Pflanzliche Erzeugung

Boden

© BIO AUSTRIA

Die beiden großen Grundprinzipien des biologischen Landbaues sind das Ganzheitsdenken und der lebendige Boden als Lebensträger der Erde. Der lebendige, gesunde Boden als Voraussetzung für gesunde Pflanzen, gesunde Tiere und damit auch für gesunde Lebensmittel, in wahrsten Sinne des Wortes, steht im Mittelpunkt aller Maßnahmen.

Der Boden in seiner Gesamtheit mit den Pflanzen stellt ein hochkomplexes und empfindliches Ökosystem dar, das längst nicht erforscht ist.

Unter Boden verstehen die Lehrbücher ganz allgemein ein Gemisch aus Luft, Wasser, mineralischer und organischer Substanz. Bei ganzheitlicher Betrachtung wird schnell klar, dass es sich hier um ein System handelt, das mehr ist als die Summe seiner Teile.
So kann der Boden an sich nicht isoliert, sondern immer nur in Verbindung mit den darauf wachsenden und darin wurzelnden Pflanzen gesehen werden. Der Boden braucht die Pflanze und die Pflanze braucht den Boden.

Der Boden hat viele Funktionen

Der Boden ist für Mensch und Umwelt von entscheidender Bedeutung. Er erfüllt viele wichtige Funktionen, ohne die ein Leben auf der Erde nicht vorstellbar ist:

  • Fläche für Nahrungs-, und Futtermittel- und Energieproduktion
  • Speicher- und Pufferfunktion: Wasserkreislauf, Grundwasserqualität, Hochwasserschutz, Pflanzennährstoffe, CO2-Speicherung in Form von Humus, Bindung schädlicher Substanzen, wie zB Schwermetalle Gifte
  • Abbau von Krankheitserregern, Giften und schädlichen Substanzen
  • Ab-, Um- und Aufbau organischer Substanzen über das Bodenleben

 „Eine Nation, die ihren Boden zerstört, zerstört sich selbst.“
Frèdèric Albert Fallou, 1862

Bodenfruchtbarkeit

©BIO AUSTRIA/Alexandra Depisch

Die Erde ist ungefähr 12.000 Kilometer dick. Auf dieser gewaltigen Masse ist die fruchtbare Schicht von ca. 30 cm verschwindend dünn und doch wäre ohne sie das Leben auf der Erde undenkbar.

Für die Landwirtschaft ist die natürliche Bodenfruchtbarkeit der zentrale Erfolgsfaktor. Nur durch fruchtbare Böden können nachhaltig gute Erträge und eine hohe Pflanzengesundheit erzielt werden. Sie liefern keine Höchst- sondern Optimalerträge für den jeweiligen Standort.

Ein fruchtbarer Boden ist durch hohe Humusgehalte, einen hohen Besatz an Bodenlebewesen sowie eine gute Krümelstruktur gekennzeichnet, was den Pflanzen optimale Wachstumsbedingungen verschafft. Um die Bodenfruchtbarkeit in der Landwirtschaft zu erhalten bzw. zu fördern, ist eine verantwortungsvolle Bewirtschaftungsweise durch den Menschen erforderlich. Darin liegt die Chance und gleichzeitig die Herausforderung für die Landwirtschaft begründet.

Ein gesunder fruchtbarer Boden ist das zentrale Anliegen im biologischen Landbau und das Kapital jedes Biobauern.

Förderung der Bodenfruchtbarkeit

  • standortgerechte Fruchtfolgen mit möglichst vielen standortangepassten Kulturarten und Sorten
  • möglichst lange Bodenbedeckung durch Anbau von Zwischen- und Nachfrüchten
  • Vermeidung von Schwarzbrache
  • regelmäßige Zufuhr von abgestorbener pflanzlicher Biomasse, insbesondere Erntereste
  • erhöhte organische Düngung, insbesondere mit gut verrottetem Mist oder Kompost
  • Wechsel zwischen Flach- und Tiefwurzlern als Haupt- oder Zwischenfrucht
  • mehrjähriger Feldfutterbau mit Leguminosen-Grasgemenge
  • Anbau von Untersaaten
  • Grünbrache
  • bodenschonendere Bearbeitungssysteme
  • geringe Bearbeitungsintensität
  • leichte Ernte- und Transportfahrzeuge
  • Vermeidung des Befahrens und Bearbeitens bei zu feuchtem Zustand
  • regelmäßige Kalkung, Versorgung mit Schwefel

Umfassende Informationen gibt das Beratungsblatt „Grundlagen der Bodenfruchtbarkeit“

Bodenbeurteilung

© BIO AUSTRIA

Die Frage, ob chemische Bodenuntersuchungen im Bio-Landbau überhaupt sinnvoll sind, welche Parameter untersucht und wie oft Bodenuntersuchungen gemacht werden sollen, beschäftigt viele Biobauern. Das Beratungsblatt Bodenuntersuchung am Bio-Betrieb gibt Antworten auf diese Fragen. Informieren Sie sich darüber hinaus, bei Ihrer Bio-Beratung über aktuelle Entwicklungen zur Bodenuntersuchung für den Bio-Landbau.

Ausbildung zum Bodenpraktiker

Fruchtbare Böden sind das Kapital jedes landwirtschaftlichen Betriebes und jeder Gesellschaft. Mit der rasanten Marktentwicklung, dem steigenden Preisdruck ist auch auf vielen Bio-Betrieben die Sorge um den Erhalt und die Steigerung der Bodenfruchtbarkeit aus dem Blickfeld verdrängt worden. Mit der Ausbildung zum Bodenpraktiker hat BIO AUSTRIA den schonenden Umgang mit dem Boden erneut ins Zentrum der Bio-Landwirtschaft gerückt. Mehr als 1.000 interessierte Bäuerinnen und Bauern haben den Lehrgang bereits absolviert. Nutzen auch Sie diesen Lehrgang und kontaktieren Sie die Ansprechperson in Ihrem Bundesland.

Ackerbau

Traktor auf dem Acker
Foto: © Bio Ernte Steiermark

Die Grundlage des biologischen Ackerbaus ist ein belebter Boden. Der biologische Landbau ist auf ein Ökosystem angewiesen, in dem Milliarden von Lebewesen dafür sorgen, dass die Pflanzen optimal ernährt werden. Ziel ist daher, die natürliche Bodenfruchtbarkeit zu erhalten und zu steigern.

Umstellung

Entscheidend bei der Umstellung auf den biologischen Landbau ist daher Übergang von direkter Ernährung der Pflanzen mit leicht löslichen Nährstoffen auf eine indirekte Ernährung über das Bodenleben. Eine ausgewogene Fruchtfolge und eine angepasste Bodenbewirtschaftung sollen die Bodenfruchtbarkeit steigern und sind so Voraussetzungen für die Erzeugung gesunder Pflanzen. Eine wichtige Funktion im biologischen Landbau haben unter anderen Leguminosen aufgrund ihrer Fähigkeit Luftstickstoff zu binden.

Grundlagen

Servicebereich

Grünland

Bei der Umstellung von Grünlandflächen sind die natürlichen Faktoren wie Klima, Boden, Gelände, Lebewesen und die Bewirtschaftung zu berücksichtigen. Dazu zählen Düngung, Nutzung und Pflege.
Günstig ist es, bei der Umstellung die wichtigsten Merkmale jeder Fläche zu erheben.
Dann können die zukünftigen Futtererträge und die Futterqualität besser abgeschätzt werden.

Umstellung

Der biologische Landbau als ganzheitliche Bewirtschaftungsform setzt eine Vielzahl von Maßnahmen zum Erhalt gesunder Grünlandbestände ein.
Verunkrautete Flächen haben stets eine Vorgeschichte und es gilt, diese zu erkennen und entsprechend zu reagieren. Jeder landwirtschaftliche Betrieb ist einzigartig und individuell, daher ist der erste wichtige Schritt zum Bio-Grünland die Einteilung der Flächen nach ihren Nutzungsmöglichkeiten.

Abgestufter Wiesenbau

Die wenigsten Betriebe haben ausschließlich sehr gute Standorte zur Verfügung, die alle intensiv nutzbar sind. Im Normalfall haben wir neben ebenen, tiefgründigen Schlägen auch seichtgründige, staunasse, steile oder sonst benachteiligte Flächen, die natürlichen Nutzungsgrenzen unterliegen.
Der Schweizer Grünlandforscher Walter Dietl bringt es auf den Punkt: „der Standort entscheidet, die Bewirtschaftung prägt.“ Dabei sollen auf jedem Bauernhof neben sehr intensiven Raygras-Wiesenrispenwiesen und –weiden noch mittelintensive Knaulgras- oder Wiesenfuchsschwanzwiesen, wenig intensive Gold- oder Glatthaferwiesen, sowie nicht gedüngte Magerwiesen und Hutweiden vorkommen. Auf ackerfähigen Standorten liefern Wechselwiesen und Feldfutterflächen zusätzliches Eiweiß- und Energiefutter für unsere Wiederkäuer.

Goldhafer und Glatthaferwiesen

Gute Futtergräser dieser Wiesen sind außerdem Timothe und Wiesen-Schwingel. Dieser Wiesentyp ist typisch im Berggebiet und auf steilen Flächen anzutreffen. Hier wird zwei bis drei Mal gemäht, häufig wird der Herbstaufwuchs beweidet. In einem Praxisversuch konnte eine eindeutige Verschlechterung im Pflanzenbestand bei Vorverlegung des ersten Schnittes von Anfang Juni auf Mitte Mai festgestellt werden.
Das Problem sind dabei die fehlenden intensivierbaren Arten. Diese müssen bei Vorverlegung des ersten Schnittes, häufig durch Umstellung von Mist- auf Güllesystem bedingt, begleitend übergesät werden: Englisches Raygras, Wiesenrispe, Knaulgras. Fallen die Horstgräser dieser Wiesen aus, kann sich die Gemeine Rispe stark ausbreiten. Versucht man dieser Entwicklung mit hohen Einzel-Güllegaben gegen zusteuern, kann auch der Stumpfblättrige Ampfer zum Problem werden. Eine Übersaat alle drei Jahre reicht bei diesem Wiesentyp ansonsten aus.

Knaulgras und Wiesenfuchsschwanzwiesen

Dauerwiesen in Österreich halten, mit Ausnahme des begünstigten Rheintales in Vorarlberg, in Gunstlagen maximal vier Schnitte aus, ohne an Ertragsfähigkeit zu verlieren. Eine weitere Intensivierung führt zwar kurzfristig zu höheren Eiweiß- und Energieerträgen, der Pflanzenbestand gerät jedoch aus dem Gleichgewicht. Der Stumpfblatt-Ampfer zeigt Nährstoffreichtum oder Verdichtungen an, während die Gemeine Rispe auf ein Zusammenbrechen des Bestandes hinweist. Ab vier Nutzungen sollte deshalb jedes Jahr mit geringer Saatgutmenge nachgesät werden.

Raygras-Wiesenrispenwiesen und -weiden

Ab fünf Nutzungen und bei Dauerweiden kommen nur mehr 2 Grasarten für hohe Qualitätserträge in Frage: Die Wiesenrispe und das Englische Raygras. Der Weißklee liefert als Leguminose zusätzliches Eiweiß. Es sind niedrigwüchsige Arten, wobei die Wiesenrispe mittels unterirdischer Ausläufer die berühmte dichte Grasnarbe bildet. Diese Bestände benötigen entsprechende Düngegaben, da die wertvollen Arten sonst hungern und Unkräuter vermehrt auftreten.

Beikrautregulierung

Grünlandbeikräuter

©BIO AUSTRIA Kärnten

Ähnlich wie auf dem Acker sind auch auf dem Grünland bestimmte Kräuter, die zur natürlichen Artenausstattung unseres Grünlandes zählen, durch bestimmte Bewirtschaftungsmaßnahmen zu Unkräutern „herangezüchtet“ worden.
Um die Beikräuter regulieren zu können, ist es wichtig ihre Ansprüche, Biologie und Vermehrung zu kennen.
Ein Beikraut mit wesentlicher Bedeutzung ist der Stumpflättrige Ampfer!

zum Beitrag Ampferregulierung

Nährstoffmanagement

© Einböck

Düngeplanung

Ein Schlüssel des Erfolges ist eine sorgfältige Düngeplanung, diese macht über 50 % des Grünlandbestandes aus, insbesondere hinsichtlich Nährstoffzeigern wie Stumpfblatt-Ampfer. Am Wichtigsten ist dabei die Dokumentation: Die anfallende Menge an Wirtschaftsdünger wird den Flächen bedarfsgerecht zugeteilt.

Tabelle: Beispiel einer Düngeaufteilung nach Nutzung.
Annahmen: Gülle 12 m³ /ha FM Gülle; (2,5gN/kg FM Gülle; Rottemist: 6gN/kg FM, Mittelwert Frühjahr-Herbst, Anmerkung: N-Werte sind in der Praxis starken Schwankungen unterworfen!).

NutzungFrühjahr
Gülle
2. Aufwuchs GülleFolgeaufwüchse
Gülle
Herbst
Rottemist
Dauerweide30 kg N/12 m3 pro ha60 kg N (2×12 m3 in Weideperiode)40 kg N/10 m3
drei und vier Schnitte30 kg N/m3 pro ha30 kg N/
12 m3 pro ha
30 kg N/12 m3 pro ha zu jedem SchnittHerbstaufwuchs mulchen bzw. mähen
zwei Schnitte30 kg N/12 m3 pro ha40 kg N/10 m3 pro ha
Kleegras, Luzernegras40 kg N/10 m3 pro ha

Pflanzen als Spiegelbild

Die Pflanzen sind der Spiegel des Bodens, deshalb muss der Bio-Betrieb der Bodenfruchtbarkeit viel Aufmerksamkeit schenken. Der wichtigste Nährstofflieferant am Bio-Betrieb ist der hofeigene Wirtschaftsdünger, wobei auf eine sachgerechte Lagerung und Ausbringung das ganze Jahr über zu achten ist. Um das Bodenleben, und hier vor allem den Regenwurm zu schützen, sollen maximal 12 – 15m³/ha Gülle oder Jauche je Gabe ausgebracht werden. Keinesfalls dürfen sich Krusten bilden, sodass Gräser darunter absticken und den Ampfer fördern.

Stallmist kann mit silikatischem Steinmehl gemischt werden, um Stickstoff zu binden. Auch hier gilt der Grundsatz: „komm oft, bring wenig“. Das Steinmehl kann entweder im Stall zu 0,5 kg je GVE/Tag gestreut werden, oder wird beim Aufsetzen der Feldmiete dazugegeben. Ist genügend Strohanteil in der Gülle, kann Steinmehl auch direkt in die Grube eingeblasen werden, ohne dass es sich am Boden absetzt. Mieten sind unbedingt mit Kompostvlies gegen Austrocknung oder Nässe, sowie Bewuchs mit Unkräutern zu schützen.

Weide

Eine sorgfältige Weideplanung ist für den biologisch wirtschaftenden Grünlandbetrieb unerlässlich. Weidesysteme wie Kurzrasen- Koppel- und Portionsweide können je nach Flächenaussattung umgesetzt werden, die Bio-Berater helfen gerne bei der Weidekonzepterstellung.
Der Ampfer kann mittels Weide am einfachsten reguliert werden, wie ein Praxisversuch zeigte. Wichtig ist dabei ein vorzeitiger Austrieb, wenn die Flächen ergrünen, und ein konstant hoher Viehbesatz das ganze Jahr über, damit die Aufwuchshöhe 5-7cm nie überschreitet. Eine Übersaat oder Neuanlage mit Wiesenrispe und Englisch-Raygras hilft beim Aufbau der Grasnarbe, diese sind in der Weidemischung KWEI vorhanden.

Mit der Ausbildung zum Weidepraktiker hat BIO AUSTRIA einen praxisnahen Lehrgang rund um alle Themen der Weide entwickelt.

Ausführliche Informationen zum Thema Weide bietet das Bio-Institut Raumberg Gumpenstein. Diese können unter www.raumberg-gumpenstein.at nachgelesen werden.

Servicebereich

Gemüsebau

© BA/Christoph Liebentritt

Die Bio-Gemüsebetriebe in Österreich sind sehr vielfältig. Kleine direktvermarktende Betriebe mit einer Vielzahl von Kulturen, Sorten und Raritäten finden sich ebenso wie flächenstarke Feldgemüsebaubetriebe, die vor allem an die Handelsketten liefern.

In Österreich steigt, dank dem wachsenden Bewusstsein für gesunde und nachhaltige Ernährung, die Nachfrage nach regionalem Bio-Gemüse. Momentan ist der Selbstversorgungsgrad mit 54 % niedrig, die Nachfrage ist höher als das Angebot. Für eine Umstellung und auch ein Neueinstieg in den biologischen Gemüseanbau ist es ein guter Zeitpunkt.

Der biologische Gemüsebau stellt die Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter vor viele Herausforderungen. Das Auseinandersetzen mit der Umwelt und den natürlichen Kreisläufen, sowie das Beobachten der Natur und den angebauten Kulturen ist ein Mehraufwand, der einem bewusst sein sollte. Dieser Mehraufwand wird aber auch in vielerlei Hinsicht belohnt. Die Produktionsrichtlinien von BIO AUSTRIA gehen über die für die EU-Bio-Verordnung gesetzlich vorgeschriebenen hinaus. Im biologischen Gemüsebau betrifft dies im Wesentlichen.

  • keine Düngung mit Schlachtabfällen (Hornspäne, Knochenmehl etc.)
  • Einsatz von Pflanzenstärkungsmitteln
  • Förderung von Nützlingen durch Nützlingsstreifen, Hecken, Nistplätzen und Mischkultur
  • Bodenfruchtbarkeit fördern: schonende Bodenbearbeitung, Humusaufbau, Fruchtfolge, Mulch
  • Erhaltung der Sortenvielfalt
  • alte, samenfeste Sorten bevorzugen
  • Einsatz von biologischen Saatgut
  • Torfreduktion
  • keine Sorten mit Zellfusion

Umstellung

Eine  Umstellung beginnt mit dem Abschlussdatum des Kontrollvertrages. Ab diesem Zeitpunkt sind die Bio-Richtlinien einzuhalten.

  • Erstes Umstellungsjahr:
    Die ersten zwölf Monate gilt die Ware als konventionelle Ware.
  • Zweites Umstellungsjahr:
    Die zweiten zwölf Monate gilt die Ware als Umstellungsware.
  • Gemüse, das 24 Monate nach Umstellungsbeginn gesät oder gepflanzt wurde kann als Bio-Ware vermarktet werden.

Vermarktung

Neben der Vermarktung über den Großhandel oder LEH bietet sich bei Gemüse eine Vermarktung an, bei der ein direkter Kontakt zwischen KonsumentInnen und ProduzentInnen besteht. Hier gibt es zahlreiche Vermarktungsformen:

  • den klassischen Hofladen,
  • die solidarische Landwirtschaft,
  • Abokisten,
  • einen Selbstbedienungsladen oder
  • eine Food Coop.

Bio Austria hat für diese Vermarktungsformen Beratungsblätter zusammengestellt.

Servicebereich

Kartoffelbau

© BIO AUSTRIA / Christoph Liebentritt

Kartoffeln sind in vielen Bio-Betrieben ein wichtiger Bestandteil der Fruchtfolge. Kartoffeln werden sowohl für die Direkvermarktung als auch für den Handel produziert. Die Produktionsbedingungen beeinflussen wesentlich die Erntemengen und Qualitäten. Die klimatischen Veränderungen stellen den Bio-Kartoffelbau immer wieder vor neue Herausforderungen. Ein reger Informations- und Erfahrungsaustausch ist daher für die Weiterentwicklung des Bio-Kartoffelbaus von großer Wichtigkeit.

Servicebereich

Obstbau

© Fotolia

Obstanlagen sind Dauerkulturen. Im Bio-Landbau ist es wichtig, auf ein möglichst vielfältiges ökologisches Gleichgewicht der Anlagen zu achten.
Für BIO AUSTRIA Betriebe ist daher eine ganzjährige Begrünung der Anlage vorgeschrieben.
Die Wahl der Obstarten und Sorten erfolgt entsprechend der Eignung für den jeweiligen Standort. Dem Umfeld von Obstanlagen sowie den Unterkulturen ist besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Eine Vielfalt aus Blütenpflanzen, Sträuchern und Hecken soll die Nützlinge fördern.

Umstellung

Das Interesse für den Bio-Obstbau ist seit 2007 stetig gestiegen und die Bio-Obstflächen haben sich in Österreich bis 2020 mehr als verdreifacht. Die steigenden Zahlen sind besonders zu Beginn von neuen Öpul-Programmen verstärkt zu beobachten bzw. spielt auch der Preisdruck im konventionellen Bereich eine Rolle. Der wirtschaftliche Aspekt ist zwar wichtig, sollte aber bei einer Umstellung nicht an erster Stelle stehen.
Die wichtigste Voraussetzung ist die richtige Einstellung und Überzeugung für die biologische Wirtschaftsweise. Gerade beim Obstbau, wo es sich um Dauerkulturen handelt und die Umstellungszeit 36 Monate beträgt, sollte die Entscheidung gut überlegt und vorbereitet sein.
Ist eine Entscheidung Richtung Bio getroffen, ist der nächste Schritt der Kontrollvertrag bei einer akkreditierten Bio-Kontrollstelle. Ein optimaler Zeitpunkt dafür wäre kurz vor der Ernte der frühesten Obstkultur.
Als BIO AUSTRIA Betrieb muss immer der gesamte Betrieb umgestellt werden und es ist eine Weiterbildung im Ausmaß von 15 Stunden notwendig. Außerdem gibt es zum Teil höherwertige Vorgaben im Bereich Pflanzenschutz und Düngung.

Grundlegende Unterschiede zum IP-Obstbau

  • Kein Einsatz chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel. Der biologische Pflanzenschutz bedient sich natürlich vorkommender Substanzen für die Regulierung von Krankheiten und Schädlingen. Dafür sind eine Beobachtungsgabe und das richtige Bauchgefühl von Vorteil. Maßgeblich entscheidend für die Intensität des Pflanzenschutzes sind in erster Linie die Standort- und Sortenwahl. Die Pflanzenschutz-Themen in der Bio-Apfelproduktion sind weitgehend abgeklärt. Beim Steinobst sind die Bekämpfung von Monilia und speziell bei der Kirsche die Kirschfruchtfliege die größten Herausforderungen. Da es bei Steinobst und zum Teil auch bei Beerenobst aktuell nur geringe Flächen gibt, ist auch die Auswahl an Pflanzenschutzmitteln begrenzt und eine wirtschaftliche Bio-Produktion eine große Herausforderung.
  • Kein Einsatz von Herbiziden; Bodenbearbeitung und Freihalten des Baumstreifens nur mechanisch.
    Als Alternative zu Herbiziden kommen im Bio-Bereich mechanische und thermische Bodenbearbeitungsgeräte zum Einsatz, wobei grundsätzlich zwischen Hack- und Mähgeräten unterschieden wird. Grundsätzlich unterscheidet man bei den Hackgeräten zwischen Kreiselsystemen (z.B. Ladurner Krümler®) für eher schwere, Unterschneidegeräten mit Flachscharen bzw. Scheibeneggen (z.B. Spedo Scheibenegge®) für leichte Böden und die aktuell sehr flexibel einsetzbaren Roll- und Fingerhackensysteme. Zum Mähen der Baumstreifen im Sommer wurden die Bürsten mit den kurzen Fäden großteils von den heute gängigen Unterstockmähgeräten mit langen Nylonfäden abgelöst. Als Vorreiter dieser Geräte gilt der Greenmaster®, wobei es aktuell beinahe von allen gängigen Firmen mehr oder weniger vergleichbare Aufsätze gibt.
  • Kein Einsatz von N-Mineraldünger
    Hauptsächlich werden pelletierte organische Dünger eingesetzt, die eher langsam wirken und eine gute Nahrungsgrundlage für die Mikroorganismen im Boden bieten. Für eine stabile Bodenstruktur wird zusätzlich die Ausbringung von Kompost empfohlen.
  • Höherer Aufwand
    Die aufwändigere Bodenbearbeitung, eine intensivere händische Ausdünnung und die Regulierung von Krankheiten und Schädlingen führen zu mehr Arbeitsstunden.
  • Geringfügige Qualitätsverluste werden in Jahren mit geringen Erntemengen bei Apfel toleriert beispielsweise Fruchtberostung und kleine Schalenfehler. Da jedoch in einem Jahr mit Vollerträgen bereits eine sehr hohe Menge (30-35 Tonnen) in Österreich zur Verfügung steht, so dass auch ein beträchtlicher Anteil exportiert werden muss, werden auch die Qualitätsansprüche aufgrund zunehmender Konkurrenz aus den benachbarten Obstanbaugebieten, steigen.
  • Höhere Auszahlungspreise, aber niedrigere Erträge

Kernobst

© Bio Ernte Steiermark / Königshofer

Bei Kernobst hat der Apfel mit knapp 1.600 ha die Vorreiterrolle, wobei der Großteil der Flächen in der Steiermark zu finden ist. Aufgrund des bereits hohen Exportanteils und den starken Flächenausweitungen in anderen Ländern, ist aktuell keine Ausweitung der Flächen zu beobachten. Nach den zahlreichen Frostjahren werden eher gefährdete bzw. veraltete Flächen gerodet bzw. wurde in den letzten zwei Jahren sehr viel umveredelt. Klassische konventionelle Sorten, wie z.B. Golden Delicious oder Idared, die entweder schwer biologisch zu produzieren bzw. am Markt nicht erwünscht sind, wurden durch diverse Gala-Klone, bzw. neuere schorfresistente Sorten ersetzt.

Anders ist die Situation bei Birnen und Quitten, wo wieder eine leichte Ausweitung der Flächen zu verzeichnen ist. Im Bio-Birnenanbau, der bislang fast ausschließlich aus der Sorte Uta und Conference bestand und großteils sehr extensiv geführt wurde, werden jetzt bei neuen Anlagen andere Sorten wie z.B. Novembra® verwendet und ein intensiveres System bevorzugt.

Steinobst

© BIO AUSTRIA / Michaela Theurl

Aufgrund der geringen Bio-Steinobst-Flächen sind auch die Erfahrungen im Bereich der Produktion sehr gering und schwer vergleichbar. Als alternative Kulturen sind am ehesten Zwetschke und Pfirsich zu nennen.
Speziell bei Zwetschke hat es in den vergangenen Jahren eine leichte Ausweitung gegeben, die vor allem in Niederösterreich und Oberösterreich zu finden ist.

Bei Pfirsich ist der starke Preisdruck aus dem Ausland für die geringe Flächenvergrößerung ausschlaggebend.

Bei den Marillenflächen hat es bisher den stärksten Zuwachs gegeben. Jedoch sind diese am ehesten in den trockeneren Zonen Österreichs also in Niederösterreich und Burgenland biologisch und wirtschaftlich zu produzieren. Gerade das Jahr 2020 hat aber gezeigt, dass mit zunehmenden Frostereignissen auch in diesen Regionen ohne Frostschutzmaßnahmen kaum Erträge übrigbleiben.
In den feuchteren Regionen sind vor allem Monilia und das zum Teil damit verbundene Baumsterben die größten Herausforderungen.

Bio-Kirschen sind kaum zu finden, da hier im Bereich der Krankheiten und Schädlinge kaum geeignete bzw. leistbare Möglichkeiten für eine sinnvolle Produktion zur Verfügung stehen. Außerdem ist aktuell noch ein sehr hohes Preisniveau im konventionellen Bereich, so dass ein erhöhter Preis für Bio-Kirschen kaum umsetzbar ist.

© LK Steiermark

Beerenobst

Obwohl die Strauchbeerenfläche mit ca. 800 ha in Österreich an dritter Stelle steht, gehört der Anbau von Bio-Himbeeren, Bio-Brombeeren, Bio-Johannisbeeren, Bio-Heidelbeeren, etc. für die Tafelobstproduktion zur Königsdisziplin im Bio-Obstbau.
Den Hauptanteil dieser Fläche machen Schwarzen Johannisbeeren und die in den letzten Jahren zahlreich gepflanzten Aroniaflächen für den Verarbeitungsbereich aus. Gerade in Zeiten von Corona haben besonders die Aroniabeeren wieder einen großen Beliebtheitsgrad aufgrund des hohen Vitamin C-Gehaltes bzw. weiterer gesundheitsfördernder Pflanzenstoffe verzeichnet.
Der Hauptanteil der Holunderflächen befindet sich in den Trockenzonen von Niederösterreich und dem Burgenland. In feuchten Gebieten sind gewisse Pilzkrankheiten nicht ausreichend regulierbar und daher eine stabile Produktion derzeit nicht möglich.

Schalenobst

LK Steiermark

Bei den Schalenobstflächen werden Walnuss-, Kastanien-, Mandel- und Haselnussflächen zusammengefasst. In der aktuellen Öpul-Periode haben insbesondere die Walnussflächen extrem zugenommen und sogar den Bio-Apfel von der ersten Stelle verdrängt. Das Interesse einer ernstzunehmenden Produktion hat stark zugenommen und es haben sich auch schon mehrere Gruppen zusammengeschlossen, die künftig eine gemeinsame Vermarktung bzw. Verarbeitung umsetzen werden. Es ist anzunehmen, dass in Zukunft auch der heimische Markt immer mehr mit regionalen Köstlichkeiten aus dem Nussbereich versorgt werden kann.

Obstbau-Vermarktung

Der Großteil von ca. 70 % der heimischen Bio-Äpfel und ca. die Hälfte der Bio-Birnen wird über die „Von Herzen Biobauern GmbH“ – eine Tochtergesellschaft der Obst Partner Steiermark – vermarktet. Ca. 20 % und die andere Hälfte der Birnen werden über die Fa. Meleco mit Sitz in Oberösterreich bzw. 5-6 % über die Fa. Frutura mit Sitz in der Steiermark verkauft. Die zweite Erzeugerorganisation neben der OPST, die OGS (Obst Gemeinschaft Steiermark) bzw. die EOS (Erzeugergemeinschaft Obst Steiermark GmbH) und auch andere Handelsstrukturen vermarkten aktuell nur kleinere Mengen an Bio-Äpfeln.
Bei der Obst-Vermarktung steht die Apfelproduktion an erster Stelle. In einem Vollertragsjahr könnten unter optimalen Bedingungen ca. 30-35 Tonnen Bio-Äpfel produziert werden.
Die Hauptmenge der Bio-Äpfel wird über den Lebensmitteleinzelhandel verkauft, wobei der Trend Richtung Direktvermarktung und Vielfalt wieder etwas zunimmt.
Im Gegensatz zum Bio-Apfel, gibt es speziell auf dem Bio-Steinobst- und Bio-Beerenobstsektor, aber auch bei Bio-Birne noch Bedarf an regionaler Bio-Ware.

Servicebereich

Weinbau

Umstellung

© Foto: BIO AUSTRIA/Golser
© Foto: BIO AUSTRIA/Golser

Eine wichtige Voraussetzung für die erfolgreiche Umstellung auf biologischen Weinbau ist das Interesse an den natürlichen Lebensprozessen und Wechselwirkungen in der Natur und der Wille, in der täglichen Arbeit gestaltend und respektvoll damit umzugehen. Gleichzeitig sind Mut und Entschlossenheit gefordert, denn gerade in der Zeit der Umstellung treten große Herausforderungen auf. Für den Erfolg einer Umstellung sind weiters folgende Faktoren ausschlaggebend.

  • Umfassende Umstellungsplanung
  • Umfassende Umstellungsberatung
  • Bereitschaft zur Weiterbildung
  • Austausch mit anderen Bio-Winzern und „Umstellern“
  • Mut zum Experiment
  • Bereitschaft zur intensiven Beobachtung des Ökosystems Weingarten
    Der Umstellungsprozess dauert je nach Ausgangssituation meist mehrere Jahre. Für die Anerkennung als BIO AUSTRIA Betrieb ist es notwendig, den gesamten Betrieb auf die biologische Wirtschaftsweise umzustelllen („Gesamtbetriebsumstellung“).

Eckpfeiler des biologischen Weinbaus

  • Verwendung von standortangepassten und widerstandsfähigen Pflanzen
  • Hohe Bodenfruchtbarkeit durch Förderung der Bodenlebewesen und gezielter Humusaufbau
  • Schaffung eines stabilen Ökosystems durch eine große Vielfalt an Pflanzen und Tieren
  • Möglichst geschlossener Betriebskreislauf

Servicebereich