Weide tut gut!
Auf den ersten Blick erscheint die Weide als ein Futterplatz für die Tiere. Doch betrachtet man die Weidehaltung unter einem ganzheitlichen Blickwinkel, tun sich weitere bedeutsame Aspekte auf.
Da das Weidegras ein sehr preiswertes und qualitativ hochwertiges Futter darstellt, hilft es Kraftfutter und vor allem eine Eiweißergänzung einzusparen. Dies stellt nicht nur eine finanzielle Einsparung dar, sondern beschert eine geringere Arbeitsbelastung und eine abwechslungsreiche Arbeit.
Mehr als reines Gras fressen?
Für das Tier ist die Weide eine wesensgemäße Haltungsform, da durch die vollkommene Bewegungsfreiheit das angeborene und arteigene Verhaltensmuster bestmöglich ausgeübt werden kann. Der weiche und verformbare Untergrund wirkt positiv auf die Gesundheit der Klauen beziehungsweise Hufe und den gesamten Bewegungsapparat. Das natürliche Sonnenlicht ist mitverantwortlich bei einigen Stoffwechselprozessen und fördert die Tiergesundheit. Doch ein Zuviel an Sonnelicht kann nachteilig auf das Tierwohl wirken. So bedeutet große Hitze Stress für die Tiere, in solchen Fällen müssen schattige Plätze angeboten werden.
Begegnung zwischen Kuh und Gras
Die Weidehaltung wirkt nicht nur auf das Tier, sondern auch auf die Pflanzen. So beherbergt die Weide, je nach Standort und Bewirtschaftung, die unterschiedlichsten Pflanzengesellschaften. Gerade auf extensiv beweideten Flächen finden sich mehr Pflanzenarten als auf vergleichbaren extensiven Mähwiesen. Dies rührt daher, dass beispielsweise durch den Tritt entstandene Lücken von Lückenbüßern besiedelt werden. Weiters stehen im Bereich der Kotfladen viele Nährstoffe zur Verfügung, die für Nährstoffzeiger optimal sind.
Da durch den ständigen Verbiss der Tiere die Pflanzendecke immer kurz gehalten wird, werden lichtliebende Pflanzen gefördert, und durch den Tritt der Tiere finden Pflanzen der Trittgesellschaft gute Bedingungen. Beispielsweise sind alte Hutweiden nur durch eine sachgemäße Beweidung in ihrem Bestand und als Landschaftselement zu erhalten.
Allzu oft werden kostbar dem Wald abgerungene Almweiden von Verbuschung und in weiterer Folge von Verwaldung bedroht. Gerade die saftig grünen und artenreichen Almweiden der Alpen machen den Reiz dieser typischen Landschaft aus, und ein Verlust solcher Flächen hätte weit reichende Konsequenzen. Im Gegensatz zu Hutweiden weisen intensiv genutzte Dauerweiden eine geringere Artenzahl auf. Unter Berücksichtigung einer abgestuften Grünlandbewirtschaftung, wie sie die biologische Landwirtschaft fordert, kann damit gesamtbetrieblich ebenfalls eine hohe Biodiversität erreicht werden.
Bindeglied zum Konsumenten
Die Weidehaltung stellt ein wichtiges Bindeglied zwischen Produzenten und Konsumenten dar. Die landwirtschaftlichen Nutztiere dürfen für die Gesellschaft nicht noch fremder und unerreichbarer werden, indem diese in Ställe weggesperrt und so dem Wahrnehmungshorizont entzogen werden. Von biologischer Tierhaltung wird erwartet, dass die Tiere Zugang zur Weide haben, und wir müssen daher in der Lebensmittelproduktion dieser Anforderung bestmöglich gerecht werden. Weidende Nutztiere sind daneben auch „wandelnde Landschaftselemente“ und tragen wesentlich zum Erhalt typischer Landschaftsbilder bei. Diese werden letztlich nicht nur von den Touristen, sondern auch den Konsumenten und Konsumentinnen geschätzt. Darüber hinaus erzielen Lebensmittel aus der Weidehaltung eine deutlich günstigere CO2-Bilanz und besitzen hohe Gehalte an wertvollen Inhaltsstoffen wie ?-3-Fettsäuren oder Vitamine.
Verfasser:
DI Walter Starz und Dr. Andreas Steinwidder, Bio-Institut, LFZ Raumberg-Gumpenstein
Weiter Informationen zur Weide finden Sie auch auf der Website des LFZ Raumberg-Gumpenstein:
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