Puten und mehr am Bio Gassnerhof
Am Bio Gassnerhof leben Puten, Rinder, Hühner und Pferde. Vermarktet wird direkt ab Hof. Die Putenhaltung ist dabei ihr besonderes Steckenpferd.
Hof und Familie
Ramona Gassner ist stellvertretende Ortsbäuerin, gelernte Bürokauffrau und 34 Jahre alt. Stefan Gassner ist gelernter Fahrzeugbauer, 41 Jahre alt und arbeitet nach wie vor in dieser Branche. Gemeinsam haben sie 2 Kinder, Lydia (5) und Kilian (3). Unterstützt wird die Familie noch von Stefans Eltern Franz und Elke. Die Vision vom eigenen Hof in Götzis haben die beiden ohne Erbe und ohne große Flächen aufgebaut. Was 1999 mit zwei Pferden und einem kleinen Stall begann, entwickelte sich über Jahre hinweg zu einem vielfältigen Bio-Betrieb. 2019 erfüllte sich die Familie den Traum vom Neubau mit ordentlichem Hofgebäude und Stall. Das alles komplett in Eigenregie und mit handwerklichem Geschick. Die Mühe hat sich laut Ramona gelohnt. „Der Bauernhof ist unsere Lebensphilosophie – des machamr für üs.“
Aus einem „Jux“ wird der Verkaufsschlager
Die Puten kamen eher zufällig auf den Hof: Ein Bekannter brachte 2020 zwanzig Küken vorbei. Was als Versuch gedacht war, stieß sofort auf enorme Nachfrage und ermöglichte ein gesundes aber stetiges Wachstum. Damit die 300 Puten übers Jahr genug Platz haben, wird im Sommer auch der Rinderstall in einen Putenstall umfunktioniert.
Königsdisziplin der Geflügelhaltung
Nicht umsonst gilt Putenhaltung als Herausforderung. Puten reagieren empfindlich auf Witterung, Zugluft und Feuchtigkeit. Außerdem müssen sie täglich händisch in den Stall geleitet werden, da sie nicht selbst Unterschlupf suchen, sondern sich lediglich auf den Boden setzen. Krankheiten wie die Schwarzkopfkrankheit verlangen höchste Hygiene, da das Virus u.a. über Regenwürmer von anderen Geflügelarten übertragen wird. Die Freilandnutzung wird dadurch herausfordernd, ist mit der nötigen Sorgfalt aber machbar.
Die jungen Hähne kommen im Alter von acht Wochen aus dem angrenzenden Baden-Württemberg auf den Hof. Neben dem hofeigenen Getreidefutter wird ausschließlich mit österreichischem Bio-Mischfutter gefüttert. Auslauf auf grünen Wiesen gibt es immer, außer bei Regenwetter. Da bleiben die Puten lieber im Stall, weil sich das Gefieder schnell mit Wasser vollsaugt. Das Spezielle der Puten ist der gurgelnde „Kehlgesang“. „An das muss man sich gewöhnen, manchmal kann es schon nervig sein“, versichert Stefan.
Kurze Wege
Gassners halten ausschließlich männliche Puten (Truthähne), weil sie eine bessere Fleischausbeute haben. Geschlachtet werden sie nach sechs bis sieben Monaten in der Metzgerei Schatz in Hohenems, wo sie auch zerlegt und in küchenfertigen Portionen vakuumiert werden. Eine Pute liefert etwa zwölf Kilogramm Fleisch: Filets, Schnitzel, Geschnetzeltes, Rollbraten, Keulen, Flügel und Hackfleisch. Das alles gilt es an die Frau und den Mann zu bringen – darum werden bei Gassners nur halbe und ganze Puten küchenfertig zerlegt in Paketen vermarktet. So können alle Fleischteile mit gleicher Wertschätzung verkauft werden.
Strategie direkt
Vermarktet wird bewusst direkt über den Hofladen, Kantinen, Altenheime, Kindergärten und private Kundschaft. Aber auch über die Fleischpakete der BIO Vorarlberg und den Regional Lada in Sulz kann das Bio-Putenfleisch erstanden werden. „Transparenz ist uns wichtig – jede und jeder darf sehen, wo unser Fleisch herkommt“, betont Ramona. Stefan ergänzt: „Die Leute wollen ein Gesicht hinter dem Produkt sehen.“
So ist es auch beim Rindfleisch, das größernteils direkt und gelegentlich über die BIO Vorarlberg vermarktet wird.
Die Eier werden in Kooperation mit Christoph Weißenbach, im Tausch gegen Kartoffeln, vermarktet. So profitieren beide Hofläden voneinander. Der nächste Schritt ist schon geplant: ein zweiter, selbstgebauter mobiler Hühnerstall – ganz im Stil des Gassnerhofs.







