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Wichtige homöopathische Arzneimittel

Foto: © BLE, Bonn/Thomas Stephan

Die Homöopathie ist eine Medizin, die den kranken Organismus durch das Anregen von Regulationsprozessen zur Heilung führen kann, deshalb spricht man von Regulationsmedizin.

mehr lesen... 1. Das richtige Arzneimittel

mehr lesen... 2. Das Wesen in den Mittelpunkt stellen

mehr lesen... 3. Beispiel: Calcium carbonicum

mehr lesen... 4. Wann soll man das Mittel Calcium carbonicum geben?

mehr lesen... 5. Beispiel: Phosphorus

mehr lesen... 6. Wann soll man das Mittel Phosphor geben?

mehr lesen... 7. Konstitutionstyp eindeutig erkennen

1. Das richtige Arzneimittel

Das ganze Tier oder der ganze Mensch muss beobachtet werden, um möglichst viele auffällige Krankheits- und Verhaltenssymptome zu sammeln. Es reicht nicht aus, zu sagen: Das Kalb hat Durchfall! Der Durchfall kann flüssig oder breiig sein, er kann sehr oft abgesetzt werden oder nur zweimal pro Tag. Der Stuhl kann richtig aus dem After herausschießen oder im Liegen unbemerkt abgehen. Ist der After gerötet und wund (dann ist der Durchfall „scharf”)? Welche Farbe hat der Stuhl: gelblich, grün, schwarz, braun, blutig, schaumig, mit Schleimfetzen, etc? Wie ist der Geruch?
Daneben spielt das Verhalten des kranken Tieres eine wichtige Rolle: Ist das Tier ruhig oder unruhig, kalt oder warm, lebhaft oder apathisch, durstig oder durstlos, usw.
Genau diese Beobachtung muß immer wieder geübt werden und die Symptome sollen unbedingt aufgeschrieben werden. Gerade für akute Krankheiten wie Durchfall oder Fieber findet man mit der genauen Beobachtung der Krankheitssymptome sehr gut das (momentan) passende homöopathische Arzneimittel.
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2. Das Wesen in den Mittelpunkt stellen

Eine zweite Möglichkeit zur passenden homöopathischen Arznei zu kommen, erfolgt über die Erkennung des Typus des Tieres (oder Menschen). Ist es ein dickes oder dünnes Tier, ruhig oder schreckhaft, jung oder alt, träge oder überaktiv, steht es hoch in der Leistung oder nicht, ist es krankheitsanfällig oder sehr robust, neigt es zu bestimmten Krankheiten etc..
Die Möglichkeit die Kondition, Konstitution und den Charakter eines Tieres in die Behandlung miteinzubeziehen, gibt es nur in der Homöopathie. In der Schulmedizin wird jede Kuh mit einer Stoffwechselstörung oder jedes Kalb mit einer Lungenentzündung gleich behandelt. In der Homöopathie kommt aber dem Charakter und Verhalten des Tieres die größte Bedeutung zu. In diesem Falle sprechen wir in der Homöopathie von einer Konstitutionstherapie und von Konstitutionsmitteln.
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3. Beispiel: Calcium carbonicum

Bei diesem Arzneimittel handelt es sich um die homöopathische Zubereitung des Austernschalenkalkes. Besonders in der Rinderpraxis ist Calcium carbonicum ein häufig gebrauchtes Mittel. Man kann sich darunter eine typische schwere Fleckviehkuh vorstellen: Grobknochig mit großem Kopf und ausladenden Hörnern wirkt sie schwerfällig und nicht sehr aktiv (Ansatztyp). Beim Weidegang fällt auf, daß sie wenig bewegungsfreudig ist, sie bleibt stehen wo man sie hingestellt hat. Sie zeigt einen kräftigen Knochenbau, hat aber schwache Gelenke und oft einen Hängebauch. Das Tier ist träge und nicht für Höchstleistungen zu haben, aber es bringt bei guter Betreuung eine konstante Leistung ohne große Probleme. Es hat eine schlaffe weiche Haut und eine starke Behaarung. Die Gliedmaßen und der Schwanz sind häufig auffallend kalt. Im Verhalten gegen den Menschen ist dieses Tier ruhig und anhänglich. Es braucht eine gewisse Betreuung und Anlehnung um sich sicher zu fühlen. Es lässt sich ohne Probleme melken, besamen und umstallen. Der gutmütige Blick und das gutmütige Wesen machen den Umgang unproblematisch, obwohl es ab und zu auch störrisch sein kann, nicht aber aggressiv.
Auch in der Herde sind diese Tiere unauffällig, sie haben eine natürliche Autorität, Calcium carbonicum braucht nicht kämpfen, die anderen weichen ohnehin aus. Es sind oft dicke Tiere, die zur Verfettung neigen, die dieses Arzneimittel brauchen, richtige Fresser mit gutem Appetit. Bei Kälbern dieses Typs beobachtet man oft das lecken des Kalkes von Stallwand.
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4. Wann soll man das Mittel Calcium carbonicum geben?

