FoodCoops, SoLaWi und mehr: KonsumentInnen-ProduzentInnen-Initiativen für neue Wege in der Lebenmittelversorgung

Immer mehr Menschen beschäftigen sich mit den Auswirkungen unseres Ernährungsverhaltens und wollen durch einen bewussten, verantwortungsvollen Konsum einen Beitrag zu einem nachhaltigeren Lebensmittelsystem leisten. Durch die Bereitschaft von KonsumentInnen, selbst aktiv zu sein, entstehen innovative Wege in der Lebensmittelversorgung wie Foodcoops (Einkaufsgemeinschaften, Lebensmittelkooperativen) und Solidarische Landwirtschaften (CSA community supported agriculture).

Projekt „Appetit auf Zukunft“

Das Projekt Appetit auf Zukunft unterstützt und fördert KonsumentInnen, ProduzentInnen sowie Gemeinden bei der Gründung lokaler Initiativen für eine biologische, regionale und saisonale Lebensmittelversorgung. Für die Region bedeuten diese Initiativen eine höhere Wertschöpfung und Stärkung lokaler Versorgungsnetzwerke. Die ProduzentInnen erhalten durch die direkte Beziehung zu ihren KonsumentInnen Wertschätzung für ihre Arbeit und ihre Biolebensmittel und werden bei ihrer Direktvermarktung unterstützt. Die KonsumentInnen bekommen Zugang zu hochwertigen biologischen Produkten und Transparenz über die Herstellung ihrer Lebenmittel.

Ziel dieser neuen Modelle ist es, durch das eigene Handeln ein ökologisches, regionales, sozial verträgliches und vor allem selbstbestimmtes Agrarsystem zu etablieren – also kurz gesagt Ernährungssouveränität!

Das Projekt Appetit auf Zukunft ist eine Kooperation von BIO AUSTRIA und dem Umweltressort des Landes Oberösterreich.

KonsumentInnen-ProduzentInnen-Initiativen in OÖ

Das Projekt Appetit auf Zukunft konnte schon viel bewegen! In Oberösterreich gibt es mittlerweile rund 30 Foodcoops und auch solidarische Landwirtschaften etablieren sich immer mehr. Hier finden Sie eine Übersicht der oberösterreichischen Initiativen:

In Ihrer Region gibt es noch keine Foodcoop? BIO AUSTRIA unterstützt Sie dabei Ihr eigenes Projekt für biologische und faire Nahversorgung zu gründen!

Beratungsangebot siehe unten

So gründe ich eine FoodCoop: das Foodcoop HandbuchTitelblatt Handbuch FoodCoop

Das FoodCoop Handbuch bietet sowohl neu Interessierten als auch erfahrenen FoodCoop-Mitgliedern bzw. –LieferantInnen kompakte Informationen und zahlreiche nützliche Tipps und Ideen rund um das Gründen und Betreiben einer FoodCoop.

Die gedruckte Version ist aktuell leider vergriffen, eine Neuauflage ist in Arbeit.

Handbuch zum Download:

Fördertopf: Appetit auf Zukunft Fonds 2020

Für das Jahr 2020 gibt es finanzielle Unterstützung für entstehende Initiativen. Der Appetit auf Zukunft Fonds wird aus Mitteln des Landes OÖ von Stefan Kaineder, Landesrat für Umwelt, Energie, Wasser und Konsumentenschutz finanziert.

Ziele des Fonds

Das überwiegend ehrenamtliche Engagement von KonsumentInnen für die Ernährungswende soll unterstützt werden. Derzeit fließen bei der Gründung oder Weiterentwicklung einer Foodcoop oder ähnlicher Initiativen neben der ideellen Arbeit auch oft private finanzielle Ressourcen in die Projekte. Mit einer Anschubfinanzierung soll diese „Doppelbelastung“ der Menschen in den Lebensmittelkooperativen deutlich verringert werden und ein möglicher Stolperstein beim Aufbau des Projektes aus dem Weg geräumt werden. Die Übernahme von Kosten ist als Wertschätzung für das ehrenamtliche Engagement der Zivilgesellschaft für Ernährungssouveränität zu sehen.

