Laser statt Hacke?

Veröffentlicht am 30. Oktober 2026
©Carbon Robotics

Für die automatisierte Beikrautregulierung im Gemüsebau stehen unterschiedliche technische Ansätze zur Verfügung. Carbon Robotics setzt auf den Einsatz von Laser und hat mit dem LaserWeeder ein Gerät entwickelt, das in der Praxis angekommen ist.

Hochauflösende Kameras scannen den Pflanzenbestand und eine KI unterscheidet Kulturpflanzen und Beikräuter. Die erkannten Beikräuter werden gezielt am Vegetationspunkt durch kurze Hitzeimpulse geschädigt. Der Boden wird dabei nicht bewegt. Mit dem LaserWeeder G2 wurde die Technik nach mehreren Jahren Praxiseinsatz weiterentwickelt.

Modulares System

Die erste Generation wurde als rund sechs Meter breite Maschine eingesetzt und erforderte Traktoren mit 230 PS. Der G2 ist modular aufgebaut und in verschiedenen Arbeitsbreiten erhältlich. Eine für mitteleuropäische Gemüsebaubetriebe interessante Konfiguration arbeitet mit vier Modulen mit einer Arbeitsbreite von 2 m und einer Rahmenbreite von 2,4 m. Jedes Modul verfügt über zwei 240-W-Diodenlaser und lässt sich an unterschiedliche Beet- und Dammabstände anpassen.

Der G2 300 wiegt einsatzbereit rund 2,24 t und kann mit einem Traktor ab etwa 110 PS betrieben werden. Benötigt werden ausreichende Hubkraft, stufenloses Getriebe, ISOBUS mit TIM und eine Frontzapfwelle. Der Generator versorgt Laser, Kameras und Rechner und benötigt mindestens 40 PS Frontzapfwellenleistung.

Einsatz und Grenzen

Mechanische Hacktechnik schneidet, löst oder verschüttet Beikräuter und bewegt dabei den Boden. Der Laser arbeitet hingegen berührungslos. Sein Sicherheitsabstand lässt sich bis auf 1 mm reduzieren, sodass auch Beikräuter unmittelbar neben der Kulturpflanze behandelt werden können.

Der LaserWeeder erkennt inzwischen über 130 Kulturpflanzen. Besonders umfangreiche Praxiserfahrungen liegen bei Karotten und Zwiebeln vor. Weitere Arten können über das Large Plant Model kurzfristig angelernt werden. Zweikeimblättrige Beikräuter wie Kamille oder Kreuzkraut lassen sich besonders gut behandeln. Gräser sollten im Ein- bis Zweiblattstadium getroffen werden, da später der Vegetationspunkt tiefer sitzt und ein Wiederaustrieb möglich ist. Bei Wurzelunkräutern wie Disteln können wiederholte Behandlungen notwendig sein.

Die Flächenleistung hängt wesentlich von Zahl und Größe der Beikräuter ab. Das bestätigen die Erfahrungen von Hubertus Budde, Landwirt in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt und Anwender des LaserWeeders G1 im Zwiebelanbau. Mit der 6-m-Maschine wurden je nach Unkrautbesatz etwa 0,3 bis 3,5 km pro Stunde erreicht. Unter trockenen Bedingungen und bei durchschnittlichem Besatz war im Schichtbetrieb eine Flächenleistung von etwa zehn Hektar in 24 Stunden möglich.

Für den G2 300 mit vier Modulen nennt Carbon Robotics aus der ersten Saison durchschnittlich 0,3 bis 0,5 ha pro Stunde beziehungsweise ein Arbeitstempo von 0,7 bis 1 km pro Stunde. Beim G2 600 werden bei niedrigem Unkrautdruck etwa 1 ha pro Stunde, bei höherem Druck 0,4 bis 0,7 ha pro Stunde erreicht. Entscheidend für Leistung und Behandlungserfolg ist der Einsatztermin. Am effizientesten arbeitet der Laser ab dem Keimblattstadium. Kleine Pflanzen benötigen weniger Energie und Behandlungszeit. Wird das Beikraut von der Kultur überdeckt, sinkt die Leistung.

Bedienung

Gesteuert wird der Einsatz über eine Tablet-Anwendung. Über TIM passt die Maschine die Fahrgeschwindigkeit automatisch an den Beikrautbesatz an. Auch ein fahrerloser Einsatz ist bereits möglich: Mit externen Autonomiesystemen, beispielsweise von IKUS, kann ein entsprechend ausgerüsteter Traktor den LaserWeeder autonom führen. Die Bilderkennung läuft lokal, eine Internetverbindung wird nur für Updates, Datenupload und Ferndiagnose benötigt.

Tägliche Routinen umfassen Kamerareinigung, Sichtkontrolle und Kontrolle des Kühlkreislaufs, bewegte Bodenwerkzeuge entfallen. Sobald ein Lasermodul ausfällt, arbeiten die übrigen weiter. Die Einsätze werden digital dokumentiert. Die Einweisung bei einer ersten Inbetriebnahme dauert in der Regel einen Tag.

Auslastung zählt

Der G2 200 mit drei Modulen kostet laut aktueller Preisliste rund 385.000 Euro, der G2 300 mit vier Modulen etwa 440.000 Euro. Eine 6-m-Ausführung liegt bei rund 920.000 Euro. Das erste Servicejahr und die Garantie sind enthalten. Danach nennt Carbon Robotics für vier Module je nach Saisonlänge 30.000 bis 60.000 Euro Servicekosten jährlich – inklusive Support, Garantieverlängerung und Softwareupdates.


Für die Wirtschaftlichkeit sind Handarbeitskosten und Auslastung entscheidend. Eine vereinfachte Beispielrechnung für einen LaserWeeder G2 mit vier Modulen und 2 m Arbeitsbreite setzt 440.000 Euro Investition sowie 50.000 Euro jährliche Supportkosten ab dem zweiten Jahr an. Bei 40 ha Bio-Karotten und 225 eingesparten Handarbeitsstunden je Hektar ergibt sich bei 15 Euro je Arbeitskraftstunde eine Einsparung von rund 3375 Euro pro Hektar beziehungsweise 135.000 Euro pro Jahr. Unter diesen Annahmen läge die rechnerische Amortisation bei gut vier Jahren. Wird statt des reinen Lohnansatzes ein betrieblicher Vollkostenansatz von 20 Euro pro Arbeitskraftstunde angesetzt, verkürzt sich die Amortisationszeit entsprechend auf etwa dreieinhalb Jahre.


Welches Verfahren passt?

Für die betriebliche Entscheidung rückt weniger der Autonomiegrad als das Wirkprinzip in den Vordergrund. Kamerageführte Hacktechnik und Striegel regulieren mechanisch und haben insbesondere mit Blick auf die Flächenleistung ihre Stärken. Der Laser spielt seine Vorteile dagegen bei wertvollen Kulturen, hohen Handarbeitskosten und engen Einsatzfenstern aus und wenn eine Regulierung nah an der Kultur ohne Bodenbewegung gefragt ist. Der fehlende Bodeneingriff ist ein zentraler Vorteil des Lasereinsatzes, denn er schont die Bodenstruktur und bringt keine weiteren Beikrautsamen an die Bodenoberfläche. Bei Wurzelunkräutern oder hohem Beikrautdruck können mechanische Verfahren Vorteile bieten.

Autor: Lucas Nicolai, Netzwerk Ackerbau Niedersachsen (NAN) e.V.

www.Netzwerk-Ackerbau.de

Der Artikel wurde in der BIO AUSTRIA Fachzeitung, Ausgabe 5/2026 zum Schwerpunkt „Technik und Innovation“ veröffentlicht: https://www.bio-austria.at/d/bauern/BIO AUSTRIAzeitung-5-26/