Gemüsebau: Bei der Arbeit genau hinschauen!
Fachkräftemangel, steigende Kosten für Arbeit, Material, Rohstoffe und Energie sowie die Schwierigkeit, Preiserhöhungen am Markt durchzusetzen, belasten Gemüsebaubetriebe. Umso wichtiger ist es, gezielt Potenziale zur Kostensenkung zu nutzen.
Im Arbeitsalltag entsteht leicht ein Teufelskreis: Fehlende Fachkräfte führen zu hoher Arbeitsbelastung, wodurch Zeit für Planung und Struktur fehlt. Die Folge sind ineffiziente Abläufe und unnötiger Mehraufwand.
Zeitfresser finden
Überall wirken „Zeitdiebe“, die effizientes Arbeiten erschweren. Ihre Ursachen sind vielfältig:
- Unklare Aufgaben- und Ablaufstrukturen verunsichern Mitarbeitende, mindern Leistung und Motivation.
- Fehlende Kommunikation führt zu Missverständnissen und Konflikten, wenn Erwartungen unausgesprochen bleiben.
- Unzureichende Einarbeitung überfordert Mitarbeitende und kann langfristig krank machen.
- Mangelnde Planung und Organisation begünstigt unüberlegtes, kräftezehrendes Arbeiten.
Optimierte Arbeitsbedingungen und -abläufe fördern Motivation, Produktivität und Zufriedenheit. Oft reichen kleine Anpassungen, um Arbeitsprozesse effizienter und angenehmer zu gestalten. Entscheidend ist, Arbeitsgestaltung als kontinuierlichen Verbesserungsprozess zu verstehen.
Genau beobachten
Effizienz bedeutet, ein Ziel mit möglichst geringem Zeit- und Arbeitsaufwand zu erreichen – ohne Qualitätsverlust. Entscheidend ist daher die Analyse der tatsächlichen Arbeitsausführung. Mitarbeitende konzentrieren sich meist auf das Erledigen ihrer Aufgaben, nicht auf die Optimierung der Abläufe. Oft wissen sie auch nicht, wie sich Abläufe vereinfachen lassen oder welchen Vorteil Verbesserungsmaßnahmen bringen. Dabei zeigen genaue Beobachtungen häufig überflüssige Bewegungen oder Wege.
Wiederholte Arbeitsschritte profitieren von kurzen, konstanten Greifwegen und standardisierten Bewegungen. Lange Greifwege, Umgreifen oder Körperdrehungen erhöhen den Zeitaufwand und die körperliche Belastung. Besonders bei Tätigkeiten, die häufig hintereinander ausgeführt werden, etwa das Ernten einzelner Gemüse, summieren sich kleine Unterschiede erheblich.
Ein Beispiel: Wird Salat mit dem Messer in der rechten Hand geschnitten, befindet sich der Salatkopf in der linken Hand. Steht die Ablagekiste rechts neben der Person, muss der Salat mit einer Körperdrehung von links nach rechts abgelegt werden. Pro Vorgang entsteht so ein Greifweg von rund 80 cm. Steht die Kiste links, halbiert sich der Weg auf etwa 40 cm, der Zeitaufwand sinkt deutlich.
Folgender Grundsatz ist zu beachten:
- Bei Rechtshändern (Messer in rechter Hand), steht die Kiste links.
- Bei Linkshändern (Messer in linker Hand), steht die Kiste rechts.
Greifwege treten in nahezu allen Arbeitsprozessen auf und lassen sich meist mit geringem Aufwand reduzieren.
Arbeitsplatz in der Halle
Ein zentrales Prinzip lautet: Die Arbeit sollte vorzugsweise dem Menschen angepasst werden – nicht umgekehrt.
Ein ergonomisch gestalteter Arbeitsplatz erhält Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Wer unter guten Bedingungen arbeitet, bleibt länger konzentriert und beschwerdefrei. Wichtige Aspekte in der Halle sind:
- ausreichende Beleuchtung
- Lärmminderung
- Arbeitsplatzmatten
- passende Arbeitshöhen
- Vermeidung ungünstiger Körperhaltungen
- kurze Greif- und Laufwege
- klar definierte und markierte Standorte
- geeignete Hilfsmittel in ausreichender Anzahl
- zweckmäßige Schutzkleidung
Nachfolgend ein paar Beispiele zu einigen der oben genannten Aspekte.
