Wir setzen uns für echte Partnerschaften ein

Seit Jahrzehnten setzen Ilse und Günther Achleitner auf regionale und überregionale Partnerschaften. Für Günther Achleitner sind langjährige Kooperationen keine Einbahnstraße, sondern erfordern einen intensiven Austausch und die Bereitschaft voneinander zu lernen.

Regionalität ist zu einem starken Verkaufsargument geworden. Wie stehen Sie dazu?
Was hierzulande wächst, gehört für uns zur regionalen Produktion. Voraussetzung ist, dass es hier unter natürlichen Bedingungen gewachsen ist. Deshalb sind wir überzeugt, dass gerade in den Wintermonaten die biologische Ware aus temperaturbegünstigten Regionen die bessere Alternative zu energieintensivem Glashausanbau in Österreich ist. Der Wunsch nach Regionalität darf nicht den Bau von hunderten Hektar großen Glashäusern in Österreich zur Folge haben, die dann aufwändig belichtet und auf 18°C beheizt werden, um darin Gemüse in chemischen Nährlösungen gedeihen zu lassen. Das hat für mich nichts mit CO²-Reduktion zu tun.
Ich finde es gesünder und klimafreundlicher, zu bestimmten Zeiten auf biologisch produzierte Ware aus unseren Nachbarländern zurückzugreifen. Zugleich entwickeln wir immer mehr winterharte, frostresistente Sorten, die ohne hohen Energie- und Ressourcenaufwand bei uns gedeihen. Wir waren einer von mehreren BIO AUSTRIA Betrieben, die an den Forschungsprojekten rund um das Thema Wintergemüse aus Österreich teilgenommen haben. Am Bio-Hof gibt es immer mehr Sorten, die wir auch bis in den Herbst und Winter hinein anbauen und auf dem Feld und in den unbeheizten Folienhäusern ernten können.

Und außerhalb der Saison?
Außerhalb der Saison in Österreich beziehen wir die Waren nach Möglichkeit vom nächst gelegenem Nachbarland. Ist heimische Ware verfügbar, wird sie eingesetzt und nie durch billigere Auslandsware ausgetauscht.
Rund um das Thema Regionalität haben es aber auch die Konsumenten mit ihrem Einkaufsverhalten in der Hand. Unsere Kunden der Bio-Kiste, die auch während der Wintermonate ausschließlich regional, das heißt aus Österreich einkaufen möchten, können die Regionalkiste mit beispielsweise Wurzelgemüse, Winterporree, Kraut, Äpfel etc. beziehen.

Bio aus aller Welt. An der Glaubwürdigkeit wird von Konsumenten oft gezweifelt.
Bio ist nicht gleich Bio, da gibt es definitiv unterschiedliche Niveaus. Gerade auch im Ausland gibt uns Verbandsware mitunter mehr Sicherheit. Ganz generell setzen wir auf persönliche Kontakte zu unseren Lieferanten beziehungsweise gibt es mit unseren Partnern aus dem Ausland teils langjährige Lieferpartnerschaften. Wir überzeugen uns vor Ort von der Qualität der Produkte und ihrer Arbeit.
Zusätzliche Sicherheit über die Qualität gewinnen wir mit dem BNN-Monitoring (Bundesverband Naturkost Naturwaren Deutschland-Monitoring für Obst und Gemüse), das heißt es werden laufend Stichproben auf Pestizid-Rückstände gemacht.

Ein Beispiel für eine solche Kooperation?
In Griechenland gibt es eine ganz spezielle Kooperation zum Erhalt kleinstbäuerlicher Strukturen. Dort beliefern Bauern mit einer Durchschnittsgröße von 2 ha zwei verschiedene Packhäuser, eines auf dem Festland mit dem Schwerpunkt Zitrusfrüchte und eines auf Kreta mit dem Schwerpunkt Gemüse. Dort wird die Ware gesammelt, verpackt und an uns geliefert. Dieses Netzwerk ist für diese Kleinbauern eine Vermarktungsmöglichkeit und gleichzeitig Existenzsicherung.
Wir haben uns auch vor Ort von den kleinen Betrieben ein Bild gemacht und unterstützen sie mit Wissen und Kursen, zum Beispiel rund um das Thema Kompostierung. Das bieten wir auch anderen Partnern an, so wird uns heuer wieder eine Gruppe aus Spanien besuchen und unsere Kompostierung besichtigen und ich werde Schulungen zu diesem Thema halten.

Was ist Ihnen bei diesen Partnerschaften besonders wichtig?
Unsere Partner müssen zu 100 Prozent biologisch arbeiten, das ist für uns eine Grundvoraussetzung für die Zusammenarbeit. Gleichzeitig legen wir großen Wert darauf, dass auch soziale Standards erfüllt sind. Wesentlich ist, dass unsere Philosophie nicht nur nach außen von unseren Partnerbetrieben mitgetragen wird, sondern auch nach innen von unseren Mitarbeitern. Nur so entstehen nach unserer Erfahrung langfristige Beziehungen.
Wir unterstützen auch bewusst Partnerbetriebe, die sich in Umstellung auf Bio befinden. Die Umstellungsphasen sind oft schwierig und defizitär für die Betriebe, da sie die Umstellungsware zu konventionellen Preisen vermarkten müssen, aber bereits biologisch aufwändig wirtschaften – so wagen viele den Schritt gar nicht erst. Diese herausfordernden Umstellungsphasen unterstützen wir mit fairen und höheren Preisen – nur so kann auch das höhere Ziel von „mehr Bio“ gelingen. Die Kunden werden aktiv über Umstellungsware informiert und die Ware entsprechend gekennzeichnet.

Ihr habt auch regionale Partnerschaften, wie sind diese organisiert?
Viele unserer Partnerbetriebe begleiten uns bereits sehr lange, zum Teil bereits seit 30 Jahren. Einige haben mit oder nach uns auf Bio umgestellt, darunter auch kleinere Betriebe mit wenige Anbaufläche. Durch die Vorbestellungen unserer Kunden bei der Bio-Kiste sorgen wir für Sicherheit bei den Abnahmemengen beziehungsweise wir schaffen durch ergänzende Vermarktungsstrukturen wie Bio-Laden und Restaurant am Hof sowie Bio-Großhandel zusätzliche Flexibilität. So kann kurzfristig auch auf verfügbare Mengen reagiert werden und die Partnerbetriebe bleiben nicht auf Mengen „sitzen“. Nach jeder abgelaufenen Saison wird die nächste Saison in enger Abstimmung gemeinsam geplant. Unter unseren Partnern befinden sich auch viele kleine Familienbetriebe, die durch diese Verlässlichkeit als Biobauern überleben können.

  • Vor 30 Jahren haben sich Ilse und Günter Achleitner entschlossen, ihre kleine Landwirtschaft in Eferding auf biologische Wirtschaftsweise umzustellen. Mittlerweile ist der Bio-Hof Achleitner ein innovativer Betrieb mit rund 120 Mitarbeitern und umfasst neben der eigenen Landwirtschaft vier Geschäftsbereiche:
  • Der Großhandel liefert Bio-Obst und Bio-Gemüse an Großkunden in Österreich und dem benachbarten Ausland.
  • Mit der Bio-Kiste bekommen Haushalte, Büros und Schulen Bio-Produkte direkt vor die Haustüre geliefert.
  • Im Bio-Frischmarkt reicht die Produktvielfalt von frischem Obst und Gemüse, Brotspezialitäten regionaler Anbieter bis hin zu einer reichhaltigen Feinkosttheke.
  • Bio-Restaurant, 100 % bio-zertifiziert