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Homöopathie im Schweinestall

Foto: © Rita Newman

Für eine homöopathische Behandlung der Schweine ist die genaue Beobachtung die Voraussetzung für eine Behandlung. Ein Fragebogen erleichtert das Erkennen der Symptome. Je mehr Symptome gesammelt werden können, umso besser läßt sich ein homöopathisches Mittel finden. Nur ein oder zwei Symptome sind auf jeden Fall für eine sinnvolle homöopathische Behandlung zu wenig.

mehr lesen... 1. Rund um die Geburt

mehr lesen... 2. Husten und Grippe

1. Rund um die Geburt

Schweine können Stresssituationen, wie die Geburt der Ferkel normalerweise gut bewältigen. Manchmal sind aber trotzdem Störungen zu beobachten. Manche Sauen sind vor allem bei der ersten Geburt ängstlich oder aggressiv. Das Verhalten des Tieres soll beobachtet werden: Handelt es sich um eine Erstlingssau, bei der sich die Geburt länger hinzieht? Ist das Tier ruhig und gutmütig, wie reagiert es auf das Ansprechen und auf die Berührung? Legt sie sich gleich auf die Seite und lässt sich am Gesäuge kraulen? Wirkt sie ängstlich und unsicher, als ob sie auf Trost und Zuspruch angewiesen wäre? Wie verhält sie sich gegenüber den Ferkeln? Ist sie gegen die Ferkel aggressiv und versucht sie gar sie zu beißen oder zu fressen? Hat sie genug Milch? Lässt sie die Ferkel trinken oder legt sie sich aufs Gesäuge? Hat sie eine Entzündung der Milchdrüse?

Caulophyllum. Gerade bei Sauen, bei denen sich die Geburt sehr lange hinzieht, erschöpfen sich mit der Zeit die Wehen und es geht immer weniger weiter. Wenn schon ein oder mehrere Ferkel geboren wurden, sodass ein Geburtshindernis ausgeschlossen werden kann, besteht nun die Möglichkeit der homöopathischen Unterstützung: In diesem Fall hat sich das Mittel Caulophyllum C30 bewährt. Es wird ins Maul gegeben und kann bei Bedarf wiederholt werden.

Pulsatilla. Dieses Arzneimittel ist angezeigt, wenn es sich um eine gutmütige, friedliche Jungsau handelt, die sehr ängstlich und unsicher ist. Ein solches Tier hat es gerne, wenn man sie anspricht und sie legt sich gleich auf die Seite, wenn man sie krault. Sie ist eigentlich eine gute Mutter, aber sie kommt mit der neuen Situation und der fremden Umgebung nicht gut zurecht. Sie stösst die Ferkel weg und legt sich auf der Gesäuge, ohne aber aggressiv zu sein. Die Geburt dauert zu lange und die Nachgeburten gehen ebenfalls erst spät ab. Die Milch schießt nicht richtig ein, weil die Sau „zu verspannt” ist. Sie trinkt sehr wenig. Wenn diese Symptome beobachtet werden können, gebe man Pulsatilla C30 und beobachte das weitere Verhalten. Die Sau wird sich entspannen, schon während der Geburt wird es zu einer Beschleunigung des Ablaufes kommen und die Milch wird gut einschießen.

Belladonna. Das aggressive Verhalten bei und kurz nach der Geburt der Ferkel ist zwar selten, dafür aber umso dramatischer. Häufig ist es eine Erstlingssau, die in diesen Zustand angetroffen wird. Die Sau liegt anscheinend ruhig dösend da, aber wehe es ist irgendein Geräusch zu hören: Sofort richtet sie sich auf oder springt auf und geht mit offenem Maul auf den Störefried los. Wenn es ein Mensch ist, der sie gestört hat, dann bleibt ihm nur die sofortige Flucht aus der Gefahrenzone, denn dieses Tier ist in höchster Erregung und hat keine Beißhemmung. Noch schlechter dran sind die neugeborenen Ferkel, die sich durch ein Quieken bemerkbar gemacht haben. Mit weit aufgerissenem Maul und wildem Blick geht die Sau auf das Ferkel los und beißt es tot. Sie erscheint sehr wütend und lässt sich durch ansprechen nicht beruhigen. Typisch ist das aufschrecken, wenn man in die Hände klatscht. Diese Sau hat viel Durst. Nach einem solchen Aggressionsanfall legt sie sich gleich wieder hin und erscheint ruhig und friedlich. Beim Abtasten des Gesäuges fällt auf, daß es sehr heiß, rot und gespannt ist. In einem solchen Fall gebe man Belladonna C30 und beobachte das weitere Verhalten. Die Sau wird sich entspannen und die extreme Geräuschempfindlichkeit verschwindet. Nun kann man vorsichtig die Ferkel zum Säugen anlegen. Nur bei Bedarf wird das Arzneimittel nochmals wiederholt.
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2. Husten und Grippe

Husten und Lungenentzündungen treten plötzlich auf und sind anfangs immer reine Virusinfektionen. Auslöser ist der Wechsel zu kalten Außentemperaturen, Transport oder Zukauf von infizierten Tieren. Eine hohe Luftfeuchtigkeit begünstigt die Erkrankung. Zuerst zeigen die Tiere rote Haut und hohes Fieber, dann machen sich die ersten Atembeschwerden bemerkbar und Husten tritt auf. Die kranken Tiere fressen nichts und haben eine rinnende Nase.

Aconit. Dieses Mittel wird gegeben, wenn die allerersten Symptome auftreten, bevor es noch zum deutlichen Krankheitsbild kommt. Wenn sich die Tiere unruhig zeigen und ängstlich wirken, besonders wenn sie vorher Wind ausgesetzt waren oder wenn zwar schon hohes Fieber, aber sonst noch keine Symptome vorhanden sind, dann gebe man Aconit C30. Aconit ist immer dann einsetzbar, wenn eine Krankheit plötzlich beginnt und sich noch nicht festgesetzt hat. In diesem Stadium sind die Tiere immer unruhig und ängstlich, haben aber außer dem Fieber noch keine Symptome.

Bryonia. Wenn die Grippe schon fortgeschritten ist und bereits eine Lungenentzündung besteht, dann haben die Tiere oft Schmerzen beim Husten und bei jeder Bewegung. Solche Schweine werden sich möglichst vorsichtig auf die stärker schmerzende Seite legen und jede weitere Bewegung vermeiden. Sie lassen sich nicht auftreiben oder zu einem Platzwechsel animieren. Auch den Husten versuchen sie zu unterdrücken. Nur der große Durst treibt sie auf. Wenn diese typische Abneigung gegen jede Bewegung besteht, kann man mit Bryonia C30 dem Schwein sofort viel helfen.
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Autorin: Dr. Elisabeth Stöger
Die Inhalte stammen von Dr. Elisabeth Stöger, Tierärztin am FiBL Österreich.
Sie wurden erstmals in der BIO AUSTRIA - Zeitung veröffentlicht und liegen hier in gekürzter Fassung vor.
Kontakt: elisabeth.stoeger@aon.at



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