Gesunde Ernährung ermöglicht mehr Bio

Zwei Studien vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau von Schlatzer und Lindenthal (2018 und 2019) beschäftigen sich mit dem Einfluss einer gesunden Ernährung auf die Leistbarkeit von biologischen Lebensmitteln und den Anteil von biologischen Flächen in Österreich.

Zu hoher Fleischkonsum in Industrieländern

Wie wir uns ernähren, hat einen großen Einfluss auf die Landwirtschaft, Flächennutzung, Umwelt, Klima, Ressourcennutzung und vor allem auch auf unsere Gesundheit. Gerade die Produktion von tierischen Erzeugnissen nimmt dabei den größten Teil an Treibhausgasemissionen ein. Der Fleischkonsum ist in Österreich im Vergleich mit aktuellen Ernährungsempfehlungen um zwei Drittel zu hoch, während der Konsum von Gemüse zu niedrig ist. Das hat nicht nur ökologische, sondern auch gesundheitliche Effekte, denn der hohe Fleischkonsum trägt zur Entstehung von Zivilisationskrankheiten bei. In den letzten Jahren ist das Bewusstsein für gesunde Ernährung sowie für biologisch produzierte Produkte deutlich gestiegen, was sich an diversen Trends bezüglich des Ernährungsstils (vegetarisch, vegan, flexitarisch) sowie an dem gestiegenen Anteil biologisch gekaufter Produkte erkennen lässt. Warum der Faktor Fleisch sich so negativ in der Umweltbilanz auswirkt, hat unter anderem den Grund, dass es bei der Umwandlung von pflanzlichen Ressourcen zu tierischen Produkten zu einem sogenannten Veredelungsverlust kommt. Für eine 1 Kilokalorie aus Fleisch benötigt man im Schnitt 7 Kilokalorien aus pflanzlichen Ressourcen.

Biologische Produktionsweise bringt viele Vorteile

Nicht nur der Konsum, auch die Produktionsweise von Lebensmitteln ist ein wichtiger Faktor für Ressourcen und Klimawandel. Konventionelle Produktionsweisen haben zu einer Übernutzung von Böden, Abbau des Humusgehalt in Böden, Nitrateinträgen in Böden und Gewässer geführt und sind mitverantwortlich für den Klimawandel. Im Gegensatz dazu, hat die biologische Landwirtschaft zahlreiche Vorteile wie höhere Bodenfruchtbarkeit sowie Humusgehalt, geringere Bodenerosion, geringere Belastung der Gewässer, höhere Biodiversität, reduzierte Pestizidbelastung, höhere Standards beim Tierwohl um nur ein paar zu nennen.
Preis spielt zentrale Rolle
Heutzutage spielt die Leistbarkeit von Produkten eine große Rolle, wenn es um die Wahl von gesunden Lebensmitteln und vor allem Bio-Produkte geht. Der Preisunterschied zwischen konventionell und biologischen Produkten ist bei Eiern, Nudeln und Obst wesentlich geringer wie früher, während er bei Fleischprodukten oftmals bei dem 2-3-fachen Preis liegt. Das ist für eine durchschnittliche Familie oft schwer leistbar.
Bio und gesund Essen ist nicht (wesentlich) teurer
Die Studie von Schlatzer und Lindenthal (2019) zeigt, dass man den Anteil biologischer Produkte im Zuge des Einkaufs deutlich steigern kann, ohne oder nur geringfügig das Haushaltsbudget mehr zu belasten. Durch den Umstieg von einem derzeitigen Warenkorb auf einen gesunden Warenkorb kann eine Familie somit pro Woche so viel Geld sparen, dass ein Anteil von mehr als zwei Drittel des gesamten Warenkorbes biologisch eingekauft werden kann – ohne Entstehung von Mehrkosten. Zudem lassen sich durch den Umstieg von einem konventionellen Warenkorb auf einen gesunden Warenkorb mit 69,5% Bio-Anteil für eine 4-köpfige Familie ca. 38% der ernährungsbedingten Treibhausgase einsparen. Der Großteil dieser Einsparungen geht auf den gesunden Warenkorb zurück, der deutlich weniger Fleischprodukte beinhaltet.

Was ist denn eine gesündere Ernährung?

In der Studie wurde ein Warenkorb für eine gesunde Ernährung eines Erwachsenen nach den Empfehlungen der Österreichischen und Deutschen Gesellschaft für Ernährung (ÖGE & DGE) erstellt und auf den Einkauf einer 4-köpfigen Familie bezogen. Folgende Anpassungen wurden im Vergleich zum herkömmlichen Warenkorb vorgenommen:
• Reduzierung des Fleischkonsums von 65kg/Person und Jahr auf 20 kg
• Deutliche Erhöhung der Aufnahme von Milchprodukten
• Reduzierung der aufgenommenen Öle und Fette
• Deutliche Erhöhung des Gemüseanteils
• Markante Zunahme der Aufnahme von Hülsenfrüchten in Form von Bohnen
• Abnahme des Fischkonsum aufgrund ökologischer Aspekte um 80% und Einführung von Leinöl
• Reduzierung der Alkoholaufnahme sowie der freien Zucker
• Die deutliche Reduzierung von Limonaden und Energydrinks
• Ersatz von Mineralwasser durch Leitungswasser

In der Studie wird aufgezeigt, dass durch eine gesündere Ernährung das Geldbörserl geschont wird, wodurch Ressourcen frei werden um sich Bio-Produkte leisten zu können. Eine komplette Umstellung auf Bio-Produkte bei gleichzeitig gesunder Ernährung ergeben nur Mehrkosten von 10%.

100% bio möglich?

Nun stellt sich natürlich die Frage, ob es möglich ist in Österreich einen Bio-Anteil von 100% zu erreichen. Schlatzer und Lindenthal (2018) kommen in ihrer Machbarkeitsstudie zum Ergebnis, dass dies sehr wohl möglich ist unter bestimmten Bedingungen. Die Autoren nahmen die Ernährungsempfehlung der ÖGE wieder als Basis und berechneten die Umstellung auf eine gesunde Ernährung mit einer Verringerung des Fleischkonsums um 64%. Das Ergebnis ist überzeugend: bei einer gesunden Ernährung könnte eine flächendeckende biologische Landwirtschaft den gegenwärtigen Nahrungsmittelbedarf der österreichischen Bevölkerung mehr als decken. Durch eine Reduzierung der vermeidbaren Lebensmittelabfälle um 25 bis 50% könnten mehr als ausreichend Kilokalorien (auch mit gegenwärtigem Ernährungsstil) von der gegenwärtigen, aber auch bei einer flächendeckenden biologischen Landwirtschaft produziert werden. Sogar im Jahr 2080, wenn in Österreich 10 Mio. Menschen leben, kann durch eine Reduktion der vermeidbaren Lebensmittelabfälle um 50% und des Fleischkonsums um 25% eine flächendeckende biologische Landwirtschaft sichergestellt werden.
Die beiden Studien zeigen welche positiven Auswirkungen es auf Umwelt, Klima und Ressourcen hat eine gesunde Ernährung zu etablieren, sowie die Lebensmittelabfälle zu minimieren.
Und die gute Nachricht ist: einen Großteil davon haben wir als einzelne KonsumentInnen selbst in der Hand.

Kommentar der Redaktion:
Esst mehr Bio-Gemüse und kombiniert das mit hochwertigem, biologisch produziertem Fleisch aus Vorarlberg. BIO AUSTRIA
Rinder stehen durch Weidewirtschaft und einer Reduktion des Kraftfutters auf 15% nicht in Nahrungskonkurrenz zum Mensch und sind auch nicht auf Rodungen im Ausland zur Futtergewinnung angewiesen die dem Klima schaden.

Zusammengefasst von Mirabai Aberer
Quellen:
2018 Schlatzer und Lindenthal: 100% Biolandbau in Österreich – Machbarkeit und Auswirkungen. Auswirkungen einer kompletten Umstellung auf biologische Landwirtschaft in Österreich auf die Ernährungssituation sowie auf ökologische und volkswirtschaftliche Aspekte. FiBL.
2019 Schlatzer und Lindenthal: Bio, gesund und leistbar – geht das? Auswirkungen eines geänderten Einkaufverhaltens auf Kosten und Klimawandel. FiBL.