Am Stadtrand: Auf die Öffnungszeiten kommt es an

Veröffentlicht am 11. Juni 2026
© BIO AUSTRIA

Sarah Ehrne führt einen Bio-Laden in Feldkirch in Vorarlberg. Für viele Kundinnen und Kunden ist das Geschäft zum Lebensmittelnahversorger geworden.

Ausschlaggebend dafür sind neben einem großen Produktsortiment vor allem auch die ausgedehnten Öffnungszeiten.

Der Bio-Laden der Familie Ehrne liegt in Feldkirch, im Stadtteil Gisingen. Der kleine Hof, zu dem 4,5 Hektar Ackerfläche in der näheren Umgebung gehören, ist mittlerweile von allen Seiten zugebaut. Was einst Sarahs Mutter Sonja als Rampenverkauf begonnen hat, ist mittlerweile ausgebaut worden zu einem schönen 55 m2 großen Bio-Laden im Einzelhandelsgewerbe, untergebracht im ehemaligen Kuhstall. Ursprünglich wurden nur die hofeigenen Erzeugnisse – Gemüse und Milchprodukte – verkauft. Inzwischen ist das Geschäft ein richtiger Lebensmittelnahversorger am Stadtrand. Neben der günstigen Lage sind für Ladeninhaberin Sarah Ehrne vor allem zwei Dinge entscheidend, um als Nahversorger fungieren zu können: Ein umfassendes Sortiment und regelmäßige, ausgedehnte Öffnungszeiten: „Praktisch ist für die Kunden, wenn sie fast alles an einem Ort kaufen können und sie nicht an starre Öffnungszeiten gebunden sind.“

Länger und öfter offen

Früher war der Bio-Laden anfangs zweimal, dann nur dreimal pro Woche geöffnet, weil die Arbeit in der Landwirtschaft im Fokus des Betriebs stand. Während der Corona-Epidemie lief es trotz der geringen Öffnungszeiten gut, doch dann kam der Einbruch und es wurde schwierig, neue Kunden zu gewinnen. „Zu diesem Zeitpunkt haben wir überlegt, dass wir es anders machen müssen. Da mein Bruder und ich durch die Übernahme und Trennung von Geschäft und Landwirtschaft einen jeweiligen Fokus legen konnten, war es möglich, den Bio-Laden mit neuen Öffnungszeiten aufzustellen.“

Die junge Frau steht nun von Dienstag bis Samstag in ihrem Geschäft – unter der Woche hat sie vormittags und nachmittags geöffnet und am Samstag bis Mittag. „Das hat uns sehr viele neue Kunden gebracht. Wir haben besonders viel Laufkundschaft dazugewonnen. Viele Menschen haben sich gefreut, dass wir jetzt offen haben, wenn sie vorbeikommen. Und auch viele andere, deren Arbeitszeiten mit unseren Öffnungszeiten jetzt einfach besser zusammenpassen“, erzählt sie. Für die Landwirtschaft bleibt da aber weniger Zeit, weshalb die Mitarbeit der Eltern wesentlich ist.

Breites Sortiment

Sarah Ehrne bietet in ihrem Laden eine große Auswahl an frischem Bio-Gemüse vom eigenen Hof an, sowie die Kartoffeln, Kräuter und das Getreide. Im Sommer gibt es auch verschiedene Beeren, die ihr Bruder anbaut. „Grundsätzlich dreht sich bei uns alles um unser eigenes, frisches Gemüse. Aber wir führen alle Lebensmittel für den täglichen Bedarf, also auch Brot, Milchprodukte, Fleisch und Wurstwaren.“ Diese Bio-Produkte kauft sie entweder von Bauern aus der näheren Umgebung zu oder auch über Großhändler. „Und ich bekomme immer wieder Tipps von meinen Kundinnen und Kunden, wo man bestimmte Produkte bekommen könnte.“

Gespräche mit den Konsumenten findet die junge Frau entscheidend. Die persönliche Beratung wird von ihren Kunden sehr geschätzt. Umgekehrt ist es Sarah Ehrne genauso wichtig, auf die Menschen zu hören, die in ihr Geschäft kommen: „Da erfährt man, was sie wollen.“ Durch die Nachfrage vergrößert und ändert sich das Sortiment auch ständig.

Nahversorger für alle

Die Kunden im Bio-Laden kommen aus allen Altersschichten. Für einige sind die frischen Pastinaken der Einstieg. Andere kommen im Rahmen einer Ernährungsumstellung zum ersten Mal in den Laden und sind über Informationen dankbar. „Und dann wird bei jedem Vorbeikommen der Einkauf größer. Viele bleiben als Stammkunden.“ Sarah Ehrne schätzt, dass rund die Hälfte der Kunden tatsächlich ihren Wocheneinkauf an Lebensmitteln im Bio-Laden erledigt.

50 bis 60 Kundinnen und Kunden schauen durchschnittlich pro Tag vorbei, am Freitag sind es sogar rund 100. Dabei kommen die Leute sowohl aus der unmittelbaren Umgebung als auch von weiter weg – sogar aus dem nahegelegenen Liechtenstein und der Schweiz. Das bringt einen guten Umsatz und ermöglicht es Sarah Ehrne, drei Mitarbeiterinnen in Teilzeit anstellen zu können.

Sich abheben

Im unmittelbaren Umkreis des Bio-Ladens gibt es mehrere Supermärkte. „Die waren schon vor uns da und ich sehe sie nicht als Konkurrenz. Ein bisschen Sorge hatte ich, als in Rankweil ein Bio-Fachmarkt aufgemacht hat. Aber auch diese Angst hat sich als unbegründet erwiesen. Der hohe Standard beim frischen Gemüse ist der Hauptgrund, dass die Leute zu uns kommen. Da bekommen wir ganz viel positive Rückmeldungen“, erklärt Sarah Ehrne.

An der Direktvermarktung schätzt sie vor allem, dass die eigenen Produkte zu guten Preisen verkauft werden können, da der Zwischenhändler entfällt. Werbung zur Akquise neuer Kunden muss sie derzeit keine machen. In Zukunft möchte sie aber doch wieder mehr Energie auch in Marketing und Außenkommunikation stecken, denn die Krisen der letzten Jahre haben gezeigt, dass sich der Wind schnell drehen kann.

Familie als Basis

© BIO AUSTRIA

Seit Sarah den Laden übernommen hat, kann sich ihr Bruder Christoph noch intensiver um die Bio-Landwirtschaft kümmern und ist dabei, hier einiges zu optimieren, damit die steigende Nachfrage im Laden gedeckt werden kann. Auch die Eltern helfen noch fleißig überall mit. „Dass wir alle zusammenhelfen und gut zusammenarbeiten ist sicher auch ein ganz wichtiger Faktor für den Erfolg“, freut sich Sarah Ehrne.

Elisabeth Pöckl, BIO AUSTRIA Bundesverband

Biohof Ehrne
Feldkirch, Vlbg.
Sonja und Egon Ehrne
KinderSarah, Christoph
Landwirtschaft4,5 ha Acker
800 m2 Folientunnel
ProdukteGemüse (Salate, Zwiebeln,
Kraut, Sellerie, Rettich,
Paprika, Tomaten, Karotten,
Pastinaken etc.), Kartoffeln,
Kräuter, Roggen, Dinkel,
Gerste, Beerenobst