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Biomaps 2019

Haltung

Foto: © BIO AUSTRIA/Wlcek
Foto: © BIO AUSTRIA/Wlcek

Haltung wird abgestimmt auf Bedürfnisse

Heute werden Schweine kaum noch als Resteverwerter gehalten, und auch eine Weidehaltung findet man sehr selten. Die zunehmende Spezialisierung und die höhere Anzahl an Tieren können im Widerspruch zur Kreislaufwirtschaft stehen. Daher setzt die biologische Schweinehaltung ein hohes Maß an Wissen und Engagement voraus, und ausgeklügelte Haltungssysteme und Betreuung sind notwendig.

Schweine sind typische Allesfresser und darauf spezialisiert, weit verstreute und schwer zu gewinnende Nahrung aufzunehmen. Auch satt gefütterte Schweine beschäftigen sich 2/3 der Aktivitätszeit mit der Futtersuche und -aufnahme. Schweine sind vor allem in der Morgen- und Abenddämmerung aktiv.

Der Geruchssinn ist bei Schweinen außerordentlich ausgeprägt, daher orientieren sie sich in ihrer Umgebung über das Riechen. Schweine sind weiters sehr reinliche Tiere, sie trennen Kotplatz und Liegeplatz. Eine gute Lüftung und verschiedene Buchtenbereiche sind daher in der Haltung besonders wichtig.
Schweine, im besonderen jene mit einer rosa Hautfarbe, sind sonnenempfindlich. Bio-Schweine benötigen daher im Auslauf einen Sonnenschutz. Sie fühlen sich zwischen +5 und +25 °C am wohlsten. Sie können nicht schwitzen und brauchen daher bei höheren Temperaturen Möglichkeiten zum Abkühlen. Ruhende Schweine haben das Bedürfnis nach engem Körperkontakt, daher sollten Liegeflächen knapp bemessen werden.

Die Haltungssysteme im Bio-Landbau versuchen die Bedürffnisse bestmöglich zu erfüllen. Immer wieder gibt es neue Ideen und Verbesserungen die in Zusammenarbeit mit der Forschung auf den Bio-Höfen umgesetzt werden. Gerade die Bio-Schweinehaltung unterscheidet sich oft wesentlich von der konventionellen, das wiederum in einem Mehrpreis der Produkte abgebildet ist.

Aktuelle Fachartikel und Beratungsblätter zur Bio-Schweinehaltung finden Sie hier:
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Die wichtigsten Bereiche

Trächtigkeit
Die Trächtigkeit verbringen Muttersauen in Gruppen von etwa vier bis 70 Sauen. Ein mehr oder weniger stark eingestreuter Liegebereich, eine Aktivitätsfläche und ein Betonauslauf kennzeichnen die österreichische Bio-Haltung. Der zusätzliche Auslauf bietet den Tieren Frischluft, Stimulierung durch verschiedenste Umweltreize, Bewegungs- und Beschäftigungsmöglichkeit und regt zum Kot- und Harnabsatz an. Dadurch bleibt die Luft im Stallinneren sauberer. Die Vorteile des Auslaufes gilt es zu nutzen.

Abferkelbuchten
Die freien Abferkelbuchten können zwar für große Sauen noch immer zu klein sein, stellen aber eine wesentliche Verbesserung zur Haltung im Abferkelkäfig dar. Entsprechend dem Normalverhalten kann sich die Sau umdrehen und den Kot vom Liegebereich trennen. Durch Ferkelnester werden die verschiedenen Temperaturbedürfnisse von Sau und Ferkel berücksichtigt. Das angebotene Stroh nutzt die Sau vor der Geburt zum Nestbau und bietet Ferkeln von klein an Beschäftigung und stellt so eine wesentliche Vorbeuge gegen Schwanzbeißen dar. Gerade in diesem sensiblen Bereich darf nicht mit Stroh gespart werden.
Prinzipiell werden in gut geführten freien Abferkelsystemen gleich viele Ferkel aufgezogen wie in Abferkelkäfigen. Details wie die Anordnung der Buchteneinrichtung, attraktive Ferkelnester, rutschfeste Böden und optimale Betreuung entscheiden über den Erfolg bei freiem Abferkeln. Ein Anteil von zirka 2 % Bio-Schweinen am Schweinemarkt erlaubt bisher keine separate „Bio-Zucht“. Daher kann es durch sehr große Würfe, bis zu 18 Ferkel pro Wurf, erhöhte Verlustraten geben. Auch bei der Zucht auf gute Muttereigenschaften und gute Beine, zwei weitere wichtige Faktoren zum Überleben der Saugferkel, ist noch viel zu tun.

Saugferkel
Diesen werden nur in Ausnahmefällen, beispielsweise bei großen Würfen, wenn es zu Gesichtsverletzungen der Ferkel durch Kämpfe am Gesäuge kommt, die Spitzen der Zähne abgeschliffen, der Schwanz wird nicht kupiert. Männliche Tiere werden bei BIO AUSTRIA ab Oktober 2010 und nach EU-Bio-Verordnung ab 2012 nicht mehr ohne Schmerzmittel kastriert, verschiedene Alternativen werden noch erprobt und diskutiert. Bio-Ferkel dürfen statt der üblichen vier, mindestens sechs Wochen bei der Mutter säugen. Dies bringt dem Landwirt einiges weniger an Ferkeln pro Sau und Jahr, ist aber für die Tiere im Vergleich zum natürlichen Verhalten immer noch recht kurz. Haben sie die Wahl, bleiben junge Schweine etwa vier bis sechs Monate bei der Mutter.

Absetzferkel
Durch die abrupte Umstellung von Milch auf feste Nahrung können Schadbakterien im Darmtrakt leicht Fuß fassen und zu Absetzdurchfall führen. Das Ziel ist vorzubeugen, beispielsweise durch gutes Anfüttern, eine optimale Futterzusammensetzung, eine ausreichende Wasserversorgung oder eine verlängerte Säugezeit. Dies klingt einfacher als es ist, viele Betriebe sehen den Konflikt, rechtzeitig auch mit Antibiotika einzugreifen, ohne aber die Behandlung zur Routine werden zu lassen.

Bio-Mastschweine
Sie haben mit 2,3 m² Gesamtfläche dreimal soviel Platz wie ihre konventionellen Kollegen und leben oft in Außenklimaställen mit Stroh und Futterautomaten. Bis zur Schlachtung mit etwa 130 kg brauchen Bio-Schweine etwa 130 bis 140 Tage, etwas länger als konventionell üblich. Sonst bestehen wenig Unterschiede, der Transport zum Schlachthof, die Schlachtung selbst und die zur Bezahlung verwendeten Qualitätskriterien wie der Magerfleischanteil entsprechen den konventionellen Bedingungen.

Der Beitrag wurde erstellt von:
Dr. Christine Leeb, DI Florian Bernardi, Universität für Bodenkultur, Wien und
Dr. Werner Hagmüller, LFZ Raumberg-Gumpenstein