschaft sind daher derzeit gefragt und gut bezahlt.

Um die Stickstoffversorgung sicherzustellen, muss jeder Bio-Ackerbauer Leguminosen anbauen. Eine häufig angebaute Leguminose ist die Körnererbse. Diese bereitet jedoch zunehmend Probleme wegen starkem Schädlingsbefall (Blattlaus, Erbsenkäfer, Erbsenwickler, Blattrandkäfer), Fruchtfolgekrankheiten und Spätverunkrautung. Die Wintererbse könnte daher neben Peluschke, Platterbse, Ackerbohne und Winterwicke eine willkommene Alternative darstellen.

Die Erwartungen, die in die Wintererbse gesetzt werden, sind:

  • Höhere Stickstoffbindung durch die längere Vegetationszeit
  • Geringere Verunkrautung und geringerer Schädlingsbefall durch den Entwicklungsvorsprung
  • Vermeidung von Nährstoffauswaschung über den Winter

Darüber hinaus ist die zentrale Frage, ob die Wintererbse ausreichend winterfest ist.

Feldversuche der Bio Forschung Austria
Dr. Wilfried Hartl von der Bio Forschung Austria führt bereits seit einigen Jahren Versuche mit der Wintererbse durch. Die Ergebnisse zeigen, dass die Sorte „EFB33“ auf Grund der Winterfestigkeit für den Anbau in Österreich empfohlen werden kann. Diese ist von der Blattmasse und Wüchsigkeit mit der Peluschke (Futtererbse) vergleichbar. Sie deckt den Boden gut ab und unterdrückt somit die Unkräuter besser als die modernen Halbblatt-Typen der Körnererbsen. Auch die Samenkörner entsprechen von der Größe und Farbe den Peluschken.

Bisherige Versucherserfahrungen
Die Wuchshöhe dieser Wintererbsensorte erreicht über 1,5 m, die Standfestigkeit ist dementsprechend gering. Dadurch kommt es meist zu Totallagerung bei der Reife, was zu entsprechenden Problemen bei der Ernte führt. Um diese zu vermeiden, wurden verschiedene Mischungspartner getestet. Am besten geeignet erscheint im Trockengebiet Ostösterreichs Winterweizen, da dieser nicht zu viel Konkurrenz ausübt und vom Anbauzeitpunkt am besten zur Wintererbse passt. Ein früherer Anbau führt zu stärkerer Verunkrautung und geringerer Winterfestigkeit. Winterroggen und Triticale sind (entgegen Versuchserfahrungen aus Deutschland) zu konkurrenzstark und unterdrücken die Wintererbse. Da die beiden Arten Weizen und Erbse nach der Ernte schwer zu trennen sind, muss man das Erntegut als Mischung vermarkten, z. B. an einen Mäster, der die Mischung als Futter verwerten kann. Natürlich ist es auch möglich, den Aufwuchs grün zu ernten und als Futter oder für die Biogasgewinnung zu nutzen. Ein interessanter Mischungspartner wäre die Winterackerbohne. Allerdings hat sich gezeigt, dass die Saattiefe (Ackerbohne soll tiefer gesät werden) und der Erntetermin (Ackerbohne reift später) nicht ganz zusammenpassen.

Entwicklungsvorsprung durch Herbstanbau
Durch den Anbau im Herbst hat die Wintererbse tatsächlich einen Entwicklungsvorsprung. Nach dem Anbau investiert die Pflanze zuerst in Wurzelmasse, damit verhindert sie die Auswaschung von Nährstoffen im Winter. Die Überwinterung erfolgt im Rosettenstadium, daher ist die Bodenbedeckung relativ gering. Im Frühjahr kommt es zur Bestockung, es bilden sich bis zu sechs Triebe je Pflanze (was bei der Saatstärke zu berücksichtigen ist). Anschließend schießt sie so schnell in die Höhe, dass sie vielen Krankheiten und Schädlingen „davonwächst“. Dadurch werden an manchen Standorten jene Ertragseinbußen vermieden, die bei der Körnererbse immer stärker auftreten. Prinzipiell ist das Ertragspotenzial ähnlich der Peluschken, aber geringer als bei der Sommererbse. Zu beachten ist ein Anbauabstand von 6 – 9 Jahren (wie bei Sommererbse), damit es nicht bald wieder zu Ertragseinbußen kommt.

Winterfeste Sorte
Wie steht es nun um die Winterfestigkeit? Von den getesteten Sorten hat sich nur die bereits genannte Sorte „EFB33“ als ausreichend winterfest herausgestellt. Sie verträgt Kahlfröste bis zu -15°C. Bei den meisten übrigen Sorten ist die Winterfestigkeit zu gering, auch wenn sie die letzten beiden (milden) Winter überstanden haben. Der Co-Erhaltungszüchter für die Sorte EFB33 ist der deutsche Biobauernverband „Naturland“. Um die erwartete Nachfrage zu befriedigen, wurden Vermehrungsflächen in Österreich angelegt. Saatgut kann (so weit vorhanden) über die RWA bezogen werden.

Die Versuche der Bio Forschung Austria haben gezeigt, dass der Anbau mit üblicher Saatstärke (80 – 100 Körner/m²) zu Ertragseinbußen führt. Die empfohlene Saatstärke liegt daher bei 40 – 50 Körner/m² EFB33 im Gemenge mit 20 Körner/m² Winterweizen (bzw. ca. 40 kg/ha EFB 33 und ca. 40 kg/ha Winterweizen). Blindstriegeln ist zwar möglich, aber meist nicht nötig. Trotz des früheren Anbaus ist der Erntetermin ungefähr gleich wie bei der Sommererbse.

Körnerleguminosen – wichtig in der Fruchtfolge
Körnerleguminosen haben eine wichtige Bedeutung in der Fruchtfolge am Bio-Ackerbaubetrieb. Sie werden von Biobetrieben in der Fütterung benötigt, um die Eiweißversorgung sicherzustellen. Körnererbsen aus biologischer Landwirtschaft sind daher derzeit gefragt und gut bezahlt. Die zunehmenden Probleme mit der Körnererbse, die im Trockengebiet die bedeutendste Körnerleguminose ist, können durch die Wintererbse nicht ausreichend gelöst werden. Trotzdem ist die Wintererbse neben der Peluschke eine Bereicherung der Biofruchtfolgen.

Das Team von Dr. Wilfried Hartl ist derzeit dabei, die Ergebnisse von wissenschaftlichen Versuchen und Praxisschlägen von Pionieren unter den Biobauern auszuwerten. Somit wird sich in den nächsten Jahren zeigen, ob die Wintererbse die in sie gesteckten Erwartungen erfüllen kann.

Weitere Informationen:
BIO AUSTRIA Niederösterreich und Wien
Dr. Robert Schneider – Beratung Ackerbau
T +43(0)676/842 214 349
E robert.schneider@bio-austria.at



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