Biobäuerinnen: Stark, mutig und offen für Neues
Ohne den unermüdlichen Einsatz und den vielfältigen Kompetenzen von Frauen wäre Landwirtschaft nicht denkbar. Dennoch wird ihre Arbeit nicht immer ausreichend gewürdigt. Wir haben drei Biobäuerinnen gefragt, welche Wünsche und Erwartungen sie mit dem „ Internationalen Jahr der Bäuerin“ verbinden.
Drei Bundesländer, drei Bio-Betriebe, drei Biobäuerinnen. Unterschiedliche Lebensentwürfe und Erfahrungen – was sie eint, ist ihr starkes Engagement für die Landwirtschaft. Nachfolgend ein Blick hinter ihre Hoftüren:
v.l.n.r.: Michaela Renner, Gertraud Hochfilzer, Regina Gapp (Fotos: © Magdalena Hofer, privat, BIO AUSTRIA Tirol)
Drei Biobäuerinnen
Regina Gapp stammt von einem kleinen landwirtschaftlichen Betrieb in Innsbruck. Eigentlich wollte sie den Betrieb nie übernehmen, bis sie ihren jetzigen Ehemann traf, der ebenfalls auf einem Hof aufgewachsen ist. Heute bewirtschaften sie gemeinsam mit großer Leidenschaft beide Betriebe nach BIO AUSTRIA Richtlinien.
Michaela Renner ist auf einem konventionellen Betrieb in der Steiermark groß geworden. Nicht nur die Tiere im Stall, sondern auch die Arbeit am Feld haben der jungen Bäuerin schon als Kind Spaß gemacht: „Mein Mann Josef hat mich auf dem Betrieb seiner Eltern langsam in die Bio-Landwirtschaft eingeführt und mittlerweile bin ich überzeugt, dass Bio die natürlichste Form der Landwirtschaft ist. Mit Bio-Produkten heben wir uns von anderen ab und können durch die strengen Kontrollen auch den Konsumentinnen und Konsumenten Sicherheit geben.“
Gertraud Hochfilzer aus Salzburg ist ausgebildete Sozialarbeiterin und auf einem Bergbauernhof aufgewachsen. Der Wunsch, Bäuerin zu werden, hat sie von klein auf begleitet. Mit ihrem Mann, einem Hofübernehmer, hat sie sich diesen Traum verwirklicht. Am gemeinsamen Betrieb trägt sie heute die Hauptverantwortung für die Landwirtschaft. Darüber hinaus ist sie Reitpädagogin und bietet Aktivitäten im Rahmen von Schule am Bauernhof an.
Weibliche Kompetenzen
Die drei Bäuerinnen sind davon überzeugt, dass Frauen ihre ganz eigenen Kompetenzen auf landwirtschaftlichen Betrieben einbringen. Gertraud Hochfilzer zum Beispiel hat den Hof nach außen hin geöffnet. Ihre besonderen Fähigkeiten bringt sie im Bereich Reitpädagogik und Schule am Bauernhof ein. „Mein Mann hätte den Hof wahrscheinlich nicht in dieser Form geöffnet. Das ist sicher etwas, was Frauen mehr liegt. Für mich macht die Arbeit mit Kindern am Hof einfach Sinn.“
Michaela Renner meint: „Ich bin als Frau sehr feinfühlig, was zum Beispiel den Umgang mit den Tieren betrifft, aber auch mit den Kunden. Außerdem habe ich einen Blick für die Optik unserer Produkte, was in der Direktvermarktung ja ganz entscheidend ist.“
Regina Gapp ortet unterschiedliche Sichtweisen zwischen Männern und Frauen:
„Bäuerinnen sind häufig aufgeschlossener dafür, Neues auszuprobieren und neue Standbeine – insbesondere in der Direktvermarktung – zu schaffen. Sie kommen im Alltag ja auch meisten mehr hinaus, sind sensibler und offener.“
Regina Gapp sieht auch deutliche Unterschiede zwischen jungen und älteren Bäuerinnen. Während junge Frauen flexibler agieren, sich nicht gerne einschränken lassen und neue Wege gehen, seien ältere Bäuerinnen oft dankbar für Stabilität. Häufig würden sie sich selbst in den Schatten stellen und abhängiger von ihren Männern sein.
