Steigende Nachfrage nach biologischen Lebensmitteln und die Maßnahmen zur Ökologisierung der Landwirtschaft haben dem Bio-Landbau nachhaltiges Wachstum gebracht. Die Leistungen des Bio-Landbaues für die Umwelt sind beträchtlich wie nachfolgende Beispiele zeigen:
Inhalt:
Mehr naturnahe Flächen
Vielfältige Flora und Fauna
Erhaltung bedrohter Ackerkräuter
Seltene, gefährdete oder anspruchsvolle Arten
Förderung von Ökosystemdienstleistungen
Beitrag zum Bodenschutz
Qualitätsverbesserung von Grund- und Oberflächenwasser
Beitrag zum Klimaschutz
Bio-Betriebe übernehmen Umweltkosten
Mehr naturnahe Flächen
Der Anteil an naturnahen Flächen ist auf einem Landwirtschaftsbetrieb wichtig für eine hohe Biodiversität. Auf englischen Bio-Betrieben wurden in einer neuen Studie mehr naturnahe Elemente wie Feldgehölze, Hecken und Saumstrukturen gefunden als auf konventionellen Nachbarbetrieben. In Kanada war der Anteil solcher Landschaftselemente nicht nur flächenmäßig höher, die Hecken waren auch artenreicher als auf konventionellen Betrieben. Eine Auswertung aller Betriebe in der Schweiz zeigte, dass integriert wirtschaftende Betriebe im Durchschnitt 13 % ihrer landwirtschaftlichen Nutzfläche für ökologische Aufwertungsmaßnahmen ausscheiden, Bio-Betriebe hingegen 22 %. Diese starke Beteiligung zeigt die hohe Bereitschaft der Biobauern und Biobäuerinnen, sich für den Naturschutz einzusetzen.
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Vielfältige Flora und Fauna
Zahlreiche europäische und amerikanische Vergleichsstudien belegen, dass sich der Bio-Landbau sehr positiv auf die pflanzliche und tierische Artenvielfalt auswirkt. Im Durchschnitt kommen auf biologisch bewirtschafteten Feldern und Grünland 50 % mehr Pflanzen- und Tier-Individuen und 30 % mehr Arten vor.
Vögel, räuberische Insekten, Spinnen, Bodenorganismen und die Ackerflora profitieren überdurchschnittlich vom Bio-Landbau. Bei Schädlingen und so genannt indifferenten Organismen unterscheiden sich die Anbausysteme hingegen nicht.
Die Studien sehen die Gründe für die höhere Artenvielfalt auf den Bio-Betrieben im Verzicht auf chemisch-synthetischen Pestizide und Mineraldüngern, in den vielfältigeren Fruchtfolgen, in der geringeren Düngungsintensität, in der Verwendung von organischer Düngung, in der schonende Bodenpflege und im höheren Anteil an naturnahen, wertvollen Flächen.
Kulturlandvögel sind wichtige Zeiger der natürlichen Vielfalt einer Landschaft. Zahlreiche Untersuchungen zur Vogelwelt belegen eine bis zu sechsmal höhere Anzahl Brutreviere und eine bis zu achtfach erhöhte Populationsdichte auf Bio-Höfen. Da die meisten untersuchten Arten sich von Insekten oder Samen von Begleitpflanzen ernähren, bestehen in biologischen Systemen günstige Ernährungsbedingungen.
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Erhaltung bedrohter Ackerkräuter
Die typische Ackerbegleitflora ist durch die intensive landwirtschaftliche Nutzung fast verschwunden. In der Schweiz sind 86 % der Arten der Ackerbegleitflora auf der Roten Liste. Bio-Äcker weisen eine bis zu sechsfach höhere Artenvielfalt auf als konventionelle Äcker. Dank dem Verzicht auf Herbizide, dem tieferen Stickstoffniveau und vielfältigen Fruchtfolgen trägt der Bio-Landbau wesentlich zur Erhaltung bedrohter Ackerkräuter bei.
