Es wurden acht Milchviehbetriebe für unterschiedliche Regionen, Höhen-, Intensivitätsstufen und Wirtschaftsweisen hinsichtlich ihrer CO2-Bilanz untersucht. Dabei wurden die wichtigsten drei Treibhausgase Kohlendioxid (CO2), Methan (CH4) und Lachgas (N2O) berücksichtigt und als „CO2-Äquivalente“ (CO2-eq) zusammengefasst.
Die Ergebnisse sprechen für Bio-Milch
- Bio-Milch hat im Vergleich zu konventioneller Milch bis zu 15,7 % geringere CO2eq-Emissionen pro kg Milch, vor allem wegen Einschränkungen bei Futtermittel-Importen.
- Noch deutlicher ist der Vorteil in der CO2-Bilanz pro Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche. Bio-Milchviehbetriebe weisen geringere Besatzdichten und Milchleistungen pro Kuh und Jahr auf und haben daher durchschnittlich um 19 % geringere CO2eq-Emissionen pro ha gegenüber konventionellen Betrieben.
- Besonders in weniger begünstigten Gebieten, im Bergland und alpinen Gebieten zeigt sich die Klimaschutzwirkung des Bio-Landbaues. Die Klimaschutz-Vorteile der Bio-Betriebe pro kg Milch werden auf Standorten geringer, die eine intensive Produktion mit deutlich höherer Milchleistung pro Kuh und Jahr zulassen. Grund dafür ist, dass sich die hohen Emissionen intensiver Produktion, vor allem von Futtermittelimporten, auf eine große Milchmeng verteilen. Der Unterschied zwischen den produktbezogenen Treibhausgas-Bilanzen von Bio und konventioneller Produktion fällt somit geringer aus.
Was sind die Maßnahmen zum Klimaschutz in Milchviehbetrieben?
Einsatz von hofeigenem oder regional erzeugtem Futter.
Durch den Verzicht auf weitgereiste Futtermittel – wie zum Beispiel Soja – werden hohe CO2-Emissionen eingespart. Denn Soja-, in geringerem Ausmaß Raps- oder Weizen-Importe führen zu Landnutzungsänderungen sowie zu höherer Transportbelastung.
Hohe Grundfutterqualität.
Ein Großteil der CO2eq-Emissionen in der Milcherzeugung entstammt dem Vormagen des Wiederkäuers und wird in Form von Methan emittiert. Rohfaserreiche Rationen stellen einen Hauptfaktor für Methan dar. Hier wirkt besonders eine gute Qualität der Grundfuttermittel entgegen. Auf eine angemessen faserreiche Struktur des Futters sollte jedoch nicht verzichtet werden, da sich ansonsten auch Gesundheitsprobleme über Leistungseinbußen stark klimarelevant auswirken können. Eine hohe Grundfutterqualität hilft mit, Kraftfutter zu ersetzen.
Weidehaltung.
Werden Tiere auf der Weide statt im Stall gehalten, resultieren drei Vorteile fürs Klima: Erstens benötigt die Weidehaltung den geringsten Treibstoff- und Energieeinsatz zur Futterbereitstellung. Zweitens fallen die Emissionen aus den tierischen Exkrementen geringer aus, da diese nicht lange im Stall, in Güllelagern oder auf Mistmieten lagern und dabei klimarelevante Gase freisetzen. Drittens weist Weidefutter guter Qualität im Vergleich zu anderen Grundfuttermitteln wie spät genutztes Grünfutter oder Heu geringere Methanemissionen aus dem Wiederkäuermagen auf.
Strohsysteme.
Bei der Haltung auf Strohsystemen werden zwar üblicherweise etwas höhere Lachgasemissionen als bei Güllesystemen freigesetzt, in Summe überwiegt aber der Vorteil deutlich reduzierter Methanemissionen durch sauerstoffreiche Verhältnisse im Stallmist. Stallmist wirkt auch positiv auf den Humusgehalt und damit die CO2-Bindung im Boden.
Kein Klimaschutz durch Intensivierung
Die Ergebnisse zeigen, dass eine Intensivierung langfristig keinen Klimaschutz bringt. Zwar bewirkt ein höherer Kraftfuttereinsatz eine geringere Methan-Emission aus dem Verdauungstrakt der Wiederkäuer, eine daraus abgeleitete und vielfach geforderte Intensivierung der Milchproduktion bedingt jedoch unter anderem einen hohen Futtergetreideeinsatz. Dieser führt wegen weltweit knapper Getreidevorräte langfristig zum Umbruch geeigneter Anbauflächen und folgend zu deutlich höheren CO2-Emissionen pro kg Milch.
Zudem verursachen Eiweiß-Kraftfuttermittel häufig auch jetzt schon für das Klima gefährliche Landnutzungsänderungen, das heißt Umbruch von Grünland, Zerstörung von Savannen und Rodung von Tropenwald vor allem in Südamerika. Damit schreitet nicht nur der Verlust der Artenvielfalt voran, sondern es erfolgt auch eine Verlagerung des Kohlenstoffs aus Biomasse und Humus als CO2 in die Atmosphäre. Aber auch in der konventionellen Landwirtschaft häufiger importiertes Getreide, unter anderem zur Herstellung des Eiweißfuttermittels Trockenschlempe und Raps für Rapskuchen und -extraktionsschrote, weisen schon jetzt teilweise hohe CO2-Emissionen durch Landnutzungsänderungen auf.
Bio-Hühner im Vorteil
Die Bio-Landwirtschaft zeigt beim Hühnerfleisch und bei Eiern einen noch viel deutlicheren Klimaschutzvorteil als bei Milch. So weist Bio-Hühnerfleisch um die Hälfte weniger CO2eq-Emissionen als konventionelles auf. Ursache hierfür ist vor allem die Futtermittel-Bereitstellung: Bio-Futtermittel verursachen weit geringere CO2eq-Emissionen als konventionelle Futtermittel. Hierbei wirken sich besonders die Landnutzungsänderungen, die mit dem Import von konventionellem Sojaextraktionsschrot einhergehen, negativ auf die Klimabilanz aus. Die Vorteile der konventionellen Produktion aufgrund höherer Zunahmeraten verbessern die CO2-Bilanz nicht wesentlich.
Anders als bei der Milcherzeugung ist für die Geflügelhaltung jedoch zu beachten, dass aufgrund der schwierigeren Integration von Nicht-Wiederkäuern in Bio-Betrieben immer nur vergleichsweise geringe Mengen biologischer Geflügelprodukte erzeugt werden können. Eine aus Gründen des Klimaschutzes anzustrebende Umstellung von konventioneller auf biologische Erzeugung in großem Stil würde grundlegende Änderungen in der gesamten Erzeugungskette erfordern.
Die Studie wurde an der Universität für Bodenkultur Wien und am FiBL Österreich unter Mitarbeit von S. Hörtenhuber, T. Lindenthal, W. Zollitsch und T. Markut durchgeführt
Mehr zum Thema „Die Leistungen der Bio-Landwirtschaft“ finden Sie in der BIO AUSTRIA Zeitung 2/2010
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