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Mastitisprobleme: Grundsätzliches zur Euterentzündung

Foto: © BLE, Bonn/Thomas Stephan

Euterentzündungen sind neben Fruchtbarkeitsstörungen und Klauenproblemen die häufigsten Abgangsursachen bei Kühen. Dabei handelt es sich bei allen diesen Erkrankungen um typische Faktorenerkrankungen, d.h. erst das Zusammenwirken verschiedener krankmachender und belastender Umstände führt zu diesen sichtbaren Schäden.

mehr lesen... 1. Die häufigsten Ursachen

mehr lesen... 2. Akute Mastitis

mehr lesen... 3. Chronische-subklinische Mastitis

mehr lesen... 4. Tests, um chronische Mastitis zu erkennen

mehr lesen... 5. Mögliche Behandlungen

mehr lesen... 6. Vorbeugung vermindert Risiko der Erkrankung

mehr lesen... 7. Verboten im Biolandbau

1. Die häufigsten Ursachen

Eine Mastitis wird durch Bakterien oder Hefen verursacht, wobei aber auf jeden Fall zuerst die Abwehrkraft des Tieres so herabgesetzt sein muss, dass diese Krankheitserreger ins Euter eindringen und sich dort auch noch vermehren können. Diese resistenzschwächenden Faktoren können jeder für sich recht harmlos erscheinen, aber sie summieren sich eben.
So kann eine mangelhafte Stallhygiene zu stark verschmutzten Eutern führen, oder die Kühe liegen auf kaltem Stallboden in feuchter Einstreu. Auch Zugluft kann innerhalb kurzer Zeit eine Euterentzündung bedingen. Häufig ist die Krankheitsursache in Fehlern bei der Melktechnik zu suchen: zu hohes Melkvakuum, Blindmelken, ungenügendes Ausmelken, zu alte Zitzengummis, verschmutztes Melkzeug, usw.
Futterumstellungen und Fütterungsfehler sind immer abwehrschwächende Faktoren, die sich auf das Euter auswirken können. Andere Erkrankungen der Kuh, wie Stoffwechselstörungen oder Gebärmutterentzündungen, Nachgeburtsverhalten und anhaltende Schmerzen infolge fehlender oder falscher Klauenpflege machen das Tier ebenfalls empfänglicher für eine Mastitis. Natürlich ist eine Zitzen- oder Euterverletzung eine ideale Eintrittspforte für Bakterien.
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2. Akute Mastitis

Das Erkennen einer akuten Euterentzündung ist meist kein Problem: das entsprechende Euterviertel ist vergrößert, rot, heiß und schmerzhaft. Das Berühren des entzündeten Viertels ist der Kuh oft unangenehm und mag zu heftigen Abwehrreaktionen führen, sie duldet das Melken kaum. Die Milch ist mit Flocken durchsetzt oder wird überhaupt wässrig oder eitrig. Bei sehr heftigem Verlauf, wie zum Beispiel bei der Coli-Mastitis, liegt zuerst eine Allgemeinstörung vor: die Kuh frisst eine Mahlzeit kaum und hat bereits Fieber, bevor noch die Milch verändert ist. Oft besteht auch Schüttelfrost, heftige Atmung und Verdauungsstörung. Dies kommt dadurch zustande, dass bei einer tiefgreifenden Mastitis viele Abbauprodukte der Entzündung über den Blutkreislauf in den Körper gelangen und somit das Fieber und die Leberbelastung bedingen.
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3. Chronische-subklinische Mastitis

Diese Art der Mastitis entsteht entweder aus einer nicht ausgeheilten akuten Mastitis oder sie entwickelt sich selbständig schleichend. Dabei sind die Euterveränderungen wenig dramatisch, es kann eine leichte Schwellung vorliegen oder es sind Knoten zu tasten. Die Milch sieht wenig verändert aus, manchmal sind Flocken sichtbar. Oft bemerkt der Melker die Erkrankung überhaupt nicht und wird erst durch ein Schreiben der Molkerei darauf aufmerksam gemacht. Der Schalmtest zeigt aber untrüglich an, wenn ein Euterviertel nicht in Ordnung ist. Die subklinischen Mastitiden stellen eigentlich das größte Problem dar, da sie zu spät bemerkt werden und auch schwer zu therapieren sind. In manchen Betrieben sind 40 % der Kühe davon betroffen. Zur Erkennung eignen sich Schalmtest und Milchprobe.
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4. Tests, um chronische Mastitis zu erkennen

Schalmtest. Der Schalmtest ist ein einfach durchzuführender Test zur Ermittlung der Zellzahl in der Milch. Ein erhöhter Zellgehalt in der Milch ist ein Zeichen für Reizungs- oder Entzündungsprozesse im Euter. Bei diesen Zellen handelt es sich zum Teil um Epithelzellen aus den Milchgängen des Euters und zum Teil um Abwehrzellen (weiße Blutkörperchen) aus dem Blut. Die Milch eines gesunden Euters weist nicht mehr als 100.000 Zellen auf. Wenn beim Schalmtest eine Schlierenbildung zu erkennen ist, dann sind bereits mehr als 150.000 Zellen in der Milch, bei einer Gelbildung sind es über eine Million Zellen. Mit dem Schalmtest kann man sehr gut subklinisch erkrankte Euterviertel herausfinden, d.h. kranke Euterviertel ohne äußerlich sichtbare Anzeichen.

