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(Tier-) Homöopathie allgemein

Foto: © BLE, Bonn/Thomas Stephan

In der Homöopathie gilt die Grundregel: Nicht die Krankheit wird behandelt, sondern der kranke Mensch oder das kranke Tier als Ganzes. Der Ausgangspunkt der Homöopathie ist die Lebenskraft, die jedem lebendigen Wesen innewohnt.

mehr lesen... 1. Samuel Hahnemann, Begründer der Homöopathie

mehr lesen... 2. Ähnlichkeitsregel

mehr lesen... 3. Das kranke Tier genau beobachten

mehr lesen... 4. Aus der Praxis: Krankengeschichte einer Kuh

mehr lesen... 5. Grenzen der Homöopathie

1. Samuel Hahnemann, Begründer der Homöopathie

Der deutsche Arzt Samuel Hahnemann war ein scharfer Kritiker der Medizin seiner Zeit: Die damaligen Ärzte gaben den Patienten schwere Gifte (z.B. Quecksilber, Schwefel oder Tollkirschenpräparate) als Medizin oder erschöpften den Kranken mit Aderlässen und Abführmitteln. Hahnemann sah die negativen Auswirkungen dieser Behandlungsmethoden und war auf der Suche nach einer wirkungsvollen, aber nebenwirkungsfreien Medizin.
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2. Ähnlichkeitsregel

Bei einer Übersetzungsarbeit las Hahnemann über die angeblich magenstärkende Wirkung der Chinarinde. Er begann kleine Mengen von Chinarinde einzunehmen, um an sich selbst die Wirkung zu überprüfen. Dabei bemerkte er zwar nichts von einer magenstärkenden Wirkung, aber er bekam Wechselfieberanfälle. Da er genau wusste, dass die Chinarinde das wichtigste Heilmittel gegen die Malaria (=Wechselfieber) war, kam er zu folgendem Schluss: Das Heilmittel löst bei einem Gesunden einen künstlichen Krankheitszustand aus, ein Kranker mit einem ähnlichen Leiden wird durch dieses Mittel geheilt. Damit hat Hahnemann die „Ähnlichkeitsregel“ formuliert: Ähnliches wird durch Ähnliches geheilt.So werden für die Homöopathie verschiedene Pflanzen von gesunden Menschen geprüft. Aus den Aufzeichnungen entstehen die sogenannten „Arzneimittelbilder“, also die gesammelten Symptome, die das Heilmittel beim Menschen ausgelöst hat.
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3. Das kranke Tier genau beobachten

Beim kranken Tier werden die Symptome ebenfalls ganz genau beobachtet und aufgeschrieben. Es reicht nicht aus, zu sagen, dass das Kalb Durchfall hat. Der Durchfall kann wässrig oder breiig sein, er kann weiß, gelblich, grau, grün oder schwarz sein. Oft ist der Durchfall auch schaumig, mit Schleimfetzen oder mit Blut vermengt. Dann ist auch noch wichtig wie oft und wie viel Kot abgesetzt wird bzw. ob das Tier dabei matt und schläfrig oder lebendig ist. Die Symptome werden dann mit den Symptomen in den Arzneimittelbildern verglichen. So wird das Arzneimittel, das am besten übereinstimmt (Ähnlichkeitsregel), gefunden.
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4. Aus der Praxis: Krankengeschichte einer Kuh

An einem windigen Abend werde ich zu einer Kuh gerufen, die mit aufgestelltem Haarkleid im Stall steht. Sie hat 41.2°C Fieber und frisst nichts, sie atmet schnell und das Herz pocht heftig. In der Früh war sie noch ganz unauffällig, jetzt ist die Pansentätigkeit zwar etwas verzögert, sonst lassen sich aber keine Symptome finden, das Euter, die Lunge und die Gebärmutter sind normal. Die Kuh erscheint aber sehr unruhig und hat einen ängstlichen Blick. Die Krankheit hat ganz plötzlich während der Stallzeit begonnen und der Auslöser war der starke Wind am Nachmittag, dadurch war die Stalltür aufgesprungen und es hat zwei Stunden lang in den Stall hineingezogen. Homöopathische Gabe: Aconit. Am nächsten Tag frisst die Kuh normal und hat 38.5°C. Die Milchmenge ist geringer als sonst, aber am folgenden Abend melkt sie wieder ihre gewohnt Menge.
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5. Grenzen der Homöopathie

Bei jeder Art der medizinischen Behandlung soll zuerst nach den Ursachen der Erkrankung geforscht werden. Wenn das Stallklima in einem Stall so schlecht ist, dass immer 10 bis 20 % der Jungtiere an Lungenentzündungen leiden, dann wird auch die Homöopathie nur kurzzeitige Erfolge bringen. Dasselbe gilt auch für Fütterungsfehler, Hygienemängel oder Haltungsfehler. Wenn die Ursachen nicht erkannt und nicht abgestellt werden, wird sowohl die schulmedizinische als auch die homöopathische Behandlung wenig Erfolg zeigen. Da wir für die homöopathische Behandlung möglichst viele Krankheitssymptome aufschreiben müssen, ist eine genaue Beobachtung der Tiere notwendig. Wenn diese Beobachtung nicht möglich ist (z.B. große Tierzahl in einer Box wie Schweine- oder Hühnerställe) oder niemand über das Wesen und den Charakter des Tieres und die Krankheitsanzeichen Auskunft geben kann, dann ist eine seriöse homöopathische Behandlung auch kaum möglich.
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Autorin: Dr. Elisabeth Stöger
Die Inhalte stammen von Dr. Elisabeth Stöger, Tierärztin am FiBL Österreich.
Sie wurden erstmals in der BIO AUSTRIA - Zeitung veröffentlicht und liegen hier in gekürzter Fassung vor.
Kontakt: elisabeth.stoeger@aon.at



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