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Der Verlust an Artenvielfalt schreitet voran und die Landwirtschaft als Mitverursacher ist in den letzten Jahren stark in den Fokus gerückt. Auch wenn es im Selbstverständnis der Biobäuerinnen und Biobauern liegt, auf die natürlichen Ressourcen zu achten und die biologische Betriebsweise vergleichsweise gut aufgestellt ist, bleibt die Auseinandersetzung mit diesem Thema weiterhin wesentlich.
Mit dem Beschluss der Delegiertenversammlung Ende Herbst 2024 wurden die Förderung der Biodiversität und einer vielfältigen Fruchtfolge in den Produktionsrichtlinien von BIO AUSTRIA verankert.
Richtlinien Biodiversität und Fruchtfolge
Ab welcher Betriebsgröße sind diese Richtlinien verpflichtend?
Die Einhaltung der Biodiversitätsrichtlinie ist ab 2 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche einzuhalten. Die Fruchtfolgerichtlinie ist nur für Betriebe ab fünf Hektar Ackerland relevant.
Bienenhalter ohne Flächen brauchen den Biodiversitäts- und Fruchfolgerechner NICHT ausfüllen.
Jeder BIO AUSTRIA Betrieb leistet durch den Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel, durch eine vielfältige Fruchtfolge und eine gezielte Humuswirtschaft einen hohen Beitrag zum Schutz der Biodiversität.
Diese Grundleistungen werden mit einer Punkteanzahl von 100 bewertet.
Darüber hinaus erbringt jeder BIO AUSTRIA Betrieb zusätzliche Biodiversitätsleistungen. Der Betrieb kann dabei selbst entscheiden, welche Maßnahmen aus den BIO AUSTRIA Katalogen „Biodiversität fördern“ am besten zu seinem Betrieb passen.
Mithilfe des Biodiversitäts-Rechners oder eines analogen Fragebogens erhebt der BIO AUSTRIA Betrieb seine Biodiversitätsleistungen und ermittelt den erreichten Punktewert. Die Erhebung ist jährlich zu aktualisieren.
Jeder BIO AUSTRIA Betrieb erbringt in Summe jährlich Biodiversitätsleistungen im Wert von 200 Punkten.
Richtlinie Fruchtfolge
BIO AUSTRIA Betriebe mit mehr als fünf Hektar Ackerland bewerten ihre Fruchtfolgen jährlich mit Hilfe des Fruchtfolgerechners oder mit einem analogen Fragebogen und erreichen mindestens 30 Punkte.
Betriebe mit einem Feldgemüse- und / oder Kräuteranteil von mehr als 20 % an der Ackerfläche mindestens 25 Punkte.
Verzicht auf konventionelle organische Handelsdünger
Zeitplan für die Richtlinien Biodiversität- und Fruchfolge
ab2026 Anforderung 100 % der Mindestpunkte Abmahnung (S1), wenn die Rechner nicht ausgefüllt sind
2029 Evaluierung von Art und Umfang der Kontrolle
Aktualisierung der Erhebung der Biodiversitäts- und Fruchtfolgeleistungen
Nach der erstmaligen Erhebung der Biodiversitäts- und Fruchtfolgeleistungen müssen die Daten in den Rechnern laufend aktuell gehalten werden. BIO AUSTRIA erstellt dazu Berichte auf Basis der verfügbaren Daten und sendet sie an die Betriebe.
Quelle: BIO AUSTRIA Fachzeitung, Ausgabe 6/2024; Grafik: Formdenker
Die Zustimmung zum E-AMA-Import der MFA-Daten erleichtert die Aktualisierung der Berichte. Der aktualisierte Bericht ist bei einer Kontrolle vorzulegen.
eAMA–Daten für die Rechner freischalten
Nächster Stichtag voraussichtlich 26.10.2026.
Mit nur einem Klick lässt sich viel Arbeit sparen: Die Flächendaten aus dem Mehrfachantrag können automatisch in den Biodiversitäts- und Fruchtfolgerechner übernommen werden – ganz ohne mühsame händische Eingabe.
Dieses praktische Service steht dafür zur Verfügung. Voraussetzung ist die Zustimmung zur Datenfreigabe für den BIO AUSTRIA Verein zur Förderung des biologischen Landbaus im eAMA-Portal (Häkchen setzen).
Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung finden Sie hier:
Mit Hilfe des Biodiversitäts- und Fruchfolgerechners (Online-Tool) oder der Fragebögen werden die vielfältigen Biodiversitäts- und Fruchtfolgeleistungen, die BIO AUSTRIA Betriebe erbringen, erfasst und in Form von Punkten sichtbar gemacht.
Fragen rund um die Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität beziehungsweise zur Fruchtfolge und zum Ausfüllen des Rechners beantworten gerne Ihre BeraterInnen in den Bundesländern. Die Ansprechpersonen finden Sie hier.
Für BIO AUSTRIA Mitgliedsbetriebe wurden für die Biodiversität Schmetterlinge als Logo in unterschiedlichen Farbvariationen (weiß, gelb, grün und schwarz) erstellt, wobei jedoch vorzugsweise die Farbe Weiß verwendet werden sollte.
Grünland gehört zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas. Der Lebensraum kann nur durch regelmäßige Nutzung, wie die Mahd, erhalten werden. Die regelmäßige Nutzung ist nicht nur zur Offenhaltung der Fläche notwendig, sondern trägt zudem zu einer vielfältigen Flora und Fauna bei. Die Art und Intensität der Bewirtschaftung hat dabei aber einen starken Einfluss ob diese Vielfalt erhalten bleibt oder bedroht wird.
Kein anderer Lebensraum wurde so stark vom Menschen geprägt und hat gleichzeitig in jüngster Zeit so große Verluste in der Artenvielfalt hinnehmen müssen wie unsere Äcker. Früher zierten zahlreiche Blüten die Äcker. Viele Insekten und andere Tiere konnten davon profitieren. Auch die Landwirtschaft gewinnt mit mehr an Vielfalt. Es werden Nützlinge gefördert, Schädlinge von den Kulturen abgelenkt, die Bestäubung gesichert, die Bodenfruchtbarkeit erhöht und das Bodenleben unterstützt.
Landschaftselemente bieten aufgrund ihrer Strukturierung und ihrer meist extensiven Nutzung Lebensräume für viele Tiere und Pflanzen, die in den Kulturflächen nicht oder nicht das ganze Jahr überleben können. Sie tragen somit maßgeblich zur Biodiversität bei.
Die ursprünglichen Lebensräume unserer Vögel, Insekten und Fledermäuse sind oft nicht mehr vorhanden und damit fehlen auch Nistmöglichkeiten. Diesem Mangel kann man mit künstlichen Nisthilfen oder -höhlen abhelfen.
Der Obstbau bietet aufgrund der Zusammensetzung aus den mehrjährigen Obstkulturen in den Baum- bzw. Strauchreihen und dem Grünland in den Fahrgassen bereits einen vielfältigen Lebensraum für verschiedenste Tierarten. Um hier ein Gleichgewicht zwischen Nützlingen und Schädlingen zu erreichen, gibt es zahlreiche Möglichkeiten das positive Artenspektrum zu fördern.
Weingärten bieten großes Potenzial für einen artenreichen Lebensraum.
Es gilt im Wesentlichen die Monokultur zu durchbrechen wie zum Beispiel durch artenreich begrünte Böden, Hecken, Felsen, Wasserflächen oder Trockensteinmauern.
Im Gemüsebau können durch die Anlage von naturnahen Flächen und ausgesuchten Begleitpflanzen vorbeugend Nützlinge in die Flächen angelockt werden. Gezielte Biodiversitätsmaßnahmen können wesentlich dazu beitragen, Massenvermehrungen von Schädlingen zu verhindern und sind somit ein wichtiger Teil des biologischen Pflanzenschutzes.