Parasiten bei Rindern
Parasiten gehören zur Weidehaltung dazu – völlig vermeiden lassen sie sich nicht. Entscheidend ist, den Befall so gering zu halten, dass weder Gesundheit noch Leistung der Tiere leiden.
Die Haltung der Rinder auf der Weide hat den Vorteil, dass diese eine artgerechte Futteraufnahme und ein natürliches Verhalten pflegen können, was sich grundsätzlich positiv auf die Gesundheit der Tiere auswirkt. Nachteil der Weidehaltung ist, dass die Rinder Parasiten ausgesetzt sind. Vor allem Jungrinder, welchen die erste Weidesaison bevorsteht.
Was sind Parasiten?
Ein Parasit ist ein Schmarotzer, der auf Kosten eines anderen Lebewesens lebt. Grundsätzlich wird in Endoparasiten (leben im Inneren des Tieres) und Ektoparasiten (leben auf der Körperoberflächen des Tieres) unterteilt. Zu den Endoparasiten zählen Magen-Darm-Würmer, Leberegel, Lungenwürmer und Kokzidien welche sich in Magen, Darm, Lunge oder Gallengängen festsetzen und deutliche Symptome zeigen. Durchfall, struppiges Fell, Husten, mangelnde Gewichtszunahme, Gewichtsverlust, blasse Schleimhäute sind Folgen des Parasitenbefalls. Ektoparasiten sind vor allem Milben und Läuse, welche Juckreiz auslösen. Läuse sind mit freiem Auge gerade noch sichtbar. Befallene Tiere sind unruhig und kratzen sich häufig. Ein Milbenbefall zeigt sich durch juckende Ekzeme mit Haarausfall.
Weidemanagement als wichtigster Hebel gegen Parasiten
Eine Behandlung mit diversen Präparaten und Aufgussmittel ist jedoch nicht der erste Schritt zur Vorbeugung des Parasitenbefalls. Ausschlaggebend ist in erster Linie ein angepasstes Weidemanagement. Dabei gilt, wenn Jungrinder mit erwachsenen Rindern gemeinsam auf der Weide gehalten werden, verringert sich das Risiko für die Jungrinder. Oder eine abwechselnde Weidenutzung unterschiedliche Tierarten (z.B. Rinder, Schafe Ziegen, Pferde), verringert einen Parasitenbefall bei allen Tieren. Wenn diese beiden Praktiken nicht möglich sind, empfiehlt es sich die Weiden nachzumähen oder eine Zwischenschnittnutzung mit Heu oder Silage zu machen. Ebenso ein häufigeres Umtreiben der Tiere oder eine niedrigere Besatzdichte reduziert den Parasitendruck.
Betriebliche Risikofaktoren
Die Parasitensituation hat auch andere Faktoren, die das Risiko für die Tiere erhöhen. Das sind z.B. lagebedingte Risikofakten, wie die Höhenlage des Betriebes (je höher, umso geringer der Parasitendruck), der Schatten und die Feuchtigkeit der Weide oder die Durchlässigkeit des Bodens. Auch eine unzureichende Fütterung mit Mineralstoffen erhöht das Risiko eines Parasitenbefalls. Ein warmer feuchter Sommer fördert ebenso die Entwicklung der Parasitenstadien.
Jungtiere aus Mutterkuhhaltung sind oft weniger von Parasitenbefall betroffen als Nachzuchttiere aus Milchviehbetrieben. Grund dafür ist, dass Kälber in der Mutterkuhherde neben der Aufnahme von Weidegras zusätzlich längere Zeit Muttermilch und dementsprechende weniger Parasiten zu sich nehmen.
Parasitenbehandlung nur wenn nötig
Eine Behandlung sollte gezielt erfolgen und nicht routinemäßig. Wenn ein Tier sichtlich erkrankt ist, ist eine Behandlung mit einem geeigneten Präparat notwendig. Dafür wird empfohlen eine Kotprobe zu nehmen und diese ins Labor zu schicken oder beim Tierarzt abzugeben. Eine Behandlung sollte nur nach eindeutiger Diagnose, deutlichen Symptomen am Tier oder Schlachtkörperbefund durchgeführt werden. Das ist wichtig, da es kein Entwurmungsmittel gibt, das gegen alle Arten von Parasiten wirkt. Ein systematischer Einsatz von Präparaten hat zur Folge, dass sich Resistenzen gegen den verwendeten Wirkstoff entwickeln. Die Wirkstoffunempfindlichkeit wird an die nächsten Parasitengenerationen weitergegeben was bedeutet, je häufiger Entwurmungsmittel verwendet werden, desto schneller können die Erreger Resistenzen entwickeln.
Für den Behandlungserfolg ist auch der geeignete Zeitpunkt ausschlaggebend. Strategisch günstige Zeitpunkte sind beim Einstallen im Herbst und bei Jungrindern 1 Monat nach dem Weideaustrieb. Im Hochsommer, wenn die Weide stark mit Wurmlarven befallen ist, sollte nur in Ausnahmenfällen behandelt werden.
Umgang bei Leberegelbefall
Die Besonderheit beim Leberegel ist, dass dieser das Vorhandensein eines Zwischenwirtes benötigt. In diesem Fall ist das die 7-11 mm große Zwergschlammschnecke, welche an flachen Randzonen von Bächen und wassergefüllten Tritt- oder Fahrspuren sowie in Feuchtstellen auf Wiesen und Weiden lebt. Ein Vorkommen an trockenen Orten ist jedoch auch nicht ausgeschlossen. Da beim Leberegelbefall ein Behandlungskonzept erstellt wird, welches über längere Zeit verfolgt werden muss, ist in diesem Fall die Ausgrenzung der feuchten und gewässernahen Flächen sinnvoll, um den Infektionsdruck zu senken. Tiere sollten nicht in natürlichen Wasservorkommen trinken, sondern es sollte ihnen Tränkebecken angeboten werden. Diese können, wenn die Rohre nicht verschlammen, von Bachwasser gespeist werden. Die Bereiche um die Tränken sollten trocken gehalten werden, indem man das Überwasser wegleitet. Von bekannten befallen Flächen sollte Silage gewonnen werden, da im Heu eine Überlebensmöglichkeit der Leberegellarven besteht. Ebenso sollte auf den Flächen das Ausbringen von Mist und Gülle verzichtet werden, welche anschließend noch beweidet werden.
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DI Katharina Trieb
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