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Biomaps 2019

Umstellung

Foto: © BIO AUSTRIA
Foto: © BIO AUSTRIA

Im Bio-Ackerbau werden Fruchtfolge, Beikrautregulierung, Bodenbearbeitung und Zwischenfruchtanbau so aufeinander abgestimmt, dass ein direkter Einsatz von rasch wirkenden Düngern und chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln nicht notwendig ist.

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Erfolgreich in den Bio-Ackerbau starten

Grundlage des Bio-Ackerbaus

Die Grundlage des biologischen Ackerbaus ist ein belebter Boden. Der biologische Landbau ist auf ein Ökosystem angewiesen, in dem Milliarden von Lebewesen dafür sorgen, dass die Pflanzen optimal ernährt werden. Ziel ist daher, die natürliche Bodenfruchtbarkeit zu erhalten und zu steigern. Entscheidend bei der Umstellung auf den biologischen Landbau ist der Übergang von direkter Ernährung der Pflanzen mit leicht löslichen Nährstoffen auf eine indirekte Ernährung über das Bodenleben. Eine ausgewogene Fruchtfolge und eine angepasste Bodenbewirtschaftung steigern die Bodenfruchtbarkeit und sind so Voraussetzungen für die Erzeugung gesunder Pflanzen.

Fruchtfolge richtig planen

Eine richtig geplante Fruchtfolge ist der Schlüssel zum Erfolg im Bio-Ackerbau. Basis einer Bio-Fruchtfolge ist der Anbau von winterharten Leguminosen wie Esparsette, verschiedene Kleearten, Luzerne, Winterwicke, etc. Die Leguminosen sorgen durch Bindung von Luftstickstoff für die Stickstoffversorgung der nachfolgenden Kulturen. Zusätzlich leisten sie einen wichtigen Beitrag zum Humusaufbau und zur Unterdrückung von Wurzelunkräutern. Der Leguminosenanteil soll aber nicht höher als 25 % sein, da es sonst zu Problemen mit Krankheiten und Schädlingen kommt. Aus dem gleichen Grund soll der Getreideanteil maximal 60 % und der Hackfruchtanteil maximal 30 % betragen.

Abwechslung ist wichtig

Ein weiterer Grundsatz bei der Fruchtfolgeplanung ist, für einen Wechsel zwischen Stickstoffmehrern und Stickstoffzehrern, zwischen Blatt- und Halmfrüchten, zwischen Winterungen und Sommerungen, zwischen beikrautunterdrückenden und beikrautempfindlichen Kulturen sowie wurzelarmen und wurzelreichen Arten zu sorgen. Das hilft auch vorbeugend den Beikrautdruck niedrig zu halten, da es Problembeikräuter schwerer haben.

Den Boden mit Energie versorgen

Düngen soll die Bodenfruchtbarkeit fördern. Basis für die Nährstoffversorgung der Pflanze ist das Bodenleben und dessen Umsetzungsprodukte. Im Sinne der Kreislaufwirtschaft werden vorrangig Nährstoffe aus Ernterückständen und Gründüngungspflanzen genutzt. Zusätzlich kommen am Veredelungsbetrieb eigene beziehungsweise bei Betriebs-Kooperationen auch fremde Wirtschaftsdünger zum Einsatz. Da organische Stickstoffdünger von Bio-Betrieben oder aus der Bio-Verarbeitung kaum verfügbar sind, ist unter bestimmten Voraussetzungen auch der Einsatz von konventionellen organischen Düngern möglich. Einschränkungen gibt es sowohl bei den maximal erlaubten Stickstoffzugangsmengen als auch bei den erlaubten Düngemitteln. Wesentliche Maßnahmen in der biologischen Bewirtschaftung wie eine ausgewogene Fruchtfolge, der Anbau von Leguminosen und Zwischenfrüchten dürfen jedoch nicht vernachlässigt werden.

Wirtschaftsdünger

Der Boden beziehungsweise die Organismen im Boden sind bei ausreichender Feuchtigkeit und Temperatur am aktivsten. Sie können Dünger nur im obersten Krumenbereich verarbeiten. Mit einer Düngung vor dem Anbau werden die Nährstoffe gut in den Bodenkreislauf eingebracht. Bei einigen Kulturen kann es jedoch auch im Bio-Landbau von Vorteil sein, den Nährstoffbedarf und den Ausbringungszeitpunkt der Wirtschaftsdünger eng aufeinander abzustimmen. So kann etwa der Stickstoffbedarf von Wintergetreide oder Spezialkulturen am ehesten mit Gülle gedeckt werden. Ist die Gülle zudem für das Bodenleben gut verträglich, wird dieses durch den Nährstoffschub und das beginnende Wurzelwachstum zusätzlich aktiviert.

