Bio-Berglandwirtschaft in Tirol steht vor Herausforderungen

Am 28. September feiern die Biobäuerinnen und Biobauern Österreichs den „Tag der Bio-Landwirtschaft“. Alljährlich werden an diesem Tag die Leistungen der biologischen Landwirtschaft und der Biobäuerinnen und Biobauern vor den Vorhang geholt und die positiven Auswirkungen des Bio-Landbaus auf Umwelt, Biodiversität, Klima und Gesellschaft aufgezeigt. Aus diesem Anlass trafen die Bundesobfrau von BIO AUSTRIA, Gertraud Grabmann, und Christina Ritter, Obfrau vom Tiroler Landesverband, mit Biobauern aus dem Stubaital zusammen. Gemeinsam warfen sie einen Blick in die Zukunft der Biolandwirtschaft in Österreich und Tirol.

Vor allem die ökonomische Entwicklung im landwirtschaftlichen Bereich bereitet vielen Betrieben Sorgen. Laut Grünem Bericht sind die die Einkünfte aus der Land- und Forstwirtschaft je Betrieb im Jahr 2018 gegenüber dem Vorjahr nach zwei stabilen Jahren um 20 Prozent gesunken und liegen im Tiroler Durchschnitt mit 16.445 Euro deutlich unter dem Bundesergebnis von 28.035 Euro. Mit den Einkünften aus der Landwirtschaft ein Auslangen zu finden, werde daher immer schwieriger, wie die Bauern berichten. Gefragt sind daher Ansätze, um möglichst vielen Betrieben das Weiterbestehen zu ermöglichen. Als ein wichtiger Lösungsansatz hat sich die Biolandwirtschaft erwiesen, die in Österreich von bereits mehr als 22 Prozent der Höfe auf 26 Prozent der Fläche betrieben wird.

„Die EU-Kommission hat sich in ihrer Biodiversitäts-Strategie und „Farm to Fork“-Strategie nicht ohne Grund für den Ausbau der Bio-Landwirtschaft auf 25 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche Europas ausgesprochen. Dies soll neben anderen Maßnahmen einen Beitrag zum Erhalt der Biodiversität und zu den Klimaschutz-Zielen in Europa leisten“, betonte BIO AUSTRIA Bundesobfrau Gertraud Grabmann.

Diese und andere Maßnahmen gelte es nun auch in der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU (GAP) zu verankern. Über deren Umsetzung in Österreichs wird zurzeit verhandelt. „Es ist wesentlich, dass die Biolandwirtschaft als Maßnahme weiterhin ihrer bedeutenden Aufgabe entsprechend berücksichtigt wird – ebenso wie deren systemischer Ansatz“, so Grabmann, die sich für eine starke Positionierung der Biolandwirtschaft innerhalb der GAP einsetzt.

Kostenwahrheit in der Landwirtschaft

Im ökologischen Bereich stehen die landwirtschaftlichen Betriebe ständig vor Herausforderungen, um die Landwirtschaft nachhaltiger zu gestalten und globale Probleme wie beispielsweise den Klimawandel bewältigen zu können. Biobetriebe sind in puncto Schutz unserer lebenswichtigen natürlichen Ressourcen wie fruchtbarer Böden, sauberes Wasser, reine Luft und Artenvielfalt vorbildlich.

Leistungen aus diesen Bereichen werden zum Nutzen der Gesellschaft erbracht – finden aber aktuell in der GAP nicht ausreichend Berücksichtigung. Dies gilt es zu ändern und so auch mehr Kostenwahrheit in der Lebensmittelproduktion zu erreichen.

Tiroler Betriebe sorgen für regionale Bio-Lebensmittel

Die Tiroler Biobäuerinnen und Biobauern produzieren mehrere hundert verschiedene Produkte, die für die Bevölkerung saisonal und auch in Krisenzeiten zur Verfügung stehen. Mit der Wahl dieser Produkte haben KonsumentInnen direkten Einfluss auf die Landwirtschaft vor ihrer Haustür. Sie fördern mit dem Kauf von Bioprodukten aus Tirol umweltschonende Betriebsweise, Biodiversitätsförderung, Gewässerschutz, Bodenschutz und Humusaufbau durch biologisch wirtschaftende Betriebe.

„Regionale Lebensmittel zu produzieren und sie auch regional zu verarbeiten und zu vermarkten ist auch in den nächsten Jahren die große Herausforderung. Immer öfter schließen sich dafür Biobäuerinnen und Biobauern zusammen um gemeinsam Initiativen umzusetzen“ so Obfrau Christina Ritter. Beispiele dafür seien die Biobauernläden in Tirol oder auch die Kooperation von Biobauern aus Mieders, die gemeinsam versuchen, den Ackerbau den klimatischen Veränderungen anzupassen, neue Kulturen und vor allem Mischungen anzubauen und Produkte veredelt anzubieten. Im Oktober und November dieses Jahres wird die Bevölkerung erneut auf vorhandene Bioprodukte aus Tirol mit Plakaten aufmerksam gemacht.

Tag der Biolandwirtschaft

Der heutige Tag der Biolandwirtschaft, der vor vier Jahren von bio austria ins Leben gerufen und jährlich am 28. September stattfindet, steht in Tirol im Zeichen der Veränderungen, die auf Tiroler Biobetriebe zukommen. Klimawandel und Corona sind Rahmenbedingungen, die massive Veränderungen für die gesamte Bevölkerung bedeuten. Genauso massive Veränderungen sind auch für die grundsätzliche Ökologisierung der Landwirtschaft notwendig, denn die Agrarzahlungen steuern zum derzeitigen Stand der Diskussion – auch für die neue Periode der gemeinsamen Agrarpolitik ab 2021 – in die falsche Richtung und gefährden eine rasche Ökologisierung der Landwirtschaft.