Beleuchtung Licht beeinflusst Wohlbefinden und Konzentration unmittelbar. Das ist sowohl wissenschaftlich belegt als auch im Alltag spürbar: Bei Sonnenschein fallen viele Tätigkeiten leichter. Gute Beleuchtung steigert Produktivität und senkt die Fehlerquote. Je nach Sehaufgabe sollte die Beleuchtungsstärke zwischen 500 und 1500 lx liegen, blendfrei sein und bevorzugt in neutral- oder tageslichtweißer Lichtfarbe, um eine natürliche und angenehme Arbeitsumgebung zu schaffen.
Lärm Auch Lärm ist zu beachten. Maßgeblich sind Lautstärke und Dauer über einen Achtstundentag. Ab 80 dB muss Gehörschutz bereitgestellt und über die Gefahren unterwiesen werden.
Ab 85 dB sind Lärmminderungsmaßnahmen zu treffen; Gehörschutz ist zu tragen, Bereiche zu kennzeichnen und arbeitsmedizinische Untersuchungen durchzuführen.
Arbeitsplatzmatten Oft unterschätzt wird der Untergrund, auf dem Mitarbeitende stehen. Arbeitsplatzmatten verbessern Stand- und Trittsicherheit, entlasten Muskulatur und Gelenke, beugen Ermüdung vor und schützen vor Bodenkälte. Sie sind eine sinnvolle Investition in Gesundheit und Leistungsfähigkeit.
Passende Arbeitshöhe In den Hallen wird überwiegend im Stehen gearbeitet. Tische und Förderbänder sind jedoch oft standardmäßig aufgebaut und nicht auf die Körpergröße der jeweiligen Mitarbeitenden abgestimmt. Ist die Arbeitsfläche zu hoch, werden die Schultern dauerhaft angehoben. Ist sie zu niedrig, entsteht eine belastende Vorbeugehaltung. Beides führt über längere Zeit zu Rücken-, Nacken- oder Schulterbeschwerden. Schon einfache Anpassungen, wie Podeste, können hier eine deutliche Verbesserung bewirken.
Gerade in den Hallen fallen viele Laufwege an. Sie entstehen durch die Anordnung der Arbeitsplätze, Materialien, Kühlläger und Transportwege, also daraus, wo sich was befindet und wie Güter von A nach B bewegt werden. Kurze Wege im unmittelbaren Umfeld werden häufig unterschätzt, weil sie schnell zurückgelegt sind, summieren sich jedoch erheblich. Wird etwa beim Verpacken die Palettenposition so verändert, dass sich die Strecke pro Vorgang von fünf auf zwei Meter reduziert, sinkt der Aufwand deutlich. Eine sichtbare Markierung hilft, optimale Standorte dauerhaft einzuhalten.
Oft reichen kleine Anpassungen, um Arbeitsprozesse effizienter und angenehmer zu gestalten. Entscheidend ist, Arbeitsgestaltung als kontinuierlichen Verbesserungsprozess zu verstehen.
Pausen als Leistungsfaktor
Mit den eigenen Kräften sowie mit den Ressourcen der Mitarbeitenden sollte verantwortungsvoll umgegangen werden. Pausen sind keine verlorene Arbeitszeit, sondern ein wichtiger Beitrag zur Gesundheit. Wer rechtzeitig Pausen einlegt, beugt Erschöpfung vor – es ist daher nicht sinnvoll zu warten, bis die Belastungsgrenze bereits erreicht ist. Ist dieser Punkt überschritten, können Pausen ihre erholsame Wirkung nicht mehr vollständig entfalten.
Empfohlen werden mehrere kurze Erholungsphasen über den Tag verteilt statt einer einzelnen langen Pause. Studien zeigen, dass dies die Gesamtleistungsfähigkeit steigert – selbst wenn sich die tägliche Arbeitszeit geringfügig verkürzt.
Auch wenn das Thema Effizienzsteigerung hier nur exemplarisch angerissen werden kann, lohnt es sich, die genannten Punkte im eigenen Betrieb kritisch unter die Lupe zu nehmen. Ganz nach dem Zitat von Albert Einstein: „Erwarten wir nicht, dass sich die Dinge ändern, wenn wir weiterhin dasselbe tun.“
Autorin: Monika Schulz, Beraterin und Trainerin für Arbeitsabläufe, Alsheim (D)
www.ratiochron.de
Der Artikel erschien in der BIO AUSTRIA Fachzeitung, Ausgabe 2/2026 zum Schwerpunktthema „Arbeitswirtschaft“.