Futter untersuchen lassen – ja oder nein?

Veröffentlicht am 20. Mai 2026
© Charlotte Schlenker

Dass die Gesundheit unserer Schweine maßgeblich durch die Futterzusammensetzung und -qualität beeinflusst wird, ist keine Neuigkeit. Trotzdem sind in vielen Betrieben keine routinemäßigen Kontrollen des Futters verankert.

Angesichts dessen, dass die verkauften Schweine die wirtschaftliche Grundlage des Betriebs sind und das Futter wiederum die Grundlage für gute Leistungen und Gesundheit darstellt, lohnt es sich sehr, an dieser Stelle genauer hinzuschauen. Zumal ein effizient verdautes Futter am Ende auch noch Kosten spart.

Futter untersuchen

In der Natur sucht sich ein Schwein immer das Futter, das es gerade braucht, so dass es optimal versorgt ist (sofern alles verfügbar ist). Diese Möglichkeit hat es im Stall nicht – es muss fressen, was im Trog liegt. Deshalb sollten wir unbedingt dafür sorgen, dass das Futter alle nötigen Stoffe in der richtigen Zusammensetzung und Qualität enthält.

In vielen Betrieben werden nach der Ernte die einzelnen Komponenten untersucht und die Rationen nach diesen Ergebnissen berechnet und passend zusammengestellt. Wer diesen Aufwand nicht betreiben möchte, sollte zumindest eine Gesamtration untersuchen lassen, und zwar auf Rohnährstoffe, Mineralstoffe, Aminosäuren, die wichtigsten Mykotoxine und eventuell Selen.

Rohnährstoffe Diese Untersuchung ist am verbreitetsten. Nur wer über Fett- und Proteingehalt etc. Bescheid weiß, kann sein Futter gezielt zusammensetzen. Eine richtige Berechnung und Prüfung durch einen Futtermittelberater sichert Professionalität – denn Fehler passieren bei der Zusammenstellung sehr leicht und haben gravierende Folgen.

Aminosäuren Ein großes Thema in der Bio-Fütterung. Hier sei angemerkt, dass es weniger darum geht, die absoluten empfohlenen Mengen der Aminosäuren zu erreichen. Vielmehr müssen vor allem die Verhältnisse der Aminosäuren sehr gut aufeinander abgestimmt werden. Ein Beispiel für Tragendfutter: Lysin : Methionin + Cystin : Threonin : Tryptophan sollte bei etwa 1 : 0,6 : 0,65 : 0,2 liegen. Da die Eiweißgehalte in den Futtermitteln jährlich gravierend schwanken können, macht eine Aminosäuren-Untersuchung nach der Ernte Sinn.

Mineralstoffe Dieses große Thema wird viel zu wenig beachtet. Die Mineralstoffe beeinflussen sich nicht nur im Futter gegenseitig, sondern auch im Tier. Dass das Calcium/Phosphor-Verhältnis sehr wichtig ist, weiß jeder. Aber dass beispielsweise ein Eisenüberschuss im Futter zu einem Zinkmangel führen kann, ist weniger bekannt. Die Folgen sind nicht nur die sichtbaren Hautveränderungen durch eine Verhornungsstörung der obersten Hautschicht, sondern auch Milchmangel, vermehrte Umrauscher, ein schwaches Immunsystem, Appetitlosigkeit, „Schlappheit“ und in der Folge langsameres Wachstum. Alles sehr unspezifische Symptome, die durch viele Ursachen auftreten können, in Summe aber doch ein deutliches Bild ergeben.

Andere Mängel werden oft anders sichtbar, beispielsweise sollte bei häufigen Lahmheiten ein möglicher Manganmangel abgeklärt werden. Ebenfalls eine mögliche Folge von Problemen mit den Mineralien: „Humpy back“. Das ist eine typische Verkrümmung des Rückens über den Schulterblättern, die bei einzelnen Tieren beobachtet werden kann. Sie steht stark im Verdacht, mit falschen Vitamin- und Mineralstoffverhältnissen während der Trächtigkeit in Zusammenhang zu stehen. Die Krümmung des Rückens wird also im Mutterleib angelegt und manifestiert sich langsam mit 10–20 kg Körpergewicht.

Tipp: Mineralergänzer nur maximal drei Monate lagern, da sich Vitamine kontinuierlich abbauen.

Säurebindungskapazität Insbesondere bei Auftreten von Absetzdurchfall sollte die Säurebindungskapazität mit untersucht werden. Ein niedriger pH-Wert im Magen (um 3) nach dem Fressen ist die Voraussetzung für gute Proteinverdauung und tötet Krankheitserreger ab. Der Ferkelmagen beginnt aber erst mit der Aufnahme festen Futters mit der Produktion von Magensäure. Zum Absetzzeitpunkt wird also relativ wenig Magensäure vom Ferkel gebildet; außerdem fällt die Milchsäure plötzlich weg. Gelangt nun ein Futter mit hoher Säurebindungskapazität in den Magen, so puffert dieses die Magensäure ab und der niedrige pH-Wert wird nicht mehr erreicht. Die Proteinverdauung wird reduziert und Krankheitserreger gelangen in den Darm.

Mykotoxine Standardmäßig werden meist ELISA-Untersuchungen auf DON (Deoxynivalenol) und Zea (Zearalenon) durchgeführt. Man darf sich aber bewusst sein, dass es viel mehr Mykotoxine gibt. Insbesondere die Untersuchung auf Mutterkorn ist eine eigene (teure) Untersuchung, die bei entsprechenden Symptomen wie Klauenblutungen, abgestorbene Schwanz- und Ohrspitzen etc. sehr viel Sinn machen kann. Außerdem erfasst ein einfacher ELISA-Test nicht die gesamte Menge an DON und Zea. Wenn man dann noch bedenkt, dass moderne Ansätze – aufgrund der stark gestiegenen Leistungen unserer Schweine – von einem Viertel (!) der angegebenen maximalen Grenzwerte ausgehen, kann ein sehr großes Problem im Bestand vorliegen, auch wenn der einfache Mykotoxintest erstmal „in Ordnung aussieht“.

Gutes Wasser

Wasser ist das wichtigste Futtermittel. Unbedingt drauf schauen: gutes Wasser einfach und bequem erreichbar – das ist absolut notwendig für gesunde Tiere. Immer wieder beobachten: Trinken meine Schweine so wie in der Natur – schräg von einer Wasseroberfläche oder beißen sie immer wieder in die Schalentränken? „Fummeln“ sie an den Tränkenippeln herum statt in langen Zügen zu trinken? Stehen sie oft bei der Wasserstelle? Wenn ja: Kann ich größere und passendere Tränken einbauen, um die Wasseraufnahme leicht und bequem für meine Schweine zu gestalten? Außerdem unbedingt die Qualität beachten: Durch das Trinken bleiben Futterreste und Speichel an den Tränken kleben und in den Leitungen steigen prächtige Biofilme auf. Durch eine Desinfektion zum Beispiel mit Wasserstoffperoxid kann man dem entgegenwirken und die Qualität des Tränkwassers auf einem hohen Niveau erhalten.

Futterstruktur

Immer und immer wieder wird sie völlig unterschätzt: die Futterstruktur. Zu feines Futter sorgt für Magengeschwüre. Äußerlich sind die Anzeichen für Magengeschwüre kaum sichtbar. Ein aufgezogener Rücken, leicht spießiger Gang und vereinzelt blasse Schweine sollten die landwirteigenen Alarmglocken schellen lassen. Wer schon einmal Zähneknirschen gehört hat, kann es nicht mehr überhören! Zähneknirschen ist bei vielen Tierarten ein generelles Zeichen für Schmerzen. Wenn es bei einem Schwein ohne sichtbare Krankheitsanzeichen zu hören ist, insbesondere zugleich mit Leerkauen (Kauen, ohne dass Futter im Maul ist) und einem sichtbaren Schaumrand vor dem Maul, dann sollte sehr dringend die Futterstruktur geprüft werden.

Andere Ursachen für Magengeschwüre sind Infektionskrankheiten, unpassendes oder qualitativ schlechtes Wasser, verdorbenes Futter, Mykotoxine, Haltungsstress, Hitze und Zugluft. Kurz gesagt: einfach jeder Stress – wie beim Menschen. Mit 90 Euro für einen Siebkasten mit fünf Kammern (zum Beispiel von Pig Austria) ist eine sehr gute Investition in die Schweinegesundheit getätigt. Die monatliche Überprüfung der Futterstruktur dauert damit nur sechs Minuten.

Futterkurve

Vorsicht vor dünnen Sauen! In meinen tierärztlichen Bestandsbesuchen sehe ich selten zu fette Zuchtsauen, aber häufig zu dünne. Ein Mineralstoffmangel kann auch einfach durch eine zu geringe Menge an Futter ausgelöst werden. Im Zweifelsfall empfehle ich eine Beschäftigung mit dem Body Condition Scoring (BSC) – das braucht man als Schweinehalter und Schweinehalterin in ein Leben lang.

Autorin: Charlotte Schlenker ist Tierärztin in Sattledt in Oberösterreich und betreut das BIO AUSTRIA Servicetelefon Tiergesundheit.

Der Artikel erschien in der BIO AUSTRIA Fachzeitung, Ausgabe 2/2026.

https://www.bio-austria.at/BIO AUSTRIA/zeitung/

Wenn ich nach jährlichen Routineblutproben gefragt werde, empfehle ich viel lieber stattdessen eine jährliche Untersuchung des Futters und des Wassers – außer natürlich, es geht um ein Gesundheitsprogramm. Zusätzlich eine monatliche Schüttelprobe jeder Futterart mit einem Futtersieb, zumindest einige Monate lang und danach ca. vierteljährlich. Es schleichen sich so schnell Fehler ein! Bis man diese anhand der Schweinesignale bemerkt, die Ursache findet, abstellt und abwartet, ob die Schweine wieder auf dem Weg der Besserung sind, kann schnell ein halbes Jahr vergehen. Deshalb: Lieber dranbleiben und die Fehler schon entdecken, bevor die Schweine sie zu spüren bekommen! Einige hundert Euro für eine Futteruntersuchung auf Rohnährstoffe, Mineralstoffe, Aminosäuren und DON und Zea sowie bei spezielleren Fragestellungen noch weitere Komponenten sind da vergleichsweise wenig Geld und lohnen sich auch schon in kleinen Beständen.

Tipps:

BIO AUSTRIA Fachbroschüre „Bio-Schweinefütterung“

www.bio-austria.at/d/bauern/bio-schweinefuetterung/

Podcast „Schwein gehabt auf einem BIO AUSTRIA Betrieb“

Die richtige Bio-Ration machts!

www.bio-austria.at/a/bauern/neue-podcast-reihe-schwein-gehabt-auf-einem-BIO AUSTRIAbetrieb/