Zweck der Anschubfinanzierung

Die Anschubfinanzierung aus dem AAZ Fond dient zur Deckung von Kosten bei der Gründung oder Weiterentwicklung einer Foodcoop oder eines ähnlichen Projekts. Dies kann nur für Vorhaben beantragt werden, wo ein ideelles, überwiegend ehrenamtliches Engagement von KonsumentInnen erkennbar ist.

Einige Beispiele für förderbare Kosten sind:

  • Errichtung, Umbau und Ausstattung eines Lagers als Treffpunkt und Umschlagplatz für gemeinschaftlich organisierte Lebensmittel (auch Kaution bzw. Provision)
  • Investitionen rund um die Organisierung von Bestellung, Abholung und Verteilung der Lebensmittel (Software, Transportlogistik,..)
  • div. Formen der Öffentlichkeitsarbeit (Website, Hosting, Flyer, Infoveranstaltungen, …)
  • Stärkung der Gruppendynamik, z.B. Moderations-Workshop, Impulsreferat,…
  • Mieterkostenbeitrag der ersten 6 Monate

Für welche Zwecke kann die Anschubfinanzierung NICHT verwendet werden?

  • Löhne von bezahlten Angestellten
  • Leistungen für ProduzentInnen bzw. Kosten für Lebensmittel, die für den privaten Konsum einzelner bestimmt sind (die Anschubfinanzierung dient nicht zur Bezahlung von privaten Lebensmitteleinkäufen)
  • die maximale Anschubfinanzierung pro Initiative beträgt 2.000,– Euro

Voraussetzungen und Ablauf

  • Kosten entstehen im Rahmen einer gemeinschaftlich organisierten Lebensmittelkooperative mit überwiegend ehrenamtlichem Engagement.
  • Kosten sind im Jahr 2020 entstanden
  • Antragstellung um Gewährung einer Anschubfinanzierung erfolgt bei BIO AUSTRIA OÖ bis spätestens 30.11. 2020
  • Einnahmen – Ausgaben Gegenüberstellung wird dargelegt
  • Belegbeweise der Kosten im Ausmaß der beantragten Anschubfinanzierung (Auflistung der Belege nach Datum und danach geordnete Belege)
  • Bewilligung der Anschubfinanzierung durch Michaela Jancsy

Unser Beratungsangebot

Bio Austria OÖ steht mit ihrem Beratungsangebot neuen Inititativen bei der Gründung und bestehenden Initiativen bei der Weiterentwicklung zur Seite. Wir bieten:

  • Erstgespräche mit InitiatorInnen wie Privatpersonen, Gemeinden oder auch LandwirtInnen
  • Gemeinsame Organisation von Themenabenden zum Thema nachhaltige Lebensmittelversorgung
  • Workshops zur Gründung von Foodcoops
  • Beratungsgespräche zur Gründung von Solidarischen Landwirtschaften

Was macht eigentlich eine FoodCoop?

Eine Foodcoop ist…

… ein Zusammenschluss von Menschen/privaten Haushalten, die gemeinsam und selbstorganisiert Lebensmittel direkt von regionalen Bauernhöfen beziehen. Die Foodcoops fördern die Lebensmittelproduktion und Verteilung im Sinne von Ernährungssouveränität, also selbstbestimmt, regional, ökologisch und sozial verträglich.

… und warum eine Foodcoop?

Transparenz, Wertschätzung und gegenseitiges Vertrauen sind zentrale Ziele von Foodcoops. Das Vereinsheim ist auch sozialer Treffpunkt, Rezepte und Wissen werden untereinander und mit den Bäuerinnen und Bauern ausgetauscht.

Für wen?

Foodcoops eignen sich für alle KonsumentInnen, die mehr wollen als passives Konsumieren und bereit sind, die Versorgung mit Lebensmitteln selbst in die Hand zu nehmen. Foodcoops dienen jenen ProduzentInnen als Vermarktungsweg, die in direkten Kontakt mit KonsumentInnen treten wollen und für eine faire, ökologische und transparente Lebensmittelproduktion stehen.

Was bringt eine Foodcoop …
…dem/der KonsumentIn?

  • Bio-Lebensmittel aus der Region
  • Selbstbestimmung und Eigenverantwortung
  • Wissen was man kauft
  • Kurze Transportwege
  • Persönlicher Bezug zu den Lebensmitteln und dem Bauern/der Bäuerin
  • Frische Qualität, nachhaltige Produktion
  • Gemeinschaft leben

Video: Beweggründe bei einer Foodcoop mitzumachen

… dem/der ProduzentIn?

  • Wertschätzung für Arbeit und Produkte
  • Persönlicher Kontakt
  • zusätzliche Absatzmöglichkeit
  • faire Preise
  • Entlastung von Arbeitsspitzen
  • gute Planbarkeit
  • keinen Schwund

Was ist eigentlich eine Solidarische Landwirtschaft?

© CSA Kamptal

Eine Solidarische Landwirtschaft oder auch Community Supported Agriculture (CSA) ist ….

… eine direkte, auf persönlichen Beziehungen aufbauende Partnerschaft zwischen einer Gruppe von KonsumentInnen und einer oder mehreren ErzeugernInnen, bei der die Risiken, die Verantwortung sowie die Vorzüge des Landwirtschaftens in Form einer längerfristigen Vereinbarung geteilt werden.

Eine Solidarische Landwirtschaftt kann viele Formen annehmen und so ist jede für sich einzigartig, legt andere Schwerpunkte oder ist anders organisiert. Allen gemein ist aber die verantwortungsvolle Pflege des Bodens und anderer Gemeingüter durch Agrarökologie. Lebensmittel werden als Gemeingüter und nicht als Ware gesehen. Frische, regionale, saisonale, gesunde und vielfältige Lebensmittel sollen für alle zugänglich sein. Landwirtschaft und die Produktion von Lebensmittel wird nach Menschenmaß und an örtliche Gegebenheiten angepasst. Respekt vor der Umwelt und Fairness für Mensch und Tier stehen im Vordergrund. Die Solidarische Landwirtschaft setzt auf aktive Beteiligung, die auf Vertrauen, Verständnis, Respekt, Transparenz und Kooperation aufbaut.

Die Entwicklung des Konzeptes der Consumer Suported Agriculture erfolgte….

… unabhängig voneinander in Japan und in den USA/ Europa. In Japan wurden Mitte der 1970er Jahre die ersten „Teikei“ (Partnerschaftshöfe) gegründet. Heute ist rund ein Viertel der Bevölkerung an einer Teikei beteiligt. 1978 entstanden „Les Jardins de Cocagne“ in der Nähe von Genf und in der Bretagne. In den USA entwickelte sich 1985/1986 die Consumer Supported Agriculture aus einem Kreis biodynamischer und biologischer Landwirte. Der aus der Schweiz eingewanderte Jan Vandertuin, die Amerikanerin Robyn Van En und der aus Hamburg eingewanderte Trauger Groh sind die nennenswerten Personen, die für diese Entwicklung in Amerika maßgeblich sind.

In den 90er Jahren entstanden weitere CSAs in Kanada und Großbritannien. 2001 wurde in Frankreich nach dem Vorbild der CSA in Amerika die französische AMAP (Association pourl la maintenance de l’agriculture paysanne) gegründet. Ende 2009 folgte die Schweiz mit der regionalen Vertragspartnerschaft „soliTerre“.

Um den Ausbau von CSA Betrieben zu forcieren entstand 2011 in Deutschland das Netzwerk „Solidarische Landwirtschaft“. Ebenfalls 2011 entstand mit der „Gemeinsamen Landwirtschaft“ (Gela) in der Gärnterei Ochsenherz der erste österreischische CSA Betrieb. Seither hat sich in ganz Österreich viel getan und viele neue Inititaiven haben sich etabliert oder stehen gerade in den Startlöchern.


Nachlese

Ergebnisse der Umfrage „Was bringen FoodCoops? Die bäuerliche Pespektive“

Zahlreiche FoodCoops sind in den letzten Jahren in Oberösterreich entstanden. Ein wesentliches Ziel dieser Initiativen ist die Förderung bio-regionaler Landwirtschaft. Dazu gehen KonsumentInnen einen Schritt auf ausgewählte Betriebe zu und schaffen durch die ehrenamtlich organsierten Sammelbestellungen einen zusätzlichen Absatzweg. Dieses Engagement verdient auf jeden Fall Anerkennung, doch welcher tatsächliche Nutzen entsteht dadurch? Welche Ansprüche werden in der Praxis erreicht, wo ist eine Weiterentwicklung des Modells erstrebenswert? Um dies herauszufinden, rief BIO AUSTRIA zur Teilnahme an einer Umfrage auf.

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