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Sie befinden sich hier: BIOBAUERN BioVersität 2007 Das Thema: Biogene Wende: Goldene Zeiten für Biobauern?

Das Thema: Biogene Wende: Goldene Zeiten für Biobauern?

Foto: © BIO AUSTRIA

Im Rahmen des Workshops wurden folgende Themen diskutiert:

Die Landwirtschaft steht vor einer tiefgreifenden Veränderung. Welche Rolle kann dabei die Biolandwirtschaft in Zukunft spielen? – Biobauern, Wissenschaftler und Regionalentwickler versuchten bei der ersten BioVersität 2007 eine Annäherung dieses Themas.

Wir stehen vor einer Revolution

Der Klimawandel und das Wissen um begrenzte Vorräte an fossilen Brennstoffen machen es möglich: Bauernland wird wieder kostbar. Denn dort wachsen nicht nur Lebensmittel sondern auch Rohstoffe zur Energiegewinnung. Und Politik und Wirtschaft wollen mit diesen nachwachsenden Rohstoffen das Dilemma von hohem Energieverbrauch und Klimaveränderung lösen.
Werden Getreideäcker zu den „Ölfeldern“ von morgen, bedeutet dies eine neue industrielle Revolution, so Univ.-Pof. Narodoslawsky von der Technischen Universität Graz. Denn Biomasse kommt nicht aus einem Loch wie Erdöl. Biomasse ist verderblich, saisonal begrenzt, dezentral verfügbar und benötigt Fläche. Biomasse fordert daher völlig neue Logistiksysteme und somit ein radikales Umdenken von Wirtschaft und Gesellschaft.
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Großkonzerne als neue Bauern?

Wie werden sich die Eigentumsverhältnisse der Bauern in Zukunft ändern? - Denn klar ist: Energie aus nachwachsenden Rohstoffen benötigt Fläche, viel Fläche. Internationale Großkonzerne gehören jetzt schon zu den größten Landbesitzern in Osteuropa. Äcker und Felder unserer Bauern könnten bald zur begehrten Mangelware am Weltmarkt werden, wenn die chemische Industrie, die Energiewirtschaft und die Lebensmittelindustrie zukünftig ihre Ansprüche auf ein und den selben Hektar Boden geltend machen. Die Entwicklung von der Landwirtschaft zur Agro-Industrie bekommt somit neuen Aufwind.
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„Erdöl auf unsere Felder schütten“

Agrarpolitiker sehen die Intensivproduktion von Energiepflanzen gerne als DIE neue Einnahmequelle in der Landwirtschaft. Die Höhe der ökologischen Belastung durch den Einsatz von „Dünge- und Spritzmitteln“ wird dabei gerne übersehen. Ebenfalls nicht erwähnt wird der hohe Verbrauch jener fossilen Rohstoffe, die wir durch Biomasse einsparen wollen. Univ. Prof. Narodoslawsky bringt es auf den Punkt: „Was wir düngen, ist fossile Energie. Wir könnten auch Rohöl über unsere Felder schütten.“
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Die Biogene Wende hat erst begonnen

Was bedeutet die Biogene Wende nun für die heimischen Biobauern? Die gute Botschaft vorweg: Die Biogene Wende hat erst begonnen. Dazu sollte man wissen:

  • Wir haben prinzipiell am Energiesektor noch kein wirkliches Ressourcenproblem. Wir haben jedoch ein ökologisches Problem und ein Problem der Verteilung dieser Energieressourcen. Fossile Energiestoffe werden nun teuer, nachdem klar ist, dass sie begrenzt verfügbar sind.
  • Die aktuelle Agrarpolitik führt bezüglich Biomasse in erster Linie eine Förderdiskussion anstatt einer Zukunftsdiskussion mit langfristigen Perspektiven.
  • Dem öffentlichen Druck durch Klimawandel und begrenzter Ressourcenverfügbarkeit versucht die Politik mit schnellen Lösungen und alten Systemem zu begegnen.

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Fragen für eine neue Landwirtschaft

Der Biobauer der Zukunft wird noch mehr Leistungen für die Gesellschaft erbringen. Neben Lebensmittel, Kulturlandschaft und Futtermittel wird er auch Energie produzieren.
Folgende Fragen sind dabei unbedingt zu beachten:

  • Wieviel darf ich von meinem Acker nehmen?
  • Wieviel muss ich dem Acker wieder zurückgeben?
  • Wieviel Humus muss aufgebaut werden?

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Keine Biomasse ohne regionale Kreisläufe

Damit der Acker tatsächlich das zurück bekommt, was ihm entnommen wurde, benötigt es regionale Kreisläufe. Im Gegensatz zum wachsenden internationalen Handel mit nachwachsenden Rohstoffen darf es keine heimische Biomasseproduktion ohne regionale Kreisläufe geben. – Noch haben unsere Bauern die Flächen in ihrer Hand. Doch die Logistikhoheit auf regionalen Märkten müssen sie erst wieder zurückgewinnen, um nicht als „Primärproduzenten“ am globalen Markt auf der Strecke zu bleiben. Denn wer in Zukunft ohne Identität und Werte bleibt, wird am „Billigmarkt“ unter die Räder kommen.
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Die Biogene Wende kann gelingen

Damit die Biogene Wende im Sinne der Nachhaltigkeit gelingen kann, sind folgende Voraussetzung wichtig:

  • Der Bio-Landbau wird als nachhaltigstes Landwirtschaftsmodell auch in der Energieproduktion zum neuen Leitbild.
  • Der Bio-Landwirt wird zum „Regionalwirt“, der für seine Region maßgeschneiderte Produkte und Dienstleistungen anbietet.
  • Der Biobauer versteht sich nicht als „Letzter“ sondern als „Erster“ der Wertschöpfungskette. Er reagiert nicht auf die Marktanforderungen, sondern agiert verantwortungsvoll im Sinne der Nachhaltigkeit.
  • Der Biobauer ist nicht „Lieferant“, sondern „Beteiligter“, der auch Teilhaber der Logistikhoheit ist.
  • Biomasse ist nicht der alleinige Ersatz für fossile Rohstoffe, sondern Teil der Lösung für eine alternative Energiepolitik.
  • Für eine alternative Energiepolitik ist erforderlich:
    • Senken des Energie-Bedarfs – auch auf den Bio-Höfen
    • Steigerung der Energie-Effizienz – auch auf Bio-Höfen
    • Umsteigen auf neue Energieformen, wie Biomasse, Solar- und Windenergie etc.


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