Michaela Renner sieht unterschiedliche Herangehensweisen an die Digitalisierung: „Das ist für ältere Menschen schon eine Herausforderung, überhaupt auch die gesamte Bürokratie. Ich hingegen nutze gerne gewisse digitale Systeme und Plattformen.“
Chancen erkennen
Eine Chance für die Zukunft der Landwirtschaft ortet Regina Gapp im direkten Kontakt mit den Kunden. Das Bewusstsein in der Bevölkerung für wertvolle Lebensmittel sei insbesondere seit der Corona-Epidemie gewachsen, meint sie. Auch Michaela und Josef Renner setzen auf Direktvermarktung: „Unsere Strategie zur wirtschaftlichen Absicherung des Hofes ist es, mehrere Standbeine zu haben. Das ist mir ganz wichtig.“
Dass man mit mehreren Standbeinen am ehesten zukunftsfähig aufgestellt ist, davon ist auch Gertraud Hochfilzer überzeugt. Mit Bio-Heumilch den höchsten Milch-Qualitätsstandard zu erzeugen, erachtet sie gerade für kleine Betriebe wie ihren als wichtig.

Frauen stärken
Was braucht es, damit die Landwirtschaft für Frauen auch in Zukunft interessant bleibt?
„Haus, Hof und Kinder unter einen Hut zu bringen, gestaltet sich für Bäuerinnen besonders schwierig, solange die Kinder noch klein sind. Ich habe zum Beispiel erst vor kurzem erfahren, dass es rund um die Geburt statt Wochengeld die Möglichkeit gegeben hätte, eine Betriebshilfe zu bekommen. Das wäre eine Erleichterung gewesen. Allerdings sollte die Möglichkeit für eine Betriebshilfe längere Zeit bestehen. Denn als Mutter mit Säugling am Hof zu arbeiten, das ist kaum umsetzbar und auch körperlich nicht gesund. Da heißt es, entweder gewisse Arbeiten in dieser Zeit stillzulegen oder durchzubeißen. Beides ist in Wahrheit sehr schwierig“, schildert Michaela Renner ihre Erfahrungen.
Auch Gertraud Hochfilzer sieht Verbesserungspotenzial im Bereich der Sozialleistungen: „Ich finde es problematisch, dass Bäuerinnen nicht in Krankenstand gehen können. 365 Tage Arbeit im Jahr und für Krankengeld muss man sich noch zusätzlich versichern. Das macht den Beruf der Bäuerin nicht unbedingt attraktiver. Es gibt zwar die Möglichkeit für eine Betriebshilfe – aber bis ich der Betriebshilfe erklärt habe, wie unser Betrieb funktioniert und was zu tun ist, hat es schon der Opa gemacht. Oder ich habe mich doch krank in den Stall geschleppt. Da müsste es bessere Lösungen geben.“
Ihre Erwartungen
Alle drei sind sich einig: Im Jahr der Bäuerin sollte mehr über die Leistungen der Landwirtinnen zu hören und zu lesen sein.
Regina Gapp betont:
„Die Arbeit in der Landwirtschaft ist wunderschön, aber auch ein Knochenjob. Es wäre schön, wenn wahrgenommen wird, welche vielschichtigen Leistungen Frauen erbringen.“
In den Gesprächen wurde deutlich: Ohne Frauenpower wäre die Landwirtschaft sehr eintönig. Die Offenheit, die aktive Zusammenarbeit und die Bereitschaft zur Vernetzung, die gerade junge Frauen oft mitbringen, ist ganz entscheidend für die Weiterentwicklung der Agrarwirtschaft.
Autorin: Elisabeth Pöckl, BIO AUSTRIA Bundesverband
Der Artikel erschien in der BIO AUSTRIA Fachzeitung, Ausgabe 1/2026.
https://www.bio-austria.at/d/bauern/BIO AUSTRIAzeitung-1-26/
Kontakt
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Dr. Elisabeth Pöckl
BIO AUSTRIA, Landwirtschaft
Wiederkäuer, Redaktion BIO AUSTRIA Zeitung