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Seltene, gefährdete oder anspruchsvolle Arten
Für die Erhaltung seltener oder gefährdeter Arten braucht es meist spezielle Artenschutzprogramme. Nicht so auf Bio-Betrieben: Dort findet man deutlich mehr gefährdete oder im Rückgang begriffene Feldvögel, Ackerbegleitarten und mikroklimatisch anspruchsvolle Laufkäferarten.
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Förderung von Ökosystemdienstleistungen
Ökosysteme erbringen Dienstleistungen, welche für die nachhaltige Produktivität der Landwirtschaft überlebenswichtig sind. So regulieren zahlreiche nützliche Insekten und Vögel – Schädlinge landwirtschaftlicher Kulturpflanzen. Bakterien, Pilze und Regenwürmer bauen fruchtbare Böden auf und machen Nährstoffe für das Pflanzenwachstum verfügbar. Bienen und andere Insekten bestäuben die Obstbäume, Gemüse und Ackerfrüchte.
Mit der Veröffentlichung des Berichtes Millennium Ecosystem Assessments durch mehrere hundert Wissenschaftler im Jahr 2005 wurde der Agrarpolitik bewusst, dass weltweit 60 % der wichtigen Ökosystemdienstleistungen wegen der intensiven Landwirtschaft degradiert sind. Diese Zerstörung natürlicher Ökosysteme stellt nach Einschätzung des Weltagrarrates die größte Gefährdung der globalen Ernährungssicherheit dar.
In verschiedenen Arbeiten konnte gezeigt werden, dass auf Bio-Betrieben die natürliche Regulierung von Schadinsekten besser funktioniert, die Ackerböden wegen der höheren Biomasse und Artenvielfalt von Regenwürmern und Mikroorganismen weniger Erosion zeigen, die Bestäubung verbessert, der Dung von Weidetieren rascher abgebaut wird und Schadorganismen im Boden neutralisiert werden.
Das Beispiel der Bestäuber zeigt, wie teuer eine Verschlechterung von Ökosystemdienstleistungen kommen könnte. Der ökonomische Wert der Bestäubung wird weltweit auf jährlich 30 bis 60 Milliarden Euro geschätzt. Seit mehreren Jahren wird weltweit ein Honigbienensterben beobachtet. Wildbienen können quasi als „Versicherung“ die Arbeit der im Rückgang begriffenen Honigbiene übernehmen. Die höhere Artenvielfalt auf Bio-Betrieben, mehr Futter und Nestmöglichkeiten und höhere Anteile von naturnahen Flächen haben einen sehr positiven Einfluss auf die Wildbienen.
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Beitrag zum Bodenschutz
Durch die landwirtschaftliche Nutzung haben Böden einen großen Teil ihres Humusgehaltes verloren. Das beeinflusst die Erosionsanfälligkeit, Stabilität, Wasserspeicherfähigkeit, Nährstoffmobilisierung, Durchlüftung und Lebensraumfunktion des Bodens negativ. Der Humusgehalt des Bodens kann durch Zufuhr von organischer Substanz, permanente Bodenbedeckung durch Pflanzen mit Zwischenkulturen, Untersaaten und Ausgleichsflächen, reduzierte Bodenbearbeitung und vielfältige Fruchtfolgen wieder aufgebaut werden.
Die hier aufgezählten Maßnahmen gehören alle zum Repertoire des Bio-Landbaues, weshalb dieser eine der wirksamsten Methoden des Bodenschutzes ist. Die reduzierte Bodenbearbeitung könnte die Bodenschutzwirkung weiter verbessern. Wegen der Unkräuter und der langsameren N-Mineralisierung im Frühjahr muss diese aber im biologischen Landbau noch weiterentwickelt werden.
Eine besondere Rolle im Bodenschutz spielen die Regenwürmer. Viele vergleichende Studien zeigen, dass die Anzahl der Individuen, die Biomasse und teils auch die Artenzahl von Regenwürmern in biologisch bewirtschafteten Böden bedeutend höher ist als in konventionellen. Gleich positiv wirkt sich die biologische Bewirtschaftung auch auf die Lebendverbauung der Böden durch Bakterien und Pilze und auf die Mykorrhizapilze aus, welche den Pflanzen schwer gebundenen Bodenphosphor besser verfügbar machen.