Das Aufbereiten von Wirtschaftsdüngern und Komposten ist im Bio-Landbau selbstverständlich. Ziel ist es, die eingesetzten Dünger für das Bodenleben verträglicher zu machen. Mit Verdünnen und dem Einbringen von Luft und Kohlenstoff wird darauf geachtet, den organisch gebundenen Gehalt an Nährstoffen zu erhöhen und den leicht löslichen Anteil zu senken.

Vielfältige Zwischenfrüchte

Der Anbau von Zwischen- oder Gründüngungskulturen hilft, den Boden bedeckt zu halten und dem Bodenleben zusätzliche Nahrung für den Aufbau von Humus zur Verfügung zu stellen. Außerdem können Schadorganismen wie zum Beispiel Nematoden reduziert, Bestäuberinsekten wie Schwebfliegen, Wildbienen, etc. und räuberisch oder parasitierend lebende Organismen wie Florfliegen, Marienkäfer, Schlupfwespen, etc. gefördert werden.
Mit Zwischenfrüchten können weiters gezielt Beikräuter unterdrückt werden. Voraussetzung dafür ist ein artenreicher, lückenloser und wüchsiger Bestand.

Beim Anbau von Zwischenfrüchten sind folgende Punkte zu beachten:

  • Kulturen vermeiden, die als Hauptkultur angebaut werden,
  • verschiedene Kulturen auswählen,
  • vorausschauend und flexibel auf auftretende Beikräuter reagieren,
  • Mischungen gegenüber Reinsaaten bevorzugen.

Die Anlage erfolgt je nach Bestandsdichte der Hauptkultur. Bei lückigem, schütterem Bestand wird die Zwischenfrucht eventuell schon als Untersaat etabliert. So gewinnt der Bio-Bauer Zeit und hat eine Konkurrenz zu auflaufenden Beikräutern geschaffen.
Normalerweise erfolgt die Anlage nach der Ernte der Hauptkultur. Dabei ist auf gute Keimbedingungen zu achten. Das heißt, kleinkörnige Samen dürfen nicht zu tief und großkörnige nicht zu seicht abgelegt werden.

Bodengare erhalten

Ein gesunder Boden ist daher ein zentrales Anliegen im biologischen Landbau. Man spricht von einem gesunden oder garen Boden, wenn die einzelnen Bodenbestandteile wie mineralische Teile, Hohlräume und organische Bestandteile von Mikroorganismen und Wurzelresten zu einem Krümel zusammengefügt werden. Die Bodenbewirtschaftung im biologischen Landbau zielt daher darauf ab, die Bodengare zu erhalten beziehungsweise zu verbessern. Fehler in der Fruchtfolge und Bodenbearbeitung können im biologischen Landbau nicht durch eine ausgleichende Düngung mit Stickstoffdüngern beziehungsweise dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln behoben werden.

Wenn gute Erträge ohne leichtlösliche Mineraldünger und Pflanzenschutzmittel erzeugt werden sollen, muss der Boden selbst mit Hilfe des Bodenlebens ausreichende Erträge erbringen. Bei Verzicht auf Düngung und Pflanzenschutz ohne Änderung der Bodenbewirtschaftung sinken die Erträge rasch.

Geräte zur Bodenbearbeitung

Die Auswahl an Geräten für die Bodenbearbeitung ist groß. Vor jedem Arbeitsgang ist es wichtig, sich zu überlegen, welches Ziel mit einer Bearbeitung erreicht werden soll.
Abgestimmt auf die Fruchtfolge gibt es bevorzugte Jahreszeiten, um mit der Bodenbearbeitung entscheidend zur Reduktion der Beikräuter und zum Auflaufen der Ausfallskulturen beizutragen. Bei hohen Getreideanteilen ist es der Sommer, wo sowohl Ausfallgetreide als auch Beikrautsamen durch einen seichten Stoppelsturz zum Keimen gebracht und anschließend beim Aussäen der Gründüngung wieder vernichtet werden. Aber auch Wurzelunkräuter können im Sommer bei trockener Witterung durch mehrmaliges Durchschneiden in verschiedenen Tiefen oder Austrocknen lassen an der Oberfläche nachhaltig geschwächt werden. Verdichtungen sollen nur bei trockenen Bedingungen mit tiefgreifenden Geräten aufgebrochen werden. Zusätzlich ist dann eine Einsaat rasch wurzelnder Kulturen für eine Lebendverbauung des Bodens unabdingbar, da sonst die Schwerkraft den Lockerungseffekt wieder zunichte macht.

Beikräutern vorbeugen

Einsteiger in den Bio-Landbau haben oft große Angst vor einem erhöhten Beikrautdruck, wenn sie auf Herbizide verzichten müssen. Nach kurzer Zeit machen sie jedoch die Erfahrung, dass mit dem Verzicht auf Handelsdünger viele stickstoffliebende Beikräuter wie zum Beispiel das Klettenlabkraut oder die Taubnessel von selbst verschwinden. Stattdessen machen Wurzelbeikräuter wie die Ackerkratzdistel Probleme im Bio-Ackerbau. Diese kann jedoch durch zweijährigen Futterleguminosenanbau, konkurrenzstarke Kulturen und Vermeidung von Bodenverdichtungen erfolgreich reguliert werden.

