Den Ampfer an der Wurzel packen
Ampfer-Regulierung im Bio-Ackerbau!
Ampfer kann im Ackerland zum Problem werden. Der Stumpfblättrige Ampfer gehört zu den am schwersten zu regulierenden Unkräutern überhaupt.
Was sind mögliche Ursachen für das Vorkommen von Ampfer im Bio-Ackerbau?
- hohes Samenpotential und Wurzelstöcke im Boden
- fehlende Lichtkonkurrenz => lückige Bestände, später Bestandsschluss
- Verbreitung der Samen durch Wirtschaftsdünger
- Einschleppen der Ampfersamen durch Kleesaatgut – auf speziell ampfergereinigtes Saatgut achten
- Nährstoffeintrag in den Unterboden => durch seine tiefen Wurzel wird der Ampfer durch das Nährstoffangebot im Unterboden begünstigt
- Bodenverdichtung => fehlende Wurzelkonkurrenz
- Bodenbearbeitung oder Kleegrasbeweidung bei nassen Bedingungen
- Geringere Bodenbearbeitungsintensität wird interessanter (Treibstoff, …)
- geringe Feldhygiene (Ampfer ziehen), besonders bei Stilllegungsflächen
Bodenbearbeitungsmaßnahmen gegen den Ampfer
Eine flache Stoppelbearbeitung mit Flügelschargrubber oder Schälpflug, anschließend die Wurzelhälse abeggen oder vertrocknen lassen, Durchgang eventuell mehrmals wiederholen, später tief unterpflügen- dies stellt die wichtigste und wirkungsvollste Maßnahmenabfolge dar.
Danach Kulturen anbauen, die einerseits schnell den Boden decken und damit die Ampferkeimlinge konkurrenzieren und andererseits dichte und hohe Bestände bilden, wie etwa Roggen. Das hemmt den Ampfer.
Die zweite Möglichkeit ist eine späte Frühjahrsfurche (Mai). Sie verhindert Samenbildung, nachfolgend empfiehlt sich die Ansaat einer raschwachsenden Kultur (Buchweizen etc). Eine späte Herbstfurche (vor längerer Frostperiode) kann ein Ausfrieren der Wurzelstöcke bewirken.
Die Bodenverbesserung am besten mit Kalk-Steinmehlgemenge (z.B. Basadiadol) ist eine positive Unterstützung bei der Ampferbekämpfung. Weiters spielt laut neuesten Erkenntnissen der Wissenschaft auch eine gute Phosphorversorgung im Boden eine große Rolle. Der Anbau von Mais und Hackfrüchten (Ampferwurzeln werden durch die intensive Bodenbearbeitung gestört) kann wegen des intensiven Hackens zur Bestandespflege ampferbekämpfend wirken (Keimpflanzen).
Häufiges Mulchen in der Hoffnung, dass kein Samen gebildet wird, hilft wenig, weil sich der Ampfer sehr schnell regeneriert und von den durch das Mulchen freigesetzten Nährstoffen überproportional profitiert.
Wickroggen statt Kleegras
Wickroggen statt Kleegras kann kurzfristig eine Alternative sein, dadurch wird eine häufigere Bodenbearbeitung möglich (bei zweijährigen Kleegras können sich die Wurzeln auf Grund der fehlenden Bodenbearbeitung besser entwickeln).
Klee und andere Kulturen mit langsamer Jugendentwicklung sollte man immer mit Deckfrucht anlegen (Kleeuntersaat in Sommergetreide oder "Hineinstriegeln" in Wintergetreide im Frühjahr).
Bis heute sind keine praktikablen Fruchtfolge- bzw. Bodenbearbeitungsmaßnahmen bekannt, die eine 100%-ige Beseitigung des Ampfers bewirken. Gerade deshalb gilt hier, wie sonst bei keinem anderen Beikraut im biologischen Bio-Ackerbau: "Wehret den Anfängen", denn eine Ansiedlung zu verhindern ist sehr viel leichter als eine nachträgliche Beseitigung.
So helfen nur dichte Kulturpflanzenbestände wie Getreide und Zwischenfrüchte sowie genügend Tiefwurzler wie Mais, Sonnenblume oder Luzerne, um die Nährstoffe und Feuchtigkeit aus der Tiefe zu holen und so den tief wurzelnden Ampfer zu schwächen.
Der der wenig Ampfer hat, ist gut beraten, wegen einer einzigen Pflanze vom Traktor abzusteigen- um ihn auszustechen und so auch den Boden auf Bearbeitbarkeit und Feuchtigkeit zu überprüfen.
Der der "genug" Ampfer hat, ist gut beraten, wegen "ein paar" Pflanzen auf den Traktor aufzusteigen, nur die Kombination von richtigen Bodenbearbeitungsmaßnahmen kann den Ampfer regulieren.
Beide sind gut beraten, sich zu fragen, warum steht der Ampfer da? Nur die Ursachenbekämpfung bringt den nachhaltigen Erfolg.
Biologie-Factbox
- ein Ampfer kann jährlich bis zu 50 000 Samen produzieren, die bis 100 Jahre keimfähig bleiben. Die Lebensdauer eines Ampfers beträgt fünf bis zehn Jahre.
- schon einige Tage nach der Blüte sind die noch grünen Samen bereits keimfähig
- der Ampfer ist ein Lichtkeimer und somit in der Keimphase am leichtesten zu bekämpfen indem schnellwachsende Kulturen als Deckfrüchte verwendet werden
- der Ampfer ist eine Bodengesundungspflanze. Wo er auftritt, ist er von der Natur bestimmt, hier die Ordnung im Boden wieder herzustellen.
- er ist ein Fäulniszeiger und ein Zeiger für verlagerte Nährstoffe in tieferen Boden-schichten
- er tritt oft schlagartig auf- nach einer zu feuchten Bodenbearbeitung, Starkniederschlägen, Fäulnis im Boden (nichtaufbereitete Wirtschaftsdünger) etc. und verschwindet (meist leider nicht so oft) auch ohne zutun wieder
- Ampferpopulationen bilden sich nicht von heute auf morgen, und man wird sie auch nicht an einem Tag los, jedenfalls nicht im biologischen Landbau
- Das Ampferproblem - nicht nur die einzelne Pflanze - muss man an der Wurzel packen
Weitere Fragen:
Manuel Böhm, LK OÖ
E manuel.boehm@lk-ooe.at