Earth Overshoot Day – dieses Jahr schon im Juli

Weltkugel wird in Hand gehalten
© Pixabay / geralt
Weltkugel wird in Hand gehalten
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Jedes Jahr aufs Neue ist die Welt schockiert über Earth Overshoot Day, leider wird dieser immer früher erreicht. Der Welterschöpfungstag gibt an, ab welchem Zeitpunkt der Mensch die erneuerbaren Umweltressourcen eines Jahres verbraucht hat. Ab dann leben wir von den Vorräten zukünftiger Generationen.

Waren die Ressourcen, welche der Planet Erde uns innerhalb eines Jahres bietet, 1970 knapp vor Jahresende verbraucht, waren diese im Jahr 2000 schon im September aufgebraucht. Seit Beginn der 2010er Jahre überstieg die Nachfrage der Weltbevölkerung das Angebot der Ökosysteme bereits im August (overshootday.org). Dieses Jahr ist ein neuerlicher Tiefpunkt erreicht – am 29. Juli ist das Naturkapital bereits aufgebraucht.

Es ist also höchst an der Zeit, dass nicht nur ein Umdenken stattfindet, sondern neue nachhaltige Lebensweisen von den Menschen etabliert und in den Alltag integriert werden. 

Obwohl sich die 193 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen 2015 auf 17 globale Nachhaltigkeitsziele, die sogenannten SDGs (Sustainable Development Goals), geeinigt haben, die neben der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung auch ökologische Aspekte beachten, verbraucht die Menschheit immer mehr Ressourcen in immer kürzeren Zeiträumen. 

Die Rolle der Ernährung

© BIO AUSTRIA/Stephanie Golser

Der Bedarf an Nahrung verursacht 26% des ökologischen Fußabdruckes (overshootday.org). Nicht nur die Art, wie unsere Lebensmittel erzeugt werden, beeinflusst die Höhe der Emissionen, sondern auch was täglich auf unseren Tellern landet, aber auch wie viel davon danach in den Mülleimer wandert.  

Der Fleischkonsum als Beispiel: Die Österreicherinnen und Österreicher sind wahre Fleischtiger, rund 65kg Fleisch wurden 2016 pro Kopf und Jahr hierzulande verspeist (Statistik Austria/AMA-Marketing). Die größten Treibhausgasemissionen verursachen dabei die für die Aufzucht der Tiere benötigten Futtermittel, die oftmals aus Übersee stammen. So werden beispielsweise für ein Kilogramm Schweinefleisch bis zu 6,4kg Futtermittel verfüttert, für die gleich Menge Rindfleisch sogar bis zu 25 Kilogramm (GLOBAL 2000). 

Laut GLOBAL 2000 verursacht die Ernährung der österreichischen Bevölkerung rund 12,5 Millionen Tonnen CO2-Equivalente, das sind um 0,5 Millionen Tonnen mehr als der Personenverkehr hierzulande. Würde die gesamte Welt den Lebensstil der Österreicherinnen und Österreicher pflegen, so wäre das Naturkapital eines Jahres bereits am 09. April erreicht (overshootday.org).

Was kann jeder Einzelne tun?

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Zunächst einmal sollte der eigene Lebensstil ehrlich betrachtet und hinterfragt werden. Die Größe des eigenen Fußabdrucks zu kennen, kann erste wichtige Hinweise liefern, was man im eigenen Verhalten ändern sollte. Bestimmte Websites bieten dies kostenlos an – ein Link dazu findet sich unten. 

Ein nachhaltiger Lebensstil ist für unsere Umwelt und das Klima unabdingbar und eine große Rolle dabei spielt die Art und Weise, wie wir uns ernähren. Wer hier zu biologischen Lebensmitteln greift, die am besten aus der Region kommen und gerade Saison haben, bekommt nicht nur wertvolle Produkte, sondern unterstützt eine Landwirtschaftsform, die umweltfreundlich ist und in vielerlei Hinsicht Lösungen für Probleme unserer Zeit bietet. 

