Erfolgreich mit Freilandschweinen

Am 29. November war der Saal der Schlosstaverne Greillenstein in Röhrenbach (NÖ) gut gefüllt. Fast 50 Bauern und Bäuerinnen – und solche, die es noch werden möchten – holten sich Tipps zur erfolgreichen Freilandhaltung von (Bio-)Schweinen.

Die Beiträge der Vortragenden reichten von den rechtlichen Rahmenbedingungen über richtige Fütterung und Tierbehandlung bis zu Besonderheiten der Speckrassen Mangaliza und Turopolje. Im Anschluss an die Theorie besichtigte die Gruppe das Freilandgehege und den Offenfrontstall des „Waldviertler Freilandschwein“-Mästers Andreas Krippel. Dieser hatte reichlich Erfahrung zu bieten: Immerhin mästet er schon seit acht Jahren Winters wie Sommers etwa 250 Schweine im Freien.

Viele Fragen, was erlaubt ist
Den Anfang des Tages bestritt Elisabeth Deix – sie ist Beraterin an der NÖ Landwirtschaftskammer. Sie gab einen Überblick über jene rechtlichen Rahmenbedingungen, die bei jeder Art von Schweinehaltung berücksichtigt werden müssen. Dazu zählen das Tierschutzgesetz und die Tierhalteverordnung ebenso wie das Forstrecht, der Wasserschutz und die Tierkennzeichnung. Wer dazu Fragen hat, wendet sich am besten an Elisabeth Deix direkt ()!

Fütterung bedarf Mitdenken
Beim Thema Fütterung von Freilandschweinen entbrannte eine kurze Diskussion, ob man Schweine so „großzügig“ halten kann, dass sie nicht mehr zugefüttert werden müssen. Wenn man weiß, dass für Wildschweine-Gehege ein bis zwei Tiere auf 100 Hektar empfohlen werden, wird aber klar, dass Freilandschweine ausreichend mit bedarfsangepasstem Futter versorgt werden müssen. Der Bedarf der Tiere ist je nach Alter, Rasse und damit verbundener Leistungshöhe unterschiedlich. Speckrassen haben geringere Anforderungen beim Eiweißgehalt des Futters. Rasch wachsende weiße Schweine müssen auch im Freiland nach „üblichen“ Bedarfsempfehlungen gefüttert werden.

Vorsichtig eingliedern
Wie veterinärmedizinische Behandlungen bei Freilandschweinen gar nicht notwendig sein müssten, versuchte Dr. Christine Leeb zu erklären. Sie empfahl dringend, Erkrankungen vorbeugend zu vermeiden, indem zugekaufte Tiere (Zuchtferkel, Eber, Jungsauen) die ersten sechs Wochen in einem „Quarantäne-Bereich“ untergebracht werden. Dort können sie beobachtet und untersucht werden, und erkrankte Tiere erst gar nicht in den Bestand kommen. Als Quarantänebereich kommt ein eigenes Gehege möglichst in Windrichtung deutlich entfernt vom Hauptgehege in Frage, aber auch ein einfach ausgestattetes Altgebäude am Betrieb ist möglich.

Speckrassen liefern viel Fett
Über die beiden in Österreich hochgefährdeten Schweinerassen Mangalitza und Turopolje und ihre Vorteile im Freiland berichtete DI Florian Schipflinger (ARCHE Austria). Von beiden Rassen sind nicht einmal mehr 300 Zuchttiere im Herdebuch eingetragen – also steht die Erhaltung der rassetypischen Merkmale (Speckfülle, Farbschläge) im Vordergrund. Die ARCHE Austria als „Verantwortliche Organisation“ führt das Herdebuch, hilft bei der Zuchttier-Vermittlung und steht für alle Fragen über Speckschweine zur Verfügung (www.arche-austria.at).

Gegen Kälte und Nässe schützen
Einige Tipps zur Gestaltung von Tränken, Trögen, Liegehütten und Umzäunungen bekamen die TeilnehmerInnen noch in Form von Fotos im Veranstaltungssaal, bevor sie zum Besichtigungsbetrieb der Familie Krippel aufbrachen. Im Gehege in der Nähe von Tautendorf zeigte sich dann ein Nachteil der Freilandmast: Der Nordwind ließ Finger und Ohren einfrieren und machte klar, dass Freilandhaltung sehr warme Kleidung und/oder besondere Kältetoleranz voraussetzt. Und dass Andreas Krippel einfache, durchdachte und herzeigbare Lösungen – zum Beispiel alte LKW-Anhänger als Liegehütten – gefunden hat.

Erfolg nur mit Engagement
Die Freilandhaltung von Schweinen – sowohl von Speckrassen als auch von „üblichen“ weißen Rassen – ist eine besondere Haltungsform, die besondere Anforderungen stellt. So sind ausreichend große Liegehütten mit trockener Einstreu ebenso wichtig wie bedarfsgerechte Fütterung und Vermeidung von Ansteckungen mit Krankheitserregern. Wer sich dafür interessiert, sollte aber vor allem die Vermarktung geklärt haben. Betriebsindividuelle (Bio-)Beratung vorab ist zu empfehlen!

Sonja Wlcek, Bio Austria

Linktipps:
Es sind noch immer zusätzliche Freilandschweinehalter im Waldviertel gesucht:
www.bio-austria.at

Informationen zu gefährdeten Nutztierrassen:
www.arche-austria.at

Beispiel für eine Direktvermarktung von Bio-Mangalizaprodukten:
www.simandl.at

Vermarktung von Turopolje-Schweineprodukte über einen Bio-Fleischhauer (Beispiel):
www.porcella.at

Freilandschweine in Oberösterreich:
www.freilandschwein.info

Einfache Freilandhaltung von Turopolje-Schweinen:
www.bio-austria.at

Beratung für (zukünftige) Bio-Betriebe in Niederösterreich:
www.bio-austria.at