Pressemeldung tirol.tourismus.trendwende

Im Rahmens des Bio-Symposiums „tirol.tourismus.trendwende“ am Dienstag, 23.03.2021, haben Anton Mattle, 1. Vizepräsident des Tiroler Landtages und Bürgermeister von Galtür, Klaus Plank, Obmann-Stellvertreter der Fachgruppe Gastronomie der Wirtschaftskammer Tirol, Christian Wandl vom Bio-Hotel Leutascherhof und Ludwig Gruber, Gründer der Bio-Hotels über die Chancen von heimischen Bio-Lebensmittel für den Tiroler Tourismus diskutiert. Obwohl der Bio-Markt stark wächst, wird dieser Megatrend vom Tiroler Tourismus kaum aufgegriffen. Ein inflationär verwendeter Regionalitätsbegriff, eine fehlende verpflichtende Zertifizierung von Bio-Produkten in der Gastronomie und mangelndes Bewusstsein wurden in der Podiumsdiskussion als Hauptgründe festgemacht.

Bio bietet Chancen

„Die Tiroler Landwirtschaft produziert qualitativ hochwertige Lebensmittel und auch eine intakte Kulturlandschaft.“

Anton Mattle

Zu Beginn der Diskussion brachte Anton Mattle, der selbst auch Bio-Landwirt ist, die Wichtigkeit der Landwirtschaft für den Tiroler Tourismus ins Spiel: „Die Tiroler Landwirtschaft produziert qualitativ hochwertige Lebensmittel und auch eine intakte Kulturlandschaft.“ Durch die stark wachsende Nachfrage an Bio-Lebensmittel sehe er auch gute Chancen für die verstärkte Verwendung von heimischen Bio-Produkten im Tiroler Tourismus. „Biologisch angebaute Lebensmittel sind neben der Anreise und weiteren Punkten ein Teil eines nachhaltigen Tourismus, der in Tirol in den nächsten Jahren vermehrt verfolgt werden soll“, gab Mattle einen Ausblick auf die neue Tourismusstrategie für Tirol. „Der Einsatz von hochwertigen Produkten, wie beispielsweise aus der biologischen Landwirtschaft, kann Betrieben helfen, ein Alleinstellungsmerkmal zu entwickeln“, hob auch Klaus Plank, Vertreter der Wirtschaftskammer Tirol, die Chancen von Tiroler Bio-Lebensmittel für heimische Betriebe hervor.

Was ist Regionalität?

Um diese Chance zu nutzen, brauche es laut Ludwig Gruber aber endlich eine ehrliche Auseinandersetzung mit dem Thema Regionalität. „Im Tiroler Tourismus wird häufig damit geworben, heimische Lebensmittel zu verwenden. Dabei kommt in Wirklichkeit nur ein kleiner Teil aus Tirol und Österreich. Würden wirklich alle Lebensmittel aus Tirol kommen, so wie es dargestellt wird, dann würde die Tiroler Landwirtschaft noch viel besser dastehen“, klärt Gruber auf. Außerdem sage der Begriff Regionalität nichts über die Art und Weise aus, wie Lebensmittel produziert werden. Bio-Lebensmittel würden aber durch genaue Vorschriften und regelmäßige Kontrollen ökologische Qualität und Nachhaltigkeit garantieren. Christian Wandl vom Bio-Hotel Leutascherhof stößt in dasselbe Horn: „In Tirol gibt es ein spezielles Denken. Wenn irgendwo Tirol draufsteht, dann ist es das Beste, das es gibt. Dabei sagt das aber kaum etwas über die Qualität des Produktes oder die Produktionsweise aus.“

Etikettenschwindel in Gastronomie und Hotellerie

Neben der undifferenzierten Verwendung des Begriffes „Regionalität“ brachten die Diskutanten auch Etikettenschwindel auf das Tapet. Die Vermarktung biologischer Produkte in der Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung sei anders als in der Bio-Landwirtschaft und in der gewerblichen Verarbeitung in Österreich in keiner Verordnung geregelt. Das bedeute, dass in Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung mit Bio geworben werden kann, ohne dass Bio-Produkte verwenden zu müssen.

„Ich wünsche mir eine verpflichtende Bio-Zertifizierung in der Gastronomie und Hotellerie.“

Christian Wandl

„Die Politik schaut in diesem Bereich seit 20 Jahren systematisch weg. Anders als in Österreich wurde in Deutschland auch in der Gastronomie eine Bio-Verordnung verabschiedet“, sieht Ludwig Gruber die Politik in der Pflicht. „Ich wünsche mir eine verpflichtende Bio-Zertifizierung in der Gastronomie und Hotellerie“ pflichtet auch Bio-Hotelier Christian Wandl bei.

Am Ende waren sich die Diskutanten einig, dass es noch weitere Anstrengungen und mehr Bewusstseinsbildung brauche, um den Tiroler Tourismus auch im Lebensmittelbereich nachhaltiger zu gestalten. Pilotprojekte wie beispielsweise in der Olympiaregion Seefeld mit der Umsetzung eines nachhaltigen Tourismuskonzeptes würden da einen wichtigen Beitrag leisten.

Das Bio-Symposium „tirol.tourismus.trendwende“ wurde von BIO AUSTRIA Tirol organisiert und online als Webinar durchgeführt. BIO AUSTRIA ist mit rund 13.500 Mitgliedern in Österreich der größte Verband für biologische Landwirtschaft in Europa und gestaltet seit 40 Jahren die heimische Bio-Landwirtschaft entscheidend mit.

Kontakt

  • Tobias Lienhart, B.Sc.

    BIO AUSTRIA Tirol
    Beratung & Bildung, Direktvermarktung, Partnerbetreuung
    • tobias.lienhart@bio-austria.at
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