Milchprobe. Wenn Bakterien oder Hefen im Euter vermutet werden, dann ist die Untersuchung einer Milchprobe notwendig. Diese ist steril zu entnehmen – nachdem vorher die Zitzen mit Alkohol gereinigt wurden – und möglichst rasch in die entsprechende Untersuchungsanstalt zu bringen. Dort wird die Milch ausgestrichen und bebrütet, wenn Bakterien nachgewiesen werden, kann danach ein Hemmstofftest gemacht werden. Nach diesem Ergebnis richtet sich eine eventuelle antibiotische Behandlung.
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5. Mögliche Behandlungen

Egal welche Therapieart man wählen will, es gilt als Grundsatz der Mastitistherapie: Je früher die Therapie begonnen wird, umso höher sind die Heilungsraten.
Die übliche schulmedizinische Behandlung mit Euterinjektoren und Spritzen ist immer auch mit einer Wartezeit - die ja in der biologischen Landwirtschaft zu verdoppeln ist - verbunden. Trotzdem ist diese Behandlungsart oft notwendig und effizient.

Daneben gibt es aber noch eine Reihe unterstützender und alternativer Maßnahmen:
Je akuter die Mastitis, desto wichtiger ist das häufige Ausmelken, dies soll alle 1-2 Stunden erfolgen. Bei sehr schmerzhaftem und heißem Euterviertel sollte man kühle Umschläge mit Essigwasser oder essigsaurer Tonerde machen. Es gibt aber auch Kühe bei denen ein warmer oder heißer Umschlag die Beschwerden bessert. Heiße Euterviertel darf man nur mit kühlenden, beruhigenden Salben eincremen, keinesfalls mit scharfen Kampfersalben. Ein homöopathisches Mittel sucht man nach dem Aussehen der Milch und des Euters sowie nach dem Charakter der Kuh aus.
Bei chronischen Fällen ist zuerst die genaue Untersuchung des Euters und der Kuh einschließlich Milchprobe notwendig. Vor allem sind auch alle Lebensumstände des Tieres zu überprüfen, von der Fütterung bis zur Klauenpflege.
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6. Vorbeugung vermindert Risiko der Erkrankung

Eine gewissenhafte und engagierte Stall- und Euterhygiene ist die Grundvoraussetzung für einen gesunden Tierbestand:

  • Zweckmäßige saubere Stallkleidung.
  • Händewaschen vor jedem Melken mit Seife und viel Wasser!
  • Wegmelken der ersten zell- und keimreichen Milchstrahlen in den Vormelkbecher – niemals auf den Stallboden.
  • Zitzenreinigung in der biologischen Landwirtschaft mit Holzwolle oder mit feuchten Einwegtüchern – nicht mit einem Stofflappen.
  • Nach dem Ansetzen: Sitz des Melkzeuges und Milchfluss prüfen, nicht Blindmelken.
  • Vor dem Abnehmen des Melkzeuges mit Zisternengriff kontrollieren, ob das Euter leer gemolken ist. Immer ganz ausmelken.Restmilch im Euter: behindert die Neubildung von Milch – senkt den Ertrag – leistet Euterkrankheiten Vorschub.
  • Nach dem Melken: Melkzeug aufhängen, um ein Verschmutzen durch Stallmist zu verhindern.
  • Niederlegen der Tiere verhindern: Der Strichkanal und die Zitzenöffnung schließen sich erst 30 bis 45 Minuten nach dem Melken wieder vollständig. Während dieser Zeit können Keime am leichtesten ins Euter eindringen, daher ist es sinnvoll, die Kühe nach dem Melken am Ablegen zu hindern. Dies erreicht man durch gute Futterrationsgestaltung.
  • Trockenstellen: Grundsätzlich darf nur ein gesundes Euter trockengestellt werden. Eine Woche vor dem Trockenstellen soll man einen Schalmtest zur Kontrolle der Eutergesundheit machen. Dabei ist zu beachten, dass altmelkende Kühe immer eine höhere Zellzahl aufweisen werden.

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7. Verboten im Biolandbau

Das Zitzentauchen mit jodhältigen Präparaten oder mit chemisch-synthetischen Desinfektionsmitteln ist in der biologischen Landwirtschaft nicht erlaubt!
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Autorin: Dr. Elisabeth Stöger
Die Inhalte stammen von Dr. Elisabeth Stöger, Tierärztin am FiBL Österreich.
Sie wurden erstmals in der BIO AUSTRIA - Zeitung veröffentlicht und liegen hier in gekürzter Fassung vor.
Kontakt: elisabeth.stoeger@aon.at



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