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Qualitätsverbesserung von Grund- und Oberflächenwasser
Die Auswaschung von Nitrat ins Grundwasser ist bei verringerter und organischer Düngung deutlich tiefer als bei hoher, mineralischer Düngung. Internationale Publikationen zeigen geringere Nährstoffauswaschungsmengen auf Bio-Betrieben und belegen eindeutig die positive Wirkung des biologischen Landbaues auf die Qualität von Grund- und Oberflächengewässern im Vergleich zu nicht biologisch bewirtschafteten Betrieben.
Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln verursacht externe Kosten, vor allem für die Trinkwasseraufbereitung. In den USA werden die externen Kosten der Pestizide auf zwölf Milliarden US Dollar geschätzt. Gemäß englischen Schätzungen verursacht jedes Kilogramm synthetischer Pestizidwirkstoff durchschnittliche externe Kosten von 13,48 Euro. Insgesamt reduziert der Bio-Landbau im Ackerbau die ausgebrachten Mengen and Pflanzenschutzmitteln um 96 %.
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Beitrag zum Klimaschutz
Eine Umstellung auf biologische Landwirtschaft ist eine wichtige Option, die globale Erwärmung abzumindern und Landwirtschaftsbetriebe robuster gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels zu machen. Die Rückbindung von CO2 in biologisch bewirtschaftete Böden durch stetigen Humusaufbau ist in verschiedenen Studien wissenschaftlich untermauert.
Verschiedene Arbeiten zeigen, dass organisch gedüngte Bio-Landbausysteme bezüglich Bodenkonservierung und Humusaufbau gleichwertig sind wie konventionelle pfluglose Systeme. In der Kombination von Bio-Landbau und reduzierte Bodenbearbeitung läge jedoch die nicht zu übertreffende Lösung bezüglich Humusaufbau. Ein Langzeitversuch im schweizerischen Frick zeigt, dass sich durch den Verzicht auf den Pflug im Bio-Landbau nochmals 800 kg Kohlenstoff jährlich rückbinden lassen.
Hochrechnungen, wie viel CO2 durch eine Umstellung eingespart und zurückgebunden werden kann, variieren stark. Die BOKU kommt bezogen auf Österreich auf 3 % aller österreichischen Emissionen. Die FAO und das FiBL schätzten für eine globale Umstellung ein Potenzial von 6 bis 9 %. Die englische Bioorganisation Soil Association rechnet mit 11 %, und das Rodale Institut in den USA sieht in der Umstellung auf den Bio-Landbau die Möglichkeit, 25 % der in USA erzeugten Klimagas-Emissionen zurückzubinden.
Da alle Modelle noch auf sehr wackligen Füssen stehen, zeigen die Daten vor allem, dass der Bio-Landbau auf jeden Fall in der Klimapolitik berücksichtigt werden sollte.
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Bio-Betriebe übernehmen Umweltkosten
Die biologische Landwirtschaft erzeugt sehr viele positive Umweltleistungen, die sich auch eindrücklich belegen lassen und nimmt deshalb zu Recht eine Spitzenposition bei den Agrarumweltmaßnahmen ein. Bio-Betriebe stehen bezüglich der Vermeidung negativer Umweltauswirkungen deutlich besser da, als Betriebe, welche sich an die gute fachliche Praxis oder die integrierte Produktion halten. Damit übernehmen Bio-Betriebe bedeutende Umweltkosten und entlasten die Volkswirtschaft.
Als in der Praxis gut funktionierendes Gesamtsystem kann der Bio-Betrieb Umweltleistungen zu vergleichbaren Kosten bereitstellen, als wenn die Umweltprogramme in zahlreiche Einzelmaßnahmen aufgegliedert werden. Zieht man darüber hinaus die Synergiewirkungen zwischen Bio-Landbau und einzelnen Umweltmaßnahmen in Betracht dann wird klar, dass der Bio-Landbau einen wichtigen Baustein in der europäischen Agrarumweltpolitik darstellen kann. Dieses Angebot sollte die EU nutzen.
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