Zeigerpflanzen im Grünland: Was Bärenklau, Moose und Co über Ihren Standort verraten

Veröffentlicht am 17. Juli 2026
© Doris Wimmer

Verändert sich der Pflanzenbestand im Grünland, werden Probleme oft erst erkannt, wenn sie bereits deutlich sichtbar sind. Wer Zeigerpflanzen richtig deutet, kann jedoch frühzeitig reagieren und Bewirtschaftungsmaßnahmen gezielt anpassen.

Viele Kenntnisse über die Pflanzenarten