Die richtige Mähhöhe einstellen

Für eine hohe Grundfutterqualität sind neben Futterbestand und angepasster Düngung die richtige Nutzung und Einstellung der Erntetechnik wesentlich.
Von der Wahl der „richtigen“ Mähhöhe hängt die Arbeitshöheneinstellung der gesamten Folgemechanisierung vom Zetten, Wenden, Schwaden bis zum Ernten ab.

Nicht zu tief mähen

Bei zu niedrig gemähtem Futter wird verstärkt Erde in das Futter mit eingebracht. In einer großangelegten Erhebung zum Konservierungsmanagement von Raufutter auf österreichischen Rinderbetrieben wurde ein klarer Zusammenhang zwischen Rohaschegehalt des Futters und Schnitthöhe festgestellt.
In einem Projekt in der Schweiz wurde auf einer Wechselwiese der Einfluss unterschiedlicher Schnitthöhen (4 cm und 8 cm) auf die Qualität von Grassilagen untersucht. Dabei wurde unmittelbar nach dem Mähen bei der Tiefschnittvariante ein um 9 % höherer Rohaschegehalt im Futter gemessen. Gleichzeitig wurde dadurch der NEL-Wert im Futter um 0,9 MJ/kg Trockenmasse reduziert. Durch den höheren Erdanteil im Futter werden die Siliereigenschaften des Futters stark negativ beeinflusst. Die Milchsäureproduktion ist reduziert und der Buttersäuregehalt erhöht. Beim Scheibenmäher wird die Schnitthöhe über den Oberlenker verändert, beim Trommelmäher über die Tieferstellung der Gleitteller.

Beim Mähaufbereiter aufpassen

Wird beim Mähen ein Mähaufbereiter mit Walzen oder Zinken verwendet, ist der angepassten Mähhöhe ein noch höheres Augenmerk zu schenken. Erdige Futterverschmutzungen werden durch die Aufbereiterwirkung noch stärker mit dem Futter vermengt und wirken sich dadurch extrem negativ auf die Gäreigenschaften des Erntegutes aus. Deshalb empfiehlt sich bei verschmutzungsgefährdeten Futterbeständen, das sind Flächen mit Maulwurf- und Wühlmausaktivität, auf den Einsatz eines Mähaufbereiters vollständig zu verzichten. Mit dem Aufbereiter bearbeitete Futterbestände sollten in jedem Fall um einen Zentimeter höher gemäht werden, um auch bei normalen Erntebedingungen eine stärkere Vermengung zwischen Erde und Futter zu verhindern.

Pflanzenbestand beachten

Die „richtige“ Mähhöhe orientiert sich im Wesentlichen an der Narbendichte und am Pflanzenbestand selbst. Die klassische Mähweide ist im Normalfall gekennzeichnet durch eine dichte Grasnarbe und einen hohen Untergrasanteil mit Wiesenrispe, Deutsches Weidelgras etc. Auf diesen Flächen ist eine Mähhöhe von 5 bis 7 cm durchaus als richtige Mähhöhe zu betrachten. Klassische Dauerwiesen, die einer ausschließlichen Mähnutzung unterliegen, weisen hingegen einen hohen Mittel- und Obergrasanteil mit zum Beispiel Knaulgras, Wiesenschwingel und Wiesenlieschgras auf. Auf diesen Futterflächen empfiehlt sich eine Mähhöhe von 8 cm. Auf Flächen mit einer hohen Maulwurfs- und/oder Wühlmausaktivität liegt die Empfehlung für eine optimale Mähhöhe zwischen 9 und 12 cm, um die Gefahr der Futterverschmutzung zu minimieren. Feldfutterbestände und hier insbesondere Luzerne- und Rotkleebestände weisen in der Regel geringe Narbendichte auf. Dementsprechend empfiehlt sich für derartige Bestände eine Mähhöhe von 10 bis 12 cm.
Die Stoppeln sind während der Hauptwachstumsphase bevorzugter Ort der Reservestoffspeicherung. Diese Reservestoffe haben eine außerordentlich wichtige Funktion hinsichtlich der Kraft für das Nachwachsen des Folgeaufwuchses. Die meisten Futtergräser lagern die lebenswichtigen Energiereserven im Stoppelbereich ein. Bei ständigem Tiefschnitt werden diese Gräser in ihrem Wachstum stark gehemmt und büßen ihre Konkurrenzkraft ein. Stattdessen breiten sich Pflanzen aus, bei denen die Reservestoffe in der Wurzel wie zum Beispiel beim Stumpfblättrigen Ampfer oder Löwenzahn, in den Rhizomen beispielsweise bei der Quecke oder in den Stolonen wie bei der Gemeinen Rispe eingelagert sind. In Untersuchungen zur Schnitthöhe und Nutzungshäufigkeit hat sich gezeigt, dass das Knaulgras, der Wiesenschwingel und das Wiesenlieschgras bei einer Mähhöhe von über 8 cm den höchsten Ertrag bei einer 5-Schnitt-Nutzung erzielen.

Stumpfe Messer wechseln

Mähmesser nutzen sich ab und müssen zur richtigen Zeit getauscht werden. Stumpfe Mähmesser verlangsamen nicht nur den Nachtrieb des Folgeaufwuchses, sondern bedeuten auch einen höheren Treibstoffverbrauch. Bis 10 % mehr Treibstoff wurden in Versuchen der Schweizer Kollegen gemessen. Der Zeitpunkt des Klingenwechsels orientiert sich nicht unbedingt an der Hektargröße der gemähten Flächen, sondern hängt auch von vorhandenen oder eben nicht vorhandenen Maulwurfshügeln ab. Nach dem Abschleppen im Frühjahr sind die Erdbewohner meist wieder bemüht, die Gänge nach oben zu öffnen. Zwischen 30 und 50 ha sollte eine Klingenseite schon halten, bevor sie gewendet werden. Ein Schleifen der Klingen ist in der Regel nicht sinnvoll.

Auflagedruck kontrollieren

Der Auflagedruck des Mähbalkens am Boden hat ebenfalls Einfluss auf die Futterqualität. Zu stark aufgelegte Mähbalken führen leichter zum „Abrasieren“ von kleineren Geländekuppen und damit zu einem zusätzlichen Rohascheeintrag in das Futter. Der Auflagedruck wird mit Zugfedern, hydropneumatisch oder mit einer elektronischer Geräteentlastung geregelt. Alles Systeme haben ihre spezifischen Vor- und Nachteile. Wichtig ist, dass man auf die jeweiligen Geländebedingungen angepasst einstellt. Am einfachsten geht das mit der elektronischen und der hydropneumatischen Geräteentlastung.

Mit der Wahl der Mähhöhe werden längerfristig die Zusammensetzung des Futterbestandes und unmittelbar die Siliereigenschaften beeinflusst. Wertvolle Futtergräser verschwinden bei dauerndem Tiefschnitt und gleichzeitig führt dieser auch zu einem deutlich höheren Rohaschegehalt im Erntefutter. Deshalb ist in Abhängigkeit des Pflanzenbestandes die Mähhöhe von 5 bis 7 cm bei Mähweiden, von 7 bis 8 cm bei der klassischen Dauerwiese und von über 10 cm bei reinen Leguminosenbeständen zu empfehlen.

Autor: DI Alfred Pöllinger, HBLFA Raumberg-Gumpenstein