Ist Handarbeit notwendig?

Mit vorbeugenden Maßnahmen wie einer ausgewogenen Fruchtfolge, dem Anbau von Futterleguminosen sowie dichten Kulturpflanzenbeständen werden die Beikräuter von vornherein in Schach gehalten. Was dann noch bleibt, kann mechanisch durch Striegeln und Hacken beseitigt werden, im Gemüsebau auch mit der Abflammtechnik. Es soll jedoch nicht verschwiegen werden, dass bei Hackfrüchten wie Ölkürbis oder Zuckerrübe auch eine händische Beikrautregulierung notwendig ist.

Rechnet sich der Bio-Ackerbau?

Die Hektarerträge sinken nach der Umstellung auf den Bio-Landbau, bei Wintergetreide beispielsweise um rund ein Drittel. Die derzeit attraktiven Preise für Bio-Ware machen teilweise den Ertragsrückgang wieder wett, wenngleich auch die Preise für konventionelle Produkte in den letzten Jahren relativ hoch waren. Niedrigere Betriebsmittelkosten und höhere Förderungen helfen zusätzlich mit, dass sich die Umstellung auf biologische Wirtschaftsweise für Ackerbauern rechnet. Das Ertragsrisiko und die Gefahr eines Ernteausfalles sind im Bio-Landbau jedoch höher.

In der zweijährigen Umstellungszeit können Futtergetreide wie Gerste, Triticale oder Weizen und Futterleguminosen wie Erbse, Ackerbohne oder Sojabohne zu Bio-Preisen vermarktet werden. Speisefru?chte wie Mahlweizen, Mahlroggen, Kartoffeln oder Sonnenblumen können erst nach Ende der Umstellungszeit von anerkannten Bio-Flächen zu Bio-Preisen vermarktet werden.

Entscheidend für die Wirtschaftlichkeit der Umstellung auf biologische Wirtschaftsweise ist nicht der Deckungsbeitrag einzelner Kulturen, sondern der Gesamtdeckungsbeitrag der Fruchtfolge.

Hohe Nachfrage nach Bio-Ackerfrüchten

In Österreich werden rund 180.000 Hektar Ackerland biologisch bewirtschaftet. Das sind ca. 14 % der gesamten Ackerfläche. Die bedeutendsten Kulturen im Bio-Ackerbau sind Feldfutter und Weizen. Folgende Kulturen werden auf Bio-Betrieben häufiger angebaut als auf konventionellen Betrieben: Dinkel, Ackerbohnen, Öllein, Körnererbsen, Ackerfutter, Roggen, Hafer und Hirse. Hingegen finden sich Ölraps, Hartweizen, Zuckerrüben, Mais, Gerste und Sonnenblumen auf Bio-Betrieben seltener.

Bei Dinkel, Mais, Sojabohne, Ackerbohne, Erbse und Futtergerste kann die Nachfrage derzeit nicht gedeckt werden. Ein Überangebot ist zur Zeit bei Roggen vorhanden. Bio-Speiseweizen ist mit einer Produktionsmenge von 48.000 t die bedeutendste Getreideart. Er kann mit einem Proteingehalt von mindestens 12 % in den meisten Jahren gut vermarktet werden.
Die Erzeugerpreise für Bio-Produkte liegen über den konventionellen Preisen.

Bio-Getreide, das nicht für Direktvermarktung und Eigenverwertung benötigt wird, vermarkten Firmen wie Bio Getreide Austria, Bioprodukte Pinczker, EZG Biogetreide OÖ, Mauthner Bio, Saatbau Erntegut, vitakorn, etc. Diese Aufkäufer haben ein Netz an Übernahme- und Lagerstellen in den Ackerbauregionen Österreichs aufgebaut. Sie bevorzugen Bio-Getreide, das nach dem BIO AUSTRIA-Standard produziert wurde. Dieser Standard geht in vielen Punkten über die Vorgaben der EU-Bio-Verordnung hinaus, er erleichtert die Vermarktung, insbesondere den Export in die Schweiz und nach Deutschland.

Dr. Robert Schneider, Berater für Ackerbau bei BIO AUSTRIA Niederösterreich & Wien
Franz Traudtner, Berater für Ackerbau bei BIO AUSTRIA Burgenland

Interessiert?

Die Bio-Berater in Ihrem Bundesland stehen Ihnen für Umstellungsberatungen gerne zur Verfügung!
siehe auch Beratungsblatt “Wegweiser zur Umstellung auf den biologischen Ackerbau”
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