So setzen Biobäuerinnen und Biobauern weder chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel noch schnelllösliche mineralische Düngemittel ein, zu deren Herstellung es einer großen Menge Erdöls bedarf. Außerdem ist gezielter Humusaufbau einer der wichtigsten Merkmale biologischer Landwirtschaft, bei der die natürliche Struktur des Bodens durch schonende Bewirtschaftung und organische Nährstoffzufuhr erhalten bleibt. Das ist auch bedeutsam für unser Klima, denn humusreiche Böden speichern große Mengen an CO2. 

Bei Fleisch und Fleischprodukten empfiehlt es sich, weniger dafür in biologischer Qualität zu essen, noch besser in Bio Austria Qualität. 

Denn Tierwohl wird bei Bio Austria Betrieben besonders groß geschrieben, darüber hinaus ist die biologische Tierhaltung flächengebunden. D. h. es werden nur so viele Tiere am Betrieb gehalten, wie davon ernährt werden können. 

Auch die biologischen Futtermittel, die selbstverständlich frei von Gentechnik sind, kommen vorzugsweise vom eigenen Bio Austria Betrieb, zumindest aus Österreich. Das spart nicht nur unnötige Transportkosten, sondern sorgt auch dafür, dass weniger fruchtbare Flächen für die menschliche Ernährung gerade in Ländern verloren gehen, die diese dringend für die Ernährung der eigenen Bevölkerung benötigen. Nur ausnahmsweise, wenn nicht genügend heimische Futtermittel vorhanden sind, können Bio Austria Bäuerinnen und -Bauern unter strengen Auflagen und mit einer engmaschigen Qualitätssicherung Futtermittel, vorzugsweise aus Nachbarstaaten, importieren.

Weitere wichtige Tipps, um die Ernährung noch nachhaltiger zu gestalten: 

  • „Nose to tail“: Nutzen Sie alle wertvollen Teilstücke des Bio-Fleischs.
  • Häufiger grün sehen: Geben Sie pflanzlichen Produkten in der Ernährung Vorrang.
  • Neugierig sein: Informieren Sie sich und fragen Sie nach, woher das Essen kommt und wie es produziert wurde.
  • Kritisch bleiben: Hinterfragen Sie immer wieder mal die eigenen Essgewohnheiten. Zum Beispiel: Müssen es im Winter wirklich Tomaten sein?
  • Planen und Lagern: Kaufen Sie nur das, was Sie wirklich benötigen. Achten Sie auf die richtige Lagerung der Lebensmittel und frieren Sie Reste für spätere Anlässe ein.
  • Neues lernen: Kennen Sie schon die traditionelle Methode zum Haltbarmachen von Lebensmitteln, genannt Fermentieren? Unser Video zeigt die besten Tipps und Tricks rund ums Fermentieren. Das macht Freude und Sie haben von Ihren wertvollen Lebensmitteln auch später im Jahr noch etwas.
  • Kreativ sein: Verwerten Sie Reste zu tollen neuen Gerichten und vermeiden Sie dadurch Lebensmittelverschwendung.
© BIO AUSTRIA/Stephanie Golser

 

Weiterführende Links und Informationen 

  • Die traurige Entwicklung des Earth Overshoot Day von 1969 bis 2019 ist auf dieser Website zu finden.
  • Die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen traten 2016 in Kraft, eine Übersicht dazu gibt es auf der Website der Vereinten Nationen.
  • Wie groß der eigene ökologische Fußabdruck ist, kann auf dieser Website berechnet werden.
  • Hier finden Sie Adressen, um Bio-Lebensmittel direkt von den österreichischen Biobäuerinnen und Biobauern zu beziehen.
  • Informationen rund um biologische Produkte haben wir für Sie hier zusammengefasst.
  • Inspiration für die Küche gefällig? Hier finden sie bewährte und erprobte Bio-Rezepte.