  • Wenn neugeborene Kälber sehr schwerfällig und grobknochig sind und schwer aufstehen, langsam trinken und sich auch nur sehr langsam entwickeln. Wenn Kälber immer wieder an sauren Durchfällen leiden und die Milch nicht vertragen.
  • Wenn Kalbinnen schon sehr fett geworden sind und trotz gut sichtbarer und regelmäßiger Brunst nicht trächtig bleiben wollen.
  • Wenn Kühe dieses Typs an chronischen Entzündungen (auch am Euter), Milchlaufenlassen oder Fruchtbarkeitsproblemen leiden.

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5. Beispiel: Phosphorus

Der homöopathische Phosphor-Typ ist in vielem genau das Gegenteil vom oben besprochenen Calcium carbonicum-Typus. In unserer Vorstellung erscheint eine typische Schwarzbunte Kuh in ihrer lebhaften Art. Sie ist sehr schreckhaft und reagiert auf jedes Geräusch. Sie ist eine sensible Hochleistungskuh mit einem zierlichen, feinknochigen Körperbau. Sie ist schlank und hochbeinig mit schmalem Brustkorb. Trotz guter Fütterung wird sie nie fett (Umsatztyp). Die Tiere sind immer in Bewegung und überaktiv. Sie ermüden rasch, sind aber nach kurzer Rast gleich wieder fit. Haut und Haar sind fein und seidig. Der Kopf ist zierlich und die Hörner sind dünn, spitz und waagrecht.
Gegenüber dem Menschen sind Phosphor-Tiere neugierig und kontaktfreudig. Aber sie sind sehr schreckhaft und können unvermutet ausschlagen. Oft werden sie als „kitzlig” beschrieben. Bei der Besamung springt eine Phosphor-Kuh unruhig hin und her und beim Melken kann es große Probleme mit Milchaufziehen und Herunterschlagen des Melkzeuges geben. Sie erschrecken, wenn im Hof etwas hinunterfällt oder ein fremdes Auto hereinfährt.
Vor allem bei Jungtieren des Phosphor-Typs fällt auf, dass sie einerseits sehr neugierig und kontaktfreudig sind, dann aber im Schreck oder aus Freude ohne weiteres über eine Boxenwand springen können. Phosphor-Tiere sind nicht gerne allein und deshalb schwer von den anderen abzusondern. Der Appetit ist wechselhaft, aber sie trinken oft und gerne kaltes Wasser.
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6. Wann soll man das Mittel Phosphor geben?

  • Wenn Kälber sehr hektisch und schreckhaft sind und überall drüberspringen.
  • Wenn Kälber zu Durchfall bei Aufregung und zu Husten neigen. Wenn sie sich im Luftzug erkältet haben und die Symptome plötzlich wie aus heiterem Himmel aufgetreten sind.
  • Wenn frischabgekalbte Kalbinnen beim Melken dauernd das Melkzeug herunterschlagen (durch Erschrecken oder weil sie “kitzlig” sind) und nur mit viel Geduld melkbar sind.
  • Wenn Hochleistungskühe vom Phosphor-Typ an einer Stoffwechselstörung leiden.

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7. Konstitutionstyp eindeutig erkennen

Natürlich gibt es noch sehr viele andere Charakter- und Konstitutionstypen, wie jeder Landwirt im täglichen Umgang mit seinen Tieren leicht feststellen kann. Es ist daher ratsam, für jedes (Zucht)Tier im Stall eine Art „Charakterkarte” zu führen, wo die bisher durchgemachten Krankheiten (auch als Kalb) und die typischen Verhaltenseigenschaften festgehalten werden.
Wenn man bei einem Tier den Konstitutionstyp eindeutig erkannt hat und eine homöopathische Behandlung notwendig ist, dann gibt man eine Potenz ab der C 30.
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Autorin: Dr. Elisabeth Stöger
Die Inhalte stammen von Dr. Elisabeth Stöger, Tierärztin am FiBL Österreich.
Sie wurden erstmals in der BIO AUSTRIA – Zeitung veröffentlicht und liegen hier in gekürzter Fassung vor.
Kontakt: elisabeth.stoeger@aon.at



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