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Barbara Soritz im Interview zur Terra Madre

© Kerstin Reichmann

Barbara Soritz ist Vorstandsmitglied von BIO AUSTRIA, Züchterin einer alten Schafrasse und Mitglied der Arche Kommission. In einem Interview reflektiert sie die erste Terra Madre in Wien.

Erste Terra Madre Wien
Vom 28.-29. November 09 fand im Wiener Rathaus die erste Terra Madre Austria statt. Über 10.000 BesucherInnen stürmten den Arkadenhof um alte Gemüseraritäten, Obstsorten und regionale Spezialitäten zu entdecken. Selbst die Erwartungen der ausstellenden ProduzentInnen, darunter über 20 BIO AUSTRIA Mitglieder, wurden noch weit übertroffen – so mancher Stand war innerhalb kürzester Zeit ausverkauft. Im Rahmen der parallel stattfindenden Fachkonferenz verabschiedeten 400 TeilnehmerInnen die Neue Wiener Deklaration, die wesentliche Forderungen für eine neue Landwirtschafts- und Lebensmittelpolitik enthält.

Barbara Soritz zur Terra Madre

  • Wie hast du die Terra Madre Austria erlebt?

Umsatzmäßig und von der Frequenz der Besucher her hat der Markt meine Erwartungen erfüllt. Was die Organisation und Betreuung anbelangt, war ich sehr positiv überrascht – so bin ich selten auf einem Markt betreut worden! Auch meine KollegInnen waren sehr positiv überrascht!
Was nicht so gut geklappt hat, war die elektronische Darstellung der Geschichte, es gab zum Beispiel keine Informationen zu den gelisteten Produkten auf der Slow Food Homepage. Dabei wäre das eine gute Gelegenheit gewesen, unser, als Leader-Projekt eingereichtes, Krainer Steinschaf dort zu präsentieren und zu zeigen, was wir tun und wie wir arbeiten. Aber wir haben das nachgereicht und nächstes Mal wird das besser laufen.

  • Wie geht es dir als Biobäuerin damit, dass es viele konventionelle Arche-Produkte gibt?

Da gibt es eine gewisse Unschärfe, wobei man unterscheiden muss: beim Arche-Produkt geht es um die einfache Nennung eines Produkts als hochgefährdet. In dieser Stufe geht es noch nicht um den Produzenten, von daher ist es schwierig, spezielle Produktionsbedingungen daran zu knüpfen. Erst in der Presidio-Stufe geht es um einzelne ProduzentInnen und da müssen biologische Produktionsrichtlinien eingefordert werden.

  • Sind diese Produktionsrichtlinien schon verpflichtend verankert?

Die Internationale Kommission, die ja schlussendlich entscheidet, ob die eingereichten Produkte nominiert werden oder nicht, hat sehr genaue Vorstellungen. Die biologische Produktionsweise ist oberstes Ziel, aber noch nicht verpflichtend verankert. Claus Holler (BIO AUSTRIA Großküchen- und Gesundheitsexperte, Anm d. Redaktion) und ich sind ja in der Kommission, und wir haben dort klar deponiert, dass „biologisch“ ein geschützter Begriff ist, der nur im Zusammenhang mit einer Zertifizierung benutzen werden darf - dieses Bewusstsein hat es so vorher nicht gegeben. Es muss klar in Richtung biologische Produktionsrichtlinien gehen, aber wir fordern das nicht schon morgen, das ist eine Entwicklung.

  • Warum macht es deiner Meinung nach Sinn für BIO AUSTRIA sich für Slow Food und die Terra Madre zu engagieren?

Einerseits spricht die Vielfalt einfach einen Teil unserer Grundidee an. BIO AUSTRIA ist ja auch, gemeinsam mit Slow Food, Arche Austria und Arche Noah, Projektträger der „Arche des Geschmacks“ (reicht bei der Internationalen Kommission Arche-Produkte und Presidi-Projekte ein, Anm. d. Redaktion). Und es ist wichtig, dass BIO AUSTRIA dabei ist, denn wir bringen einen wichtigen Aspekt, nämlich die Bio-Landwirtschaft, in die Terra Madre ein. Durch uns wird das Profil geschärft und das Augenmerk auf die Produktionsrichtlinien gelenkt, was vorher bei Slow Food Wien nicht so war.
Außerdem können wir unser Engagement für die Förderung der biologischen Vielfalt sichtbarer machen – alle Projektträger transportieren die anderen mit. Dadurch erhalten wir mehr Echo in der Öffentlichkeit und sprechen biologisch wirtschaftende Bauern und Bäuerinnen an, die noch nicht BIO AUSTRIA Mitglied sind.

  • Inwiefern profitieren BIO AUSTRIA Bäuerinnen und Bauern?

Carlo Petrini (Gründer von Slow Food, Anm. d. Red.) ist ja ein Visionär, es geht ihm um viel mehr als Essen. Petrini ist grundpolitisch, es geht ihm um die bäuerliche Unabhängigkeit, um die Stärkung des Kleinbäuerlichen.
Direkt vermarktende BIO AUSTRIA Bäuerinnen und Bauern finden, wenn sie sich gleichzeitig des Themas Biodiversität annehmen, hier einen Markt. Zum Beispiel bietet der Karmelitermarkt in Wien schon länger die Möglichkeit, sich sporadisch zu präsentieren. Das ist auch für viele interessant, die nicht regelmäßig nach Wien fahren wollen. Die Maktplätze in Wien - andere Bundesländer werden folgen - bieten eine Plattform sich zu präsentieren. Die ProduzentInnen werden im Vorfeld beworben, Kunden aufmerksam gemacht – das ist eine spannende Sache!
Außerdem bietet sich für unsere Bäuerinnen und Bauern die Möglichkeit, durch Presidi-Projekte auf dem Weg zum Markt gefördert zu werden. Die strengen Kriterien der Internationalen Kommission sind keine wirkliche Hürde für unsere Mitglieder.

  • Wird die Terra Madre Austria regelmäßig stattfinden?

Es sollen laufend Produkte nominiert werden, daher macht es Sinn, wenn diese regelmäßig präsentiert werden, auch in Österreich. Alle zwei Jahre findet die Internationale Terra Madre in Turin statt. In den Jahren dazwischen wäre der ideale Zeitpunkt für die Terra Madre Austria.

  • Wirst du auf der Terra Madre in Turin sein?

Selbstverständlich! Allerdings möchten wir bis dahin mit der Wurst und Wolle der Krainer Steinschafe als Presidi vertreten sein, die Fleischvermarktung braucht keine Unterstützung mehr.

Neue Wiener Deklaration als Download



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