Marktgärtnerei: Die Zahlen im Blick haben!

©Krautwerk

Auch Robert Brodnjak ist als Quereinsteiger zur Marktgärtnerei gekommen. In Göllersdorf im Weinviertel ergab sich für ihn die Chance, unter dem Namen „Krautwerk“ seinen Betrieb auf einer Pachtfläche aufzubauen.

Robert Brodnjak, gelernter Koch und EDV-Techniker, pachtete vor elf Jahren in Göllersdorf im Weinviertel eine 3500 Quadratmeter große Fläche und legte damit den Grundstein für den Einstieg in den Bio-Gemüsebau. Er startete mit den ersten Kulturen und übernahm kurze Zeit später drei Hektar Ackerfläche, um den Anbau auszweiten. Zu dieser Zeit kündigte auch Roberts Frau Claudia ihren Job als Bilanzbuchhalterin, um ihn zu unterstützen. Im Jahr 2016 besuchten die beiden die „Young Farmers Conference“ in Amerika, wo sie das Konzept der Marktgärtnerei kennenlernten. Zurück kamen sie mit dem Plan, ihre Gemüsebaufläche zu reduzieren und sich der Marktgärtnerei zu widmen.

Derzeit bewirtschaften Robert und Claudia ein Hektar Freilandgemüse und einen Folientunnel mit 900 m2. Zu zweit ist die Arbeit allerdings längst nicht mehr zu schaffen, sie haben inzwischen sechs Mitarbeiter. Auch Tochter Saskia ist in den Betrieb eingestiegen.

Die maschinelle Ausstattung am Betrieb ist einfach: Im heurigen Jahr kaufte Robert eine Einachsmaschine mit Kreiselegge, einen Rotationspflug, einen Mulcher und Precision-Deep-Roler. Außerdem spielt der gebraucht gekaufte VW Crafter-Kühlwagen für die Gemüseauslieferung eine bedeutende Rolle.

Genau kalkuliert

Mehr als 70 verschiedene Kulturen und rund 200 unterschiedliche Sorten werden am Krautwerk übers Jahr hinweg angebaut. Im Frühjahr liegt der Schwerpunkt auf Salaten und Blattgemüsen, im Herbst auf unterschiedlichem Kohlgemüse.

Robert und Claudia rechnen genau und haben die Wirtschaftlichkeit ihres Betriebes jederzeit im Blick. Robert Brodnjak erklärt: „Wir achten immer genau darauf, dass wir eine gute Mischung aus sogenannten Cash Crops, also gewinnbringenden Kulturen, und ausgefallenen Kulturen anbauen.“ Finanziell gewinnbringend sind Kulturen wie Salate, Bundkräuter, Tomaten und Zuckererbsen. Der Gewinn, der mit den Cash Crops erzielt wird, ermöglicht es, auch neue Kulturen auszuprobieren. So hat man im Krautwerk schon Erfahrung mit Puntarelle, Zierkohl, Radicchios, Mungobohnen, Myowa-Ingwer, Sichuan Pfeffer und Sprossenbrokkoli gesammelt.

Welche Gemüsearten in welchem Ausmaß angebaut werden, hängt von Faktoren wie der Nachfrage, dem Pflegeaufwand, der Lagerfähigkeit und dem erzielbaren Preis zusammen. „Bundkräuter und Salate zum Beispiel werden sehr gut nachgefragt. Schnelle Kulturen mit kurzer Standzeit sind oft einfacher. Aber man muss auch hier genau auf den Anbauzeitpunkt und die richtige Sortenwahl achten. Eine immer größer werdende Herausforderung ist es, Sorten zu finden, die auch bei hohen Temperaturen und Hitze funktionieren“, schildert Robert die Probleme.

Direktsaaten wie Rote Rübe und Karotte machen ein intensives Unkrautmanagement nötig. Die beliebte Zuckererbse ist aufgrund des Ranksystems und auch bei der Ernte arbeitsintensiv. Kohlgewächse auf Folie dagegen erfordern weniger Zeit, auch Kürbisse machen es dem Marktgärtner leicht. Tomaten sind sehr pflege- und arbeitsintensiv – als die Cash Crop schlechthin aber nicht wegzudenken. Viel Wissen ist für den Anbau von Radicchio und Puntarelle notwendig, denn der Pflanzzeitpunkt ist hier entscheidend.

Jungpflanzen ziehen Robert und Claudia aus arbeitstechnischen Gründen nicht selber, sondern kaufen sie zu. Das erfordert jedoch intensive Planung, damit die erforderlichen Jungpflanzen zur richtigen Zeit am Betrieb sind.

Markt und Gastronomie

Vermarktet wird das Gemüse jeden Samstag am Karmelitermarkt in Wien. Mittlerweile kommen über 300 Kunden und Kundinnen pro Markttag vorbei. In den ersten Jahren belieferten Robert und Claudia zusätzlich Foodcoops, was sich aber als nicht rentabel herausstellte. Seit dem Jahr 2014 beliefert das Krautwerk die Spitzengastronomie mit besonderen Gemüsesorten, die nicht im Handel erhältlich sind. Die besondere Frische wird von den Gastronomen sehr geschätzt. Die Herausforderung liegt dabei in der Anbauplanung, denn ein Menü in der Gastronomie muss rund sechs Wochen lang gleich zusammengestellt sein. Sorte, Größe und Geschmack des Gemüses sollten also in dieser Zeit möglichst gleichbleibend sein. Dafür müssen mehrere Sätze im Anbauplan berücksichtig werden.

Was herausfordernd ist

Herausforderungen sieht Robert sowohl durch den Klimawandel als auch durch die generelle wirtschaftliche Situation auf die Marktgärtnereibetriebe zukommen. Auch die schwere, körperliche Arbeit ist nicht zu unterschätzen. Schwierig ist es ebenso, geeignete Mitarbeiter zu finden. Für seinen eigenen Betrieb sieht der die Zukunft so: „Wir wollen uns noch weiter verkleinern und das Bestehende noch effizienter nutzen. Die Fläche ist eigentlich nach wie vor zu groß, um sie wirklich voll zu bewirtschaften. Und die Arbeitsabläufe müssen noch geschickter gestaltet werden.“

Robert Brodnjak hat doch einige Tipps für angehende und bestehende Marktgärtner: „Ich kann nur jedem raten, wirklich alle Zahlen mitzuschreiben und auszuwerten. Nur so weiß man, wie es um die Wirtschaftlichkeit des eigenen Betriebes steht. Der Fokus sollte immer auf den Cash Crops liegen.“ Wer neu einsteigt, sollte das besser immer mit einer kleinen Fläche tun.

Autor: Daniel Stich, Bio Austria Bundesverband

Weitere Informationen:

http://krautwerk.at