Biobauern als Pflanzenzüchter
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Foto: © BLE, Bonn/Thomas Stephan
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Die Biobauern Hans Gahleitner und Alfons Piatti widmen sich seit vielen Jahren der biologischen Pflanzenzüchtung, von der Kreuzung bis zur Selektion. Ihre Zuchtprogramme für Dinkel, Weichweizen und Ackerbohne sind sehr erfolgreich.
Gahleitner züchtet Dinkel
Im Mittelpunkt der Pflanzenzüchtung des Demeter-Bauern Hans Gahleitner aus Arnreit im Mühlviertel steht der Dinkel. Die rauen Bedingungen seiner Selektionsumwelten führen zu kräftigen und gesunden Dinkelpflanzen, die Trockenstress gut vertragen und sich sehr gut an verschiedene Klimazonen anpassen. So erklärt sich auch der überwältigende Erfolg seiner 1999 ins österreichische Zuchtbuch eingetragenen Sorte Ebners Rotkorn, welche aus deutschen Urformen ausgelesen wurde und bereits mehr als zwei Drittel der österreichischen Dinkelvermehrungsflächen einnimmt. Seine breite Anpassung konnte Ebners Rotkorn zuletzt auch in Bio-Landessortenversuchen mehrerer deutscher Bundesländer unter Beweis stellen. In Niedersachsen und Hessen erzielte Gahleitners Dinkel höchste Erträge und hohe Feuchtklebergehalte, sowohl in Grenzlagen als auch auf besseren Standorten.
Es zählt nicht nur der Ertrag!
Ebners Rotkorn ist ein „reiner“ Dinkel, das heißt es wurde kein Weichweizen in seinem Zuchtgang eingekreuzt, er entspricht somit den Kriterien für eine Bio-Sorte. Die Basis der Züchtungsarbeit Hans Gahleitners sind nicht allein Höchsterträge, sondern hohe Resistenzen, gute Bestockung, erhöhte Standfestigkeit, Winterhärte, gutes Nährstoffaneignungsvermögen und beste Backeigenschaften. Aber Gahleitner will mit seinen Bio-Züchtungen noch mehr erreichen, nämlich hohe Nahrungsmittelqualität. Diesbezüglich bescheinigte der Verein für Bildekräfteforschung Ebners Rotkorn dinkeltypische, die menschliche Lebenssphäre schützend einhüllende Kräfte.
In nächster Zukunft will Hans Gahleitner seine Züchtungsaktivitäten wieder etwas intensivieren. In Kooperation mit der Universität für Bodenkultur wird derzeit an der Züchtung eines Sommerdinkels gearbeitet. Auch der Ackerbohne soll wieder mehr züchterische Aufmerksamkeit gewidmet werden. Hier konnte der Biobauer im Jahr 2000 die Sorte Bioro registrieren, welche mittlerweile mehr als die Hälfte der österreichischen Ackerbohnenvermehrungsflächen einnimmt.
Saatzucht mit Tradition
Die Saatzucht Piatti in Loosdorf bei Mistelbach wurde im Jahr 1896 von Alfons Piatti gegründet und war die erste Pflanzenzuchtstation in Österreich. Gezüchtet wurden Weizen, Gerste, Roggen, Erbsen, Linsen und Mohn. Die größte Bedeutung hatte die Saatzucht Piatti in den 1950er- und 1960er-Jahren mit der Qualitätsweizensorte Austro Bankut, die über Jahre hinweg die führende Qualitätsweizensorte Österreichs war. Diese Sorte wurde auch unlängst wiederbelebt und als SLK-Sorte angeboten, fand aber bei den abnehmenden Mühlen wegen sehr hoher Proteinwerte bei eher weichen Teigeigenschaften keine Freunde mehr. Nach den 1960er-Jahren hat die Saatzucht Piatti immer mehr an Bedeutung verloren, wurde aber auf „Sparflamme“ weitergeführt.
Qualitätsweizen aus dem Weinviertel
Vor etwa fünf Jahren erfolgte eine Sichtung des noch vorhandenen Zuchtmaterials der Saatzucht Piatti durch das Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung der BOKU Wien, und es wurde mit der Selektion eines vielversprechenden Zuchtstammes begonnen. Schließlich konnte im Jahr 2008 erstmals seit langer Zeit wieder eine Qualitätsweizensorte mit dem Namen Donnato ins österreichische Zuchtbuch eingetragen werden. Donnato wurde ausschließlich der Bio-Wertprüfung unterzogen und ist die erste Weichweizensorte in Österreich, die auf einem Bio-Betrieb unter biologischen Anbauverhältnissen gezüchtet und selektiert wurde.
Donnato wurde aus einer Kreuzung selektiert, in die unter anderem die altbekannten Sorten Perlo und Capo eingeflossen sind, hat in etwa das Ertrags- und Qualitätspotenzial von Capo und zeichnet sich durch seine besonders gute Unkrautunterdrückung aufgrund von Jugendwachstum, Blattstellung oder Halmlänge aus. Darüber hinaus besitzt er aufgrund seiner genetischen Abstammung und Selektionsumwelten eine gute Trockenheitsresistenz. Derzeit wird Donnato hochvermehrt und wird ab 2011 als zertifiziertes Saatgut den Biobauern zur Verfügung stehen.
Ein Beitrag zur bäuerlichen Unabhängigkeit
Die heutige Leitung der Loosdorfer Saatzucht liegt in den Händen von Mag. Alfons Piatti. Seine Absicht die Saatzucht weiterzuführen, wenn auch auf Sparflamme, basiert in seiner Überzeugung, dass Saatgut in bäuerlichen Händen beziehungsweise im bäuerlichen Einflussbereich bleiben sollte. Alfons Piatti: „Haben wir einmal den Zugriff auf das Saatgut verloren, sind wir sehr leicht erpressbar. Der Name Bauer kommt vom Anbauen, und zum Anbauen braucht man Saatgut. Die Saatzucht Piatti ist bereit, ihren kleinen Beitrag zu einer Saatgutautonomie zu leisten.“