Bio Austria Bäuerinnen und Bauern stellen sich vor: Einmal Gemüse und Akku laden

Immer mehr Bio-LandwirtInnen erzeugen auch nachhaltige Energie in nennenswerten Mengen. Sauberen Strom und klimaneutrale Wärme gibt’s bei manchen sogar zu kaufen. Sie leben Bio eben im ganz großen Ganzen.

Eigentlich sollte sich über unseren Köpfen ein Windrad drehen, tatsächlich blitzen Photovoltaikmodule in der Sonne. „Mein Plan war knapp vor der Jahrtausendwende, ein Windrad aufzustellen. Die Sache hat sich dann aber aufgrund von Einsprüchen so in die Länge gezogen, dass ich umdisponiert habe“, erinnert sich Georg Brandtner aus Laussa bei Steyr, „Das war die Zeit, als Photovoltaik immer bekannter wurde, und so begann ich mich dafür zu interessieren. Mein Ziel war die Eigenversorgung.“ Heute produziert der Biobauer aus Oberösterreich, dessen Eltern zu den Öko-Pionieren in der Landwirtschaft zählen, 30.000 Kilowattstunden Sonnenstrom im Jahr. Das deckt ihm im Schnitt seinen Bedarf – Milchkühe, Ochsenmast, Grünland, Ferienwohnungen und eigener Haushalt –, der Überschuss wird ins Netz eingespeist.

Fast energieautark

„Ich habe mich intensiv mit der Thematik befasst und schon 2009 eine erste Dachanlage mit Dünnschichtzellen installiert. Doch obwohl wir auf 700 Metern Seehöhe selten Nebel haben und auch kaum Dunstschichten, war ich mit der Leistung unzufrieden“, sagt Brandtner. Er recherchierte weiter und bereits ein Jahr später wurde die neue Anlage errichtet, die am Boden steht und deren Module mit polykristallinen Zellen sich mit dem Sonnenstand mitdrehen. Sie zählt zu den effizientesten des Landes, Brandtner: „Die Investition hat sich in nur neun Jahren amortisiert, fast unglaublich. Wirtschaftliche Überlegungen waren aber nicht der Grund, dass ich mich für erneuerbare Energie entschieden habe – ich wollte das einfach so machen.“ Demnächst steht möglicherweise eine PV-Erweiterung an, „Flächen hätte ich noch und ich will ein Elektroauto kaufen“ und auch bei der Wärme ist man bei den Brandtners mit Solarpanels und Hackschnitzelheizung klimaneutral.

Sonniges Eis vom Eisl

Bio-Erdbeereis
© Eiswerk

Mit eigenem Strom kann Sepp Eisl vom Wolfgangsee nicht dienen (der wird als Ökostrom zugekauft) – bei ihm wird Sonnenenergie ausschließlich in Wärme umgesetzt. 120 Quadratmeter Solarpanels erwärmen an sonnigen Tagen 23.000 Liter Wasser in einem Pufferspeicher. Das reicht an schönen Sommertagen. Damit die Versorgung rund ums Jahr garantiert ist, gibt es zusätzlich eine Hackschnitzelanlage mit einer Leistung von zweimal 150 kw. Das Hackgut dafür kommt fast zur Gänze aus den eigenen, nachhaltig bewirtschafteten Wäldern. Wem die Zahlen wenig sagen: Eisl versorgt mit seiner Hackschnitzel-/Solarheizung seinen landwirtschaftlichen Betrieb mit Schafkäse, -joghurt und Speiseeisproduktion, zwei Wohneinheiten für die Familie, den familieneigenen Campingplatz sowie gleich auch noch acht Nachbarn. Das sind aber recht große Dimensionen? Eisl: „Unser altes Heizsystem war in die Jahre gekommen. Als wir eine neue Anlage überlegten, traten die Nachbarn an uns heran: ob wir nicht eine Art Fernwärme machen könnten, so wie es sie bei uns unten im Ort gibt.“ Die Eisls wagten den Schritt trotz hoher Investitionskosten, „man muss sich auch was trauen im Leben. Das ist nichts, um schnell reich zu werden, aber langfristig ein Gewinn für unsere nachfolgenden Generationen.“ Das Denken in langen Zeiträumen liegt den Eisls ohnehin im Blut, die Familie bewirtschaftet den Hof seit 1490! Vor rund 30 Jahren spezialisierte man sich auf Milchschafhaltung, vor 25 Jahren ließ man sich Bio zertifizieren – und seit einiger Zeit produziert man mit Bio-Schafeis einen Renner, der bis zu den Hipstern nach Salzburg Stadt geliefert wird.

Erfrischender Strom aus Molln

©Ralf Hochhauser

Saubere Energie fließt bei Familie Kirchweger aus Molln im Nationalpark Kalkalpen bereits seit vielen Jahrzehnten aus der Leitung. „Unser Haus liegt direkt am Paltenbach und war früher eine Mühle. 1936 wurde hier ein Wasserkraftwerk errichtet, das wir vor 15 Jahren generalsaniert haben“, erzählt Petra Kirchweger vom Biohof Paltenmühle, „Die Wehr war nach einem Hochwasser schwer beschädigt und das Provisorium an seine Grenze gestoßen.“ So stand man um die Jahrtausendwende vor der Wahl, die Stromproduktion still zu legen oder teuer zu sanieren. Kirchweger: „Trotz reichlich Bauchweh meinerseits haben wir uns zum Weitermachen entschieden. Man braucht definitiv einen langen Atem, denn diese Investition wird sich erst für unsere Kinder rechnen.“ Das rundum überholte Kraftwerk schafft heute rund 100.000 Kilowattstunden an Strom im Jahr, was den Bedarf der Paltenmühle um ein Vielfaches übersteigt; so versorgt man über die Einspeisung ins öffentliche Netz nochmals hochgerechnet bis zu zwanzig Haushalte. Besonders beeindruckt ist Betriebschefin Petra von der alten Francisturbine, die noch immer original im Einsatz ist und sich im Wirkungsgrad von modernen Anlagen so gut wie gar nicht unterscheidet. Die Stromproduktion ist natürlich nur ein Nebenerwerb, die Kirchwegers halten Milchkühe, Wildhendl und Waldschafe; Mühle samt Schwarzbrotbäckerei hat man vor einiger Zeit aufgegeben.

Vielkönner aus Abfall

©BIO AUSTRIA/Sonja Fuchs

Geruchsintensiv wird es am Biohof Bubenicek-Meiberger im Marchfeld. Zumindest wenn man direkt vor der Biogasanlage steht, wo Gemüse- und Getreideabfälle sowie Silagen zu Methangas vergären. Über einen Gasmotor wird damit ein Stromgenerator betrieben, der rund 55.000 Kilowattstunden im Jahr ins Netz speist. Dem nicht genug, wird mit der Motorabwärme die Biogasanlage selbst auf 42 Grad Betriebstemperatur gehalten aber auch die beiden Wohneinheiten im Haus sowie die Gewächshäuser versorgt. Josef Bubenicek: „Die Biogasanlage deckt einen guten Teil meines Wärmebedarfs übers Jahr, zusätzlich verbrauche und noch so um die 20, 30 Meter Holz“. So ist Biogas für ihn eine wichtige finanzielle Komponente, denn durch seine beheizten Gewächshäuser für Paprika, Paradeiser, Gurken und so, schafft er sich einen Wettbewerbsvorteil von bis zu zwei Monaten im Vergleich zum Freilandgemüse. „Vor einiger Zeit war der Einspeisetarif so niedrig, dass ich schon ans Aufgeben dachte“, hatte es Bubenicek nicht immer leicht damit, „Außerdem gibt’s immer wieder mal technische Herausforderungen, vor denen ich plötzlich stehe. Doch im Grunde genommen bin ich sehr froh, dass ich diese Anlage habe.“ Diese ging 2001 in Betrieb und hat noch weitere nachhaltige Aspekte: Abfälle werden damit höchst effizient verarbeitet – und am Ende der Gärung bleibt genug Substanz, die als Dünger wieder am Feld landet. Neben Resten von seinen Äckern und Gemüsefeldern bezieht er die Rohstoffe für die Anlage von Gemüseverarbeitern mit Bioschiene aus seiner Region.

Klassische win-win-Situation

Soll ich mich drauf einlassen, oder nicht? Ein Jahr lang dachte Marion Aigner-Filz vom Biohof zum Grünen Baum im Bezirk Hollabrunn über den Vorschlag von eFriends Geschäftsführer Matthias Katt nach: „Er war vor drei Jahren zu mir gekommen, auf der Suche nach Flächen für Photovoltaikmodule. Nachdem ich davon reichlich habe, schlug er mir vor, eine PV-Anlage zu errichten und das Geld dafür über crowd funding zu lukrieren“. Als sich Aigner-Filz schlussendlich dafür entschied, ging alles ganz schnell, binnen zwei Wochen waren die Beteiligungen vergeben und die Sonnenstromproduktion wurde angeworfen. Das Angebot für den ökobewussten Kunden ist aber auch großartig durchdacht, die Ökolandwirtin erklärt: „Eine Beteiligung kostet 1500 Euro. Dafür erhält man einen Einkaufsgutschein für mein Gemüse im Wert von 150 Euro jährlich, und das über zehn Jahre. Quasi als Zinsen gibt es einen Anteil am erzeugten Strom, der gratis geliefert wird“. So gibt es neben Biogemüse von Artischocke über Erdmandel bis Ingwer und Süßkartoffel eine Stromlieferung im Wert von rund 100 Euro für jeden der 20 Beteiligten, was in etwa 20 Prozent eines jährlichen Haushaltsbedarfs entspricht. Der Strom kann immer dann konsumiert werden, wenn am Hof in Hollabrunn die Sonne kräftig scheint. Die Anlage ist so dimensioniert, dass Aigner-Filz entsprechenden Überschuss produziert, sie selbst hat sich mittlerweile daran gewöhnt, dass gewisse Haushaltsarbeiten wie Geschirr spülen oder Wäsche waschen an Sonnentagen verrichtet werden. Zur Rundumversorgung wird Ökostrom übers eFriends-Netz zugekauft. Die dynamische Biolandwirtin bereut den Deal nicht: „Wir sind nicht weit weg von Tschechien und haben Tschernobyl erlebt. Da ist es mehr als logisch, die Sonnenkraft zu nutzen. Und es funktioniert großartig!“

Autorin: Anita Ericson

Der Artikel ist im BioLife, dem KonsumentInnenmagazin von BIO AUSTRIA erschienen, das hier als Download zur Verfügung steht: BioLife