Projekt „Inwertsetzung von Biodiversitätsleistungen“

Unter dem Titel Erhalt, Wiederherstellung und Inwertsetzung von Biodiversität in der Bio-Landwirtschaft startete im Oktober 2023 ein neues Projekt.
Erhöhung der Biodiversität in landwirtschaftlichen Lebensräumen
Das Projekt zielt darauf ab, die Vielfalt der wild lebenden Tier- und Pflanzenarten in landwirtschaftlichen Lebensräumen zu erhöhen, um der Verarmung der heimischen Tier- und Pflanzenwelt entgegenzuwirken. Besondere Bedeutung wird der Erhaltung und Wiederherstellung von Landschaftsstrukturen sowie dem Vernetzen von Biotopen beigemessen.
Ökonomische Perspektive und Biodiversitätsförderung
Eine ökonomische nutzbringende Perspektive ist ein wesentliches Kriterium für die Umsetzung von Biodiversitätsmaßnahmen durch landwirtschaftliche Betriebe. Durch das Abbilden von definierten Biodiversitätsleistungen entlang der Wertschöpfungskette können Biodiversitätsleistungen der Bio-Bäuerinnen und Bio-Bauern sichtbar gemacht und biodiversitätsförderndes Kaufverhalten seitens der Konsument:nnen unterstützt werden. Darüber hinaus gilt es über einen Mehrpreis für biodiversitätsfördernde Produkte die Wertschöpfung in der landwirtschaftlichen Produktion zu verbessern.
Kooperationen und Marketing
Um diese Ziele zu erreichen, werden im Rahmen des Projekts österreichweit Kooperationen (Aufkäufer, Verarbeitung, Vermarktung) für die Produkte Streuobst und Honig und in weiterer Folge für Milch und Getreide etabliert. Ziel dieser Kooperationen ist, die Biodiversitätsleistung der zuliefernden Bio-Betriebe am Produkt auszuloben und für die Bio-Betriebe dafür einen Mehrpreis zu generieren. Im Rahmen des Projektes wird dafür ein Marketingkonzept erarbeitet.
Kommunikation und Bewertung der Biodiversitätsleistungen
Zur Kommunikation und Bewertung der Biodiversitätsleistungen entlang der Wertschöpfungskette werden allgemeingültige, nachvollziehbare und messbare Kriterien, Indikatoren und Bewertungsmethoden benötigt. Die Evaluierung des Biodiversitätsrechners sowie ein Monitoring auf ausgewählten Bio-Betrieben österreichweit sind Teil des Projekts.
Monitoring auf ausgewählten Bio-Betrieben
Zur Bewertung und Weiterentwicklung der Biodiversitätsmaßnahmen wurde ein umfassendes Monitoring durchgeführt. Insgesamt wurden 30 ausgewählte Bio-Betriebe untersucht:
- 2024
- 10 Streuobstbetriebe im Lavanttal
- 10 Milchbetriebe im Zillertal
- 2025
- 10 Ackerbaubetriebe (Getreide) im Lungau und Flachgau
Untersucht wurden dabei:
- die Habitatstruktur
- die floristische Diversität
- ausgewählte Tiergruppen:
- Vögel
- Heuschrecken
- Hummeln
- Wanzen
- Zikaden
Wissenschaftliche Methodik
Die Datenerhebung erfolgte nach anerkannten Methoden des biowissenschaftlichen Monitorings. Ziel ist es, repräsentative und replizierbare Daten über den Zustand der Natur zu gewinnen.
Durch standardisierte Erhebungen können:
- Entwicklungen im Zeitverlauf zuverlässig verglichen werden
- Maßnahmen systematisch bewertet werden
- Optimierungspotenziale identifiziert werden
So wird die Wirkung von Biodiversitätsmaßnahmen messbar und nachvollziehbar gemacht.
Erste Ergebnisse und Erkenntnisse
Erste Auswertungen zeigen deutliche Unterschiede zwischen den untersuchten Betrieben:
- Artenreicher eingestuft:
- Streuobstbetriebe im Lavanttal
- Teile der Salzburger Ackerbaubetriebe
- Artenärmer eingestuft:
- Milchbetriebe im Zillertal
- weitere Salzburger Ackerbaubetriebe
Diese Unterschiede können durch verschiedene Faktoren beeinflusst sein, darunter:
- naturräumliche Gegebenheiten
- Strukturvielfalt der Flächen
- Bewirtschaftungsweise
- Höhenlage

Abbildung 1: Vergleich der gesamtbetrieblichen Artenvielfalt der 30 untersuchten Bio-Betriebe.
| Lavanttal | Zillertal | Salzburg – Grünland | Salzburg – Acker | |
| Pflanzen | 147 | 84 | 148 | 83 |
| Heuschrecken | 13 | 12 | 26 | 12 |
| Wanzen | 90 | 58 | 88 | 30 |
| Zikaden | 56 | 49 | 99 | 26 |
| Hummeln | 14 | 15 | 12 | |
| Vögel | 51 | 55 | 65 |
Abbildung 2: Artenzahlen der untersuchten Pflanzen und Tiergruppen in Bezug auf die unterschiedliche Betriebstypen (Streuobst: Lavanttal, Milch: Zillertal, Ackerbau: Salzburg).
Unterstützung der Bio-Betriebe
Informationsmaterialien, Bildungsangebote wie Webinare und Feldbegehungen und Videos sollen die Bio-Betriebe unterstützen. Bereits erschienen ist das Video „Biodiversitätsleistungen von Streuobstwiesen.
Weiterführende Informationen
www.bio-austria.at/bio-bauern/beratung/projektbeschreibungen-BIO AUSTRIA
Kontakt
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DI Eva Marthe
BIO AUSTRIA, Landwirtschaft
Qualitätsmanagement Landwirtschaft, Biodiversität, Bienen