Weide und Eingriffe

Aktuelle Vorgaben Weide, Anbindehaltung, Eingriffe und Auslaufüberdachung

Erlass „Freigelände- und Weidezugang 2022“

Ende letzten Jahres hat das zuständige Sozialministerium angekündigt, dass davon auszugehen ist, dass „nur Witterungsbedingungen, saisonale Bedingungen, der Zustand des Bodens und unionsrechtliche Einschränkungen“ als zulässige Ausnahme von der Weideverpflichtung ab 2022 anerkannt werden können. Die neue Weidevorgabe 2022 sieht weiters vor, dass alle Pflanzenfresser (RGVE) geweidet werden müssen. Die derzeit geltende Regelung wird nicht mehr verlängert. BIO AUSTRIA hat darüber im letzten Newsletter informiert.

Diese Woche wurde seitens des Ministeriums ein Erlass „Freigelände- und Weidezugang 2022“ veröffentlicht, der dies nun bestätigt.

Vor der Veröffentlichung des Erlasses hatten BIO AUSTRIA, die Landwirtschaftskammer Österreich sowie die IG Kontrollstellen dem Ministerium gemeinsam ihre Expertise übermittelt. Zudem wurde eine Vielzahl von Fachfragen übermittelt, die im Zusammenhang mit der Weidevorgabe für 2022 noch gelöst werden müssen. Etwa wie sieht es im Bereich der Jungtiere (Kälber, Kitze, Lämmer) aus? Welche Möglichkeiten bestehen, Weidemanagement praxistauglich umzusetzen, um zu verhindern, dass die Weideflächen geschädigt werden? Wie können Sicherheit von Mensch und Tier im Bedarfsfall gewährleistet werden?

Nach Durchsicht des Erlasses ist festzuhalten, dass diese und weitere Fachfragen weiterhin offen bleiben.

Bereits im Februar hat BIO AUSTRIA in Bezug auf die Diskussion dieser und anderer offener Fragen die Durchführung einer internationalen Fachtagung gefordert. Diese wurde mittlerweile auf politischer Ebene durchgesetzt und wird im Juni 2021 vom Netzwerk Zukunftsraum Land gemeinsam mit LKÖ, BIO AUSTRIA, HBLFA Raumberg Gumpenstein und IG Kontrollstellen veranstaltet.

Die offenen Fragen und Herausforderungen werden nicht auf österreichischer Ebene alleine zu klären sein. Warum? Weil eine unterschiedliche Handhabung und Auslegung der EU-Bio-Verordnung in verschiedenen Ländern ungleiche Voraussetzungen für die bäuerlichen Betriebe mit sich bringt.

Es muss daher sichergestellt werden, dass österreichische Bio-Betriebe im Vergleich zu anderen EU-Ländern keinen Wettbewerbsnachteil durch derartige unterschiedlich interpretierte Vorgaben erleiden.

Bio Austria wird sich weiterhin intensiv aktiv in den Prozess einbringen und seine Mitglieder informieren, sobald ausreichend Klarheit über die Umsetzung in der Praxis besteht.

Hier ist der Erlass des Sozialministeriums abrufbar:

https://www.verbrauchergesundheit.gv.at/

Bio Austria fordert EU-Gipfel…

zur Bio-Weidevorgabe

Das Thema EU-Bio-Audit und die zentrale Frage der Ausgestaltung der Weide-Vorgabe ist mit der Verlängerung der Übergangsregeln für 2021 noch nicht vom Tisch.

Für das laufende Jahr konnte eine Einigung mit der EU-Kommission erzielt werden, das ist begrüßenswert, aber noch keine endgültige Lösung.

Denn entscheidend wird sein, was ab 1. Jänner 2022 gelten wird. Laut Gesundheitsministerium ist davon auszugehen, dass alle Tiere geweidet werden müssen, wann immer die Witterungsbedingungen, jahreszeitlichen Bedingungen oder der Zustand des Bodens dies gestatten.

Doch damit stehen tausende tierhaltende Bio-Betriebe vor nicht geklärten Herausforderungen, etwa in Bezug auf die Haltung der Jungtiere, das Management der Weideflächen und die Sicherheit von Mensch und Tier.

Bio Austria erachtet es daher als notwendig, dass diese Fachfragen im Rahmen einer internationalen Fachtagung behandelt werden müssen.

Nur so wird es möglich sein, gemeinsame Lösungen zu finden und zu verhindern, dass die österreichischen Biobäuerinnen und Biobauern am europäischen Markt massiven Wettbewerbsnachteilen ausgesetzt sind.

Es muss klar sein, dass ein und dieselbe Vorgabe nicht überall anders umgesetzt wird – und letztlich in einem einzelnen Land die bäuerliche Landwirtschaft gefährdet.

© BIO AUSTRIA

Weideregelung

Für das Jahr 2021 konnte eine Verlängerung der Übergangsregelung erreicht werden. Die Weidevorgabe des Jahres 2020 wird somit auch für das Jahr 2021 fortgeschrieben. Das bedeutet, dass auch 2021 entweder mindestens 1 RGVE pro Hektar weidefähiger Fläche oder zumindest 50% der RGVE in der Vegetationsperiode Zugang zu Weide haben müssen, wann immer es die Umstände – Witterungs- und Bodenbedingungen – erlauben.

Beispiel

Zu weiden sind 50 % der RGVE am Betrieb oder 1 RGVE pro ha weidefähiger Fläche.


Weidefähige Fläche errechnet sich aus:

Gesamte Grünlandfläche

minus: Nicht weidefähige Fläche (Natur- und Wasserschutzflächen mit behördlichen Auflagen, staunasse Flächen, Feldstücke kleiner 0,2 ha, bei Rindern Flächen steiler als 25 %)

plus: 20 % der gesamten Ackerfläche

= weidefähige Fläche

Die Weidevorgabe für Pflanzenfresser ab dem Jahr 2022 unter der neuen EU-Bio-Verordnung wird im Laufe des kommenden Jahres bekannt gegeben. Es ist davon auszugehen, dass nur Witterungsbedingungen, saisonale Bedingungen, der Zustand des Bodens und unionsrechtliche Einschränkungen als zulässige Ausnahme von der Weideverpflichtung anerkannt werden können.

Es wird jedenfalls keine Verlängerung der für die Jahre 2020 und 2021 geltenden Weidevorgabe geben und die neue Regelung für 2022 wird alle RGVE umfassen.

Frist Erstellung Weideplan 2022

neuer Termin 30. Juni 2021

Weiderechner für das Jahr 2020 und 2021

Information und Rechner

Anbindehaltung

Ab 2021 muss die Anbindehaltung von Rindern genehmigt werden. Die Ansuchen auf Genehmigung sind bis längstens Ende März 2021 über das Verbraucherinformationssystem VIS zu stellen.
Die Servicestellen in den BIO AUSTRIA Landesverbänden – nachstehend – unterstützen bei der Antragstellung.

Eingriffe

Alle Eingriffe bei Nutztieren, etwa das Entfernen der Hornknospen bzw. das Enthornen von Kälbern und Kitzen oder das Kupieren des Schwanzes bei Zuchtlämmern, dürfen seit 1.1.2020 nur mehr nach behördlicher Ausnahmegenehmigung für den jeweiligen Betrieb unter Angabe zwingender Gründe (Hygienebedingungen, Sicherheit, Gesundheits-Verbesserung) vorgenommen werden. Anträge sind über das Verbraucherinformationssystem VIS zu stellen.

Für die Verkleinerung der Eckzähne bei Ferkeln und Schnabelstutzen werden seit 2020 grundsätzlich keine Genehmigungen mehr erteilt, ebenso für das Kupieren von Schwänzen bei anderen Schafen als weiblichen Lämmern und bei anderen Tierarten.

Die operative Kastration ist nicht Teil der Regelungen, für die die Notwendigkeit einer behördlichen Genehmigung besteht.

Weiterführenden Informationen zur Antragstellung über VIS

Überdachung von Ausläufen

Bei Neubauten dürfen die Ausläufe ab 2021 nur mehr zu 50 % überdacht werden. Nur in zwei Situationen können 25 % der Mindestauslauffläche unüberdacht bleiben: in Regionen mit mehr als 1.200 mm durchschnittlichen Jahresniederschlag und bei Ausläufen für ferkelführende Sauen und Ferkel über 35 kg. Für Altbauten gelten Übergangsfristen bis 2030.

Fragen und Antworten Dezember 2020

Es wird geraten, mit einer Beraterin oder einem Berater Kontakt aufzunehmen, besonders falls Unsicherheit über die Möglichkeit zur Umsetzung auf dem Betrieb besteht.


Erlässe

Hier finden sich die Links zu den Erlässen die vom Gesundheitsministerium veröffentlicht wurden.


Rechtsgutachten BIO AUSTRIA

©Raumberg-Gumpenstein

Bio Austria hat im März 2020 ein Rechtsgutachten eingeholt, das sich mit der Auslegung der Weide-Vorgaben im Rahmen der EU-Bio-Verordnung beschäftigt. Der Fokus liegt dabei auf der Auslegung der „Umstände“, die bei der Umsetzung der Weide-Vorgaben berücksichtigt werden können. Mit diesem Rechtsgutachten soll ein konstruktiver Beitrag zur Lösungsfindung im laufenden Verhandlungsprozess über die Ausgestaltung der Vorgaben zur Weidehaltung geleistet werden.

Das Gutachten bringt einen Mehrwert für die aktuelle Diskussion zu den Weide-Vorgaben ab 2021, da die Auslegung der „Umstände“ laut Bio-Verordnung dabei eine zentrale Rolle spielt.

Kernaussagen des Rechtsgutachtens:

  • Das Gutachten zeigt auf, dass in der EU-Bio-Verordnung keine absolute (ausnahmslose) Weidepflicht normiert ist.
  • Der Gutachter ist der Ansicht, dass bei der Auslegung der Weidevorgaben deutlich mehr Umstände berücksichtigt werden können, als nur temporäre Boden- und Witterungsbedingungen.
  • Dem Gutachten zufolge ist es rechtlich möglich, bei der Frage, in welchem Ausmaß Pflanzenfresser Zugang zu Weiden haben müssen, auch „regionale/geographische und strukturelle Merkmale der Landwirtschaftsbetriebe“ zu berücksichtigen.

„Das Rechtsgutachten untermauert die Forderung von BIO AUSTRIA nach Weidevorgaben, welche individuelle betriebliche Möglichkeiten mitberücksichtigen, insbesondere jene Umstände, die sich aus den örtlichen Verhältnissen ergeben“.

Unabhängig davon gilt weiterhin der Hinweis von BIO AUSTRIA, dass sich betroffene Betriebe intensiv mit der Frage beschäftigen müssen, wie und wo Tiere künftig geweidet werden können. Ein entsprechender Weideplan ist bis Ende Juni auszuarbeiten und bei der Kontrolle vorzuweisen.


weitere Beiträge zu den neuen Regelungen

EU-Audit: Weidehaltung und Auslauf (Dez. 2020)

Zum Beitrag


Stand der Diskussionen (Sept. 2020)

Drängende Fragen sind immer noch offen. BIO AUSTRIA bringt die Interessen der betroffenen Mitgliedsbetriebe laufend in den Audit-Prozess ein. Dies geschieht in Form von Stellungnahmen und durch unzählige Gespräche mit den zuständigen Stellen. Den aktuellen Stand der Diskussionen und die Forderungen von BIO AUSTRIA finden Sie hier.

Zum PDF-Dokument


Kurzinfo: Gespräch mit EU-Kommission (Dez. 2019)

zum Beitrag


Kontaktieren Sie die Beraterinnen und Berater bei weiteren Fragen:

Oberösterreich

  • Stefan Rudlstorfer

    LK-Bio-Berater OÖ, Landwirtschaft
    Beratung Grünland, Wiederkäuer
    • stefan.rudlstorfer@lk-ooe.at
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  • DI Joachim Mandl

    LK-Bio-Berater OÖ, Landwirtschaft
    Beratung Grünland, Feldfutter, Obst, Gemüse
    • joachim.mandl@lk-ooe.at
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Niederösterreich

  • Nicholas Fürschuss

    BIO AUSTRIA NÖ und Wien, Landwirtschaft
    Beratung Rinder/Stallbau
    • nicholas.fuerschuss@bio-austria.at
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  • DI Jakob Gadermaier, BEd

    BIO AUSTRIA NÖ und Wien, Landwirtschaft
    Beratung Grünland
    • jakob.gadermaier@bio-austria.at
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  • DI Agnes Scheucher

    BIO AUSTRIA NÖ und Wien, Landwirtschaft
    Regionalbetreuung Mostviertel, Beratung Grünland
    • agnes.scheucher@bio-austria.at
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  • DI Doris Wimmer

    BIO AUSTRIA NÖ und Wien, Landwirtschaft
    Regionalbetreuung Waldviertel, Beratung Grünland
    • doris.wimmer@bio-austria.at
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Salzburg

  • Franz Promegger

    BIO AUSTRIA Salzburg, Landwirtschaft
    Beratung
    • franz.promegger@bio-austria.at
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Kärnten

  • DI Nadja Schuster

    BIO AUSTRIA Kärnten, Landwirtschaft
    Grünland und Wiederkäuer
    • nadja.schuster@bio-austria.at
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Burgenland

  • Franz Traudtner

    BIO AUSTRIA Burgenland, Obmann, Landwirtschaft
    Beratung Ackerbau, Betriebliche Standortbestimmung, Bildungs- und Beratungskoordination
    • franz.traudtner@bio-austria.at
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Steiermark

Informationen erhalten Sie auch über die Bio-Beratungshotline Mo-Fr von 8-14 Uhr: 0676/842214-407

  • Isabella Hiebaum, MSc

    Bio Zentrum Steiermark , Landwirtschaft
    Bio-Rindfleischkoordination, Bio-Beratung
    • isabella.hiebaum@lk-stmk.at
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  • Ing. Georg Neumann

    Bio Zentrum Steiermark, Landwirtschaft
    Beratung, Grünland, Rinder in Mur- und Mürztal
    • georg.neumann@lk-stmk.at
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  • Dipl.-Ing. Dr. Wolfgang Angeringer

    Bio Zentrum Steiermark, Landwirtschaft
    Beratung, Grünland, Rinder
    • wolfgang.angeringer@lk-stmk.at
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Tirol

  • Tobias Lienhart, B.Sc.

    BIO AUSTRIA Tirol
    Beratung & Bildung, Direktvermarktung, Partnerbetreuung
    • tobias.lienhart@bio-austria.at
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  • Ing. Christina Ritter

    BIO AUSTRIA Tirol, Obfrau
    Beratung & Bildung
    • christina.ritter@bio-austria.at
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Vorarlberg

  • Florian Vinzenz

    Bioberater Allround & LK-Berater
    • florian.vinzenz@bio-austria.at
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