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Tiergesundheit

Foto: © BLE, Bonn/Thomas Stephan
Foto: © BLE, Bonn/Thomas Stephan

Tiergesundheit

Dr. Elisabeth Stöger, eine Tierärztin mit langjähriger Erfahrung von Wiederkäuern im biologischen Landbau, betreut das BIO AUSTRIA Servicetelefon “Tiergesundheit Wiederkäuer”. Bei Fragen oder Problemen kann sie unter der Nummer T: +43 0676 9464774 kontatkiert werden.

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Häufig gestellte Fragen rund um die Tierbehandlung am Bio-Betrieb finden Sie im Beratungsblatt.

Wer seine Kühe nach dem Gesundheitsstatus beurteilt, wird oft Zusammenhänge zwischen Fütterung, Körperkondition und Gesundheit feststellen.

Fütterung in der Spätlaktation entscheidend

Es ist nicht immer der Mangel, der krank macht, auch der Überfluss ist schädlich.
Zu energiereiche Fütterung im letzten Laktationsdrittel führt zur Verfettung, oft sind deutliche Fettpolster im Beckenbereich sichtbar. Bei solchen Kühen sind Schwierigkeiten vorprogrammiert: fette Kühe sind für die Strapazen der Geburt nicht so fit, sie haben schwächere Wehen und eine längere Geburtsdauer.
Zu dicke Kühe haben nach der Geburt Probleme mit dem Aufstehen und erkranken weitaus häufiger am Milchfieber, vor allem wenn zur Verfettung noch eine kalziumreiche Mineralstoff-Fütterung in der Trockenstehzeit dazukommt. Auch Nachgeburtsverhalten und Euterentzündungen gleich nach der Geburt kommen bei überkonditionierten Kühen viel öfter vor.
Als Vorbeugung soll regelmäßig die Körperkondition beurteilt werden. Sind in der Spätlaktation die Körperreserven ausreichend, soll das Kraftfutter langsam entzogen und auf gute Rohfaserversorgung geachtet werden. Es darf nicht kalziumreiches Laktations-Mineralfutter weitergefüttert werden, sondern bei niedrigen Leistungen braucht überhaupt kein Mineralfutter gegeben werden, bei hohen Leistungen soll man auf eine phosphor- und selenreiche Mineralstoffmischung umsteigen (Ca:P = 2:1 oder 1:1). Daneben ist die Bewegung ein wichtiger Faktor für die Fitness bei der Geburt, trockenstehende können Kühe ruhig längere Zeit im Freien verbringen.
Kalbinnen beachten
Kalbinnen, die vor dem ersten Belegen schon zu dick sind, zeigen kaum noch Brunsterscheinungen und werden oft gar nicht mehr trächtig. Deshalb ist auf eine bedarfsgerechte, aber verhaltene Aufzucht zu achten. Werden die Kalbinnen nicht so intensiv gefüttert, kann man sie auch später belegen. Das wirkt sich positiv auf die Lebenserwartung und Lebensleistung aus und wirkt dem starken Trend in die Frühreife und möglichst frühe Besamung entgegen. Nur ausgewachsene und ausgereifte Kalbinnen sind den Anforderungen, die sie als Kühe erbringen sollen, auf Dauer gewachsen.

Acetonämie = Ketose

Wenn eine Kuh in den ersten drei Monaten nach der Geburt immer schlechter frisst, wobei sie vor allem das Kraftfutter ablehnt, wenn sie stark abmagert und die Milchleistung sinkt und wenn sie dazu noch einen obstartigen Geruch hat, dann zeigt sie alle Symptome der Acetonämie.
Hauptsächlich jene Kühe sind gefährdet, die aus der Trockenstehzeit verfettet zur Geburt kommen. Sie haben aufgrund ihrer mangelnden Fitness eine schwerere Geburt und eine mühsamere Nachgeburtsphase hinter sich. Sie fressen nach der Geburt zu wenig und greifen auf die eigenen Fettreserven zurück. Das abgebaute Körperfett muss allerdings seinen Weg durch die Leber nehmen, bevor es ins Blut und dann in die Milch gelangen kann. Die massive Mobilisation von Körperfett überfordert die Leber, das Körperfett kann nicht mehr vollständig abgebaut werden, sondern es bleibt in einer Zwischenstufe als Ketonkörper (Aceton) liegen.
Der Körper versucht diese Stoffwechselprodukte loszuwerden und scheidet die Ketonkörper über die Milch, den Harn, den Speichel und die Atemluft aus. Mittels Harnstreifentests lässt sich Keton nachweisen. Unbehandelte schwere Ketose kann über die starke Leberschädigung zum Tod des Tieres führen.
Problematisch ist die subklinische Ketose, also das gleiche Krankheitsgeschehen mit milderem Verlauf, sodass gerade noch keine erkennbaren Symptome entstehen. In diesem Fall wird die Leber ebenfalls geschädigt, ohne dass es vom Landwirt wahrgenommen wird. Oft zeigen sich andere Störungen, hinter denen aber die subklinische Ketose steht: Eierstockszysten und Fruchtbarkeitsstörungen, stille Brunst, Entzündung der Gebärmutter mit milchigem Ausfluss oder Schwäche der Krankheitsabwehr mit Neigung zu Mastitis und Staph.aureus-Befall.
Mit einer besseren Verteilung der ohnehin eingesetzten Futtermittel kann viel erreicht werden. Eine leistungsangepasste Fütterung der altmelkenden und trockenstehenden Kuh ist die Grundvoraussetzung für Gesundheit nach der Geburt.

Klauengesundheit

Das Klauenhorn ist wie die Haut immer auch ein Spiegel der Gesundheit eines Tieres. Risse und Rillen in der Klauenwand sind stets ein offensichtliches Zeichen für Fütterungsfehler. Da das Hornwachstum aber relativ langsam erfolgt, werden die Fehler oft erst Wochen oder Monate später sichtbar. Niemand denkt mehr an die damals begangenen Fehler. Besonders negativ wirken sich folgende Fütterungssituationen aus: Akute oder schleichende Pansenübersäuerung durch hohen Kraftfutteranteil oder zu hohe Einzelgaben von Kraftfutter, Rohfasermangel, schlechte Silagen, zu rasche Futterumstellung, Überversorgung oder Mangel an Eiweiß, Mangel an Vitaminen oder Spurenelementen.
Selenmangel
In vielen Regionen Österreichs sind die Böden sehr selenarm, sodass der Selengehalt des Futters für den Bedarf der Tiere zu gering ist. Am empfindlichsten reagieren die Mutterkuh-Kälber. Typische Symptome der Weißmuskelkrankheit zurückzuführen auf einen Mangel an Selen/Vitamin E sind Lebens- und Saugschwäche bei neugeborenen Kälbern, oft mit Festliegen, Schwitzen und Absetzen beim Saugen, Schweratmigkeit, Herzprobleme und plötzliche Todesfälle bei größeren muskulösen Kälbern. Aber auch die Fruchtbarkeit und das Abgehen der Nachgeburt sind bei Selenmangel beeinträchtigt. Die Diagnose erfolgt am einfachsten über eine Blutuntersuchung bei mehreren Tieren. Ein Selenmangel macht die Ergänzung über biokonforme selenbetonte Mineralstoffmischungen notwendig.
Dr. Elisabeth Stöger