Der Weg zu einer neuen Agrarkultur
Bis zum letzten Platz gefüllt war der Eröffnungstag der 8. BIO AUSTRIA-Bauerntage Ende Jänner in Puchberg bei Wels. Mit über 1150 Besucherinnen und Besucher bei der größten Weiterbildungsveranstaltung für den Bio-Landbau in Österreich wurde ein neuer Rekord erreicht.
Information, Diskussion und Austausch standen an den vier Tagen im Vordergrund, der große Andrang gab dem Organisationsteam unter der Leitung der BIO AUSTRIA-Mitarbeiterin Christa Größ Recht: „Die biologische Landwirtschaft ist eine Wissenslandwirtschaft mit sehr viel Praxis-Bezug, an deren Weiterentwicklung wir kontinuierlich arbeiten. Die BIO AUSTRIA-Bauerntage sind unser Forum für Weiterbildung, Information und Austausch.“
Ein System für morgen
BIO AUSTRIA-Obmann Rudi Vierbauch betonte in seiner Eröffnungsrede die Wichtigkeit eines neuen Konzeptes für die Landwirtschaft: „Wir brauchen dringend eine Agrarkultur, die sich von einer Ressourcen verbrauchenden High-Input-Landwirtschaft abwendet. Diese dient nicht uns Menschen, sondern in erster Linie dem Kapitalmarkt. Bauen wir stattdessen auf eine soziale und umweltverträgliche Bio-Landwirtschaft als Leitbild für eine Agrarkultur 2100.“
Rudi Vierbauch weiter: „Alle, die Verantwortung tragen für die Gemeinsame Europäische Agrarpolitik (GAP) müssen sich bewusst sein: Sie verhandeln über die Zukunft unserer Ökosysteme und über die Zukunft unserer bäuerlichen Existenzen. Beide sind die Basis für unser aller Lebensmittel und somit die Lebensgrundlage für uns alle. Sie treffen dabei Entscheidungen mit Langzeitwirkung. Wissen wir doch, dass der Aufbau fruchtbarer Böden und die Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit eine Arbeit von mehreren Generationen ist. Bekennen wir uns zu dieser Verantwortung auch im zeitlichen Sinne. Setzen wir mit einer Agrarkultur 2100 neue agrarpolitische Eckpfeiler. Garantieren wir unseren Kindern und Enkelkindern lebenswerte Lebensräume und gesunde Lebensmittel.“
Weiter wie bisher ist keine Option
Hochkarätige Referentinnen und Referenten beleuchteten am Eröffnungstag das derzeitige Landwirtschaftssystem aus verschiedenen Blickwinkeln. Benedikt Haerlin, Zukunftsstiftung Landwirtschaft in Berlin: „Der Weltagrarbericht der UNO und Weltbank war es, der 2008 den Sicht-Wechsel unter dem Schlagwort „Weiter wie bisher ist keine Option“ eingeleitet hatte. Die Reaktion der Industrie, aber auch der Weltbank und FAO, der deutschen und US Landwirtschaftsministerien, von vielen Wissenschaftlern und der Agrarlobby waren zunächst klassisch: ignorieren, entwerten, lächerlich machen, zur Tagesordnung übergehen. Drei Jahre später gehören die wesentlichen Botschaften des Weltagrarberichts zum Standard wissenschaftlicher und institutioneller Analyse.“ Haerlin fordert auch vom Bio-Landbau mehr Offenheit und Innovation, um die Herausforderungen der Zukunft überhaupt meistern zu können.
Prof. Winfried Blum, BOKU Wien, stuft die Entwicklung des Verlusts unserer Lebensgrundlage, des Bodens, als alarmierend ein: „Wir stehen inzwischen an der Wende, mit gefährlichen Entwicklungen bezüglich weltweiter Ernährungssicherheit und der Erhaltung sozialer, ökonomischer und ökologischer Lebensbedingungen für große Teile der Weltbevölkerung. Die Wissenschaft kann hierbei nur die Szenarien aufzeigen und die Probleme verdeutlichen. Entscheiden müssen aber Politiker und sonstige Entscheidungsträger.“
Irmi Salzer, ÖBV Via Campesina, spricht sich gegen eine rein mengenmäßige Ernährungssicherheit und für eine echte Ernährungssouveränität aus: „Ernährungssouveränität ist das Recht aller Menschen auf gutes, kulturell angepasstes Essen, das mittels nachhaltiger Produktionsmethode hergestellt wurde, sowie das Recht der Menschen, Nationen und Staatengemeinschaften, ihre Ernährungs- und Agrarpolitik selbst zu bestimmen. Wir müssen nicht nur global denken, sondern auch global handeln.“
Dr. Felix Prinz zu Löwenstein, Vorstandsvorsitzender Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft und Biobauer: „So wenig wie mangelnde Produktivität die Hauptursache des Hungers ist, so wenig ist ein System industrieller Landwirtschaft zukunftsfähig wie es die Vertreter von BASF und Monsanto im Sinn haben. Es verbraucht mehr Ressourcen als uns zur Verfügung stehen. Das kann nicht mehr lange gut gehen. Unsere Landwirtschaft muss ökologisch werden und unsere Ernährungsweise dazu. Die ökologische Landwirtschaft wie sie in Europa entwickelt wurde, gibt dafür die Richtung.“
Innovationen für die Zukunft fördern
Bereits zum dritten Mal verlieh BIO AUSTRIA-Obmann Rudi Vierbauch am Eröffnungsabend der Bauerntage den von BIO AUSTRIA ausgeschriebenen Innovationspreis „BIO AUSTRIA Fuchs".
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Präsentationen Eröffnungstag zum Nachlesen (nur für Mitglieder):
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