Gesund auf der Weide und Alm
Es macht Freude, gesunde Tiere in einer schönen Umgebung beim Fressen, Liegen oder Wiederkauen zu beobachten. Die Weide- und Almsaison ist gleichzeitig auch mit besonderen Herausforderungen verbunden. Praktische Gesundheitstipps gibt Tierärztin Elisabeth Stöger.
Sollte gerade in den ersten Wochen Durchfall auftreten, kann dies an der Futterumstellung liegen. Denn Pflanzenfresser mögen keine plötzlichen Futterumstellungen. Zur Vorbereitung auf die Weide müssen die Tiere daher langsam an das frische Gras gewöhnt werden, wobei die Umstellung mindestens eine Woche dauern soll. Eine zu schnelle Umstellung, regennasses oder gefrorenes Weidegras werden oft mit Durchfall quittiert. Solche fütterungsbedingten Durchfälle sind am besten mit der Zufütterung von Heu (oder Stroh) zu regulieren. Schauen Sie aber bei Jungtieren genau hin: Durchfall kann auf Kokzidien oder Würmer hinweisen. Da braucht es dann eine gezielte Behandlung.
Mauke durch Nässe
Längere Regenperioden erhöhen bei Rindern das Risiko für Mauke oder Panaritium (Phlegmone). Einzelne oder mehrere Tiere gehen plötzlich lahm. Bei genauer Untersuchung sieht man eine Schwellung im Zwischenklauenspalt oder oberhalb der Klauen. Es handelt sich um eine schmerzhafte Entzündung unter der Haut, manchmal mit Fieber. Ursache sind kleinste Verletzungen im Zwischenklauenspalt oder am Kronsaum durch spitze Steine, Gräser oder Dornen. Durch Nässe aufgeweichte oder rissige trockene Haut begünstigt das Eindringen und die Vermehrung von Bakterien. Eine heftige Entzündung ist die Folge. Damit sich die Bakterien nicht auf die Sehnen, Sehnenscheiden, Gelenke und Knochen ausbreiten, ist eine rasche Behandlung wichtig (Tierarzt rufen!).
Üblicherweise werden Antibiotika und entzündungshemmende Medikamente verabreicht. Zusätzlich kann mit Zugsalbe die Abheilung oder das Aufbrechen eines Abszesses beschleunigt werden. Wenn möglich, dann soll das lahmende Tier vorübergehend im trockenen Stall bleiben, denn die Bewegung beim Gehen fördert die Ausbreitung der Bakterien noch weiter.
Tipp: In der Homöopathie haben sich zu Beginn Apis (hellrot), Belladonna (dunkelrot), und darauffolgend Hepar sulfuris (eitrig) oder Mercurius (hartnäckig, wiederkehrend) bewährt.
Hilfreich gegen Fliegen
Zur Reduktion von Stechfliegen und Bremsen gibt es für Bio-Betriebe einige zugelassene Repellents (vertreibende Stoffe), die im Betriebsmittelkatalog zu finden sind und sich in der Praxis gut bewährt haben. Wenn die Wirkung nachlässt, werden diese Präparate wieder aufgetragen, die Wirkdauer wird oft mit zwei bis vier Wochen angegeben. Beispiele sind: Reudanon, Insectblocker organic, Alpha B oder Rinderfluid von Tiroler Steinöl.
Wenn die Wirkung gegen Stechfliegen nicht ausreicht oder wenn Behandlungen vorgeschrieben sind, zum Beispiel wegen der Blauzungenkrankheit, dann können Tierärzte auch für Bio-Betriebe Aufgussmittel oder Fliegenohrmarken verschreiben. Die Wartezeit beträgt mindestens 48 Stunden (Milch, Fleisch). Eine vorgeschriebene Wartezeit auf Fleisch ist zu verdoppeln.
Entzündete Augen
Fliegen können verschiedene Bakterien von Tier zu Tier übertragen und so eine Augenentzündung auslösen. Wer frühzeitig die roten, zugekniffenen Augen mit dem wässrigen Ausfluss erkennt, kann mit einem einfachen Hausmittel abwenden, dass es zu einer Hornhauttrübung kommt: einmal möglichst viel Staubzucker ins betroffene Auge blasen oder mehrmals frische Biestmilch ins Auge spritzen (in 2 ml-Spritzen einfrieren).
Wurmbefall beachten
Schafe und Ziegen Schaf- und Ziegenhalter sind gefordert, sich intensiv mit Magen-Darm-Würmern auseinanderzusetzen. Die schnell voranschreitenden Resistenzen gegen unsere Entwurmungsmittel zwingen uns zu vorausschauendem Weidemanagement.
Überlegen Sie schon vor dem Weideaustrieb, wann welche Koppel und abgeerntete Wiese bestoßen werden soll. Mindestens 70 Tage sollen zwischen den Nutzungen liegen, besser wäre eine Fläche nur einmal jährlich zu nutzen. Eine abwechselnde Beweidung mit Rindern oder Pferden kann den Parasitendruck für Schafe und Ziegen senken.
Typische Anzeichen einer Verwurmung sind Durchfall, blasse Schleimhäute, Abmagerung, struppige Wolle oder Haare und Flaschenhals. Spätestens wenn erste Symptome auftreten, müssen die Tiere umgekoppelt werden. Je wärmer und feuchter, umso höher wird das Risiko von Wurmerkrankungen.
Rinder Bei Jungrindern besteht im ersten oder zweiten Weidesommer eine Anfälligkeit gegen Magen-Darm-Würmer. Danach bilden Rinder eine Immunität aus und sind vor Magen-Darm-Würmern recht gut geschützt. Nur Leberegel bleiben ein lebenslanges Thema.
Anzeichen für Verwurmung bei Rindern sind: Durchfall und Verschmutzung rund um den After, struppiges langes Fell, mangelnde Gewichtszunahme oder Gewichtsverlust.
Entwurmungen sollen aufgrund ihrer umweltschädlichen Wirkung möglichst selten auf Weiden durchgeführt werden. Sie schädigen Dungkäfer, Regenwürmer und Bodenleben für einige Wochen. Besser ist mit Umkoppeln und Weidepflegemaßnahmen den Wurmdruck niedrig zu halten.
Klauen im Blick
Das Thema Klauengesundheit kann nicht oft genug erwähnt werden. Denn richtig geschnittene Klauen sind die beste Vorbeugung gegen Klauenerkrankungen. Daher sollte die Klauenpflege spätestens drei Wochen vor dem Weideaustrieb durchgeführt werden, damit die Klauensohle wieder dick genug ist, um ein schmerzfreies Gehen im Gelände zu ermöglichen.
Auch Schafe und Ziegen sollen nur mit geschnittenen Klauen in die Weidesaison starten. Durch die trockene Stallhaltung können bei Schafen und Ziegen die Klauen sehr hart werden: Schicken Sie die Tiere an einem Regentag oder bei Schnee auf eine Wiese, damit sich das Horn aufweicht – dann ist es gut zu schneiden.
Moderhinke ist bei Schafen, vor allem in Gemeinschaftshaltung, ein ewiges Thema. Inzwischen lassen sich mit Tupferproben (spätestens zwei Monate vor dem Austrieb) die infizierten Tiere feststellen. Dann ist noch ausreichend Zeit für eine Moderhinke-Sanierung. Das funktioniert allerdings nur, wenn alle Auftreiber am selben Strang ziehen und die Sanierung gewissenhaft durchführen.
Autorin: Elisabeth Stöger ist Tierärztin in Kärnten und betreut das BIO AUSTRIA Servicetelefon Tiergesundheit.
Der Artikel erschien in der BIO AUSTRIA Fachzeitung, Ausgabe 2/2026: https://www.bio-austria.at/BIO AUSTRIA/zeitung/
Mineralstoffe nicht vergessen!
Alle Weidetiere nutzen die Erde zur Versorgung mit Mengen- und Spurenelementen, das ist normal. Rinder, Schafe und Ziegen legen regelrechte „Erdgruben“ an und schlecken Erde. Im Erdboden ist je nach Region viel Kalzium oder Kieselsäure, aber auch viel Eisen enthalten. In der Erde sind außerdem Huminsäuren, die eine positive Wirkung auf den Darm haben. Dies nutzen wiederum Tiere mit Durchfall oder Problemen im Darm. Während der Weidezeit, wenn die Tiere Zugang zu Erde, Blättern, Rinden und Kräutern haben, ist der Ergänzungsbedarf an Mineralstoffen meist geringer. Jedoch darf nicht übersehen werden, dass Salz und bestimmte Spurenelemente wie Selen, Kupfer oder Jod in unseren Böden nicht ausreichend vorhanden sind. Für gesunde Mütter und Nachkommen ist auch in der Weidezeit auf eine gute Versorgung zu achten: Daher Leckmassen und Salzsteine auf der Weide oder Alm anbieten! Beim Weideaustrieb kann ein Spurenelement-Bolus oder ein Langzeitinjektionspräparat vom Tierarzt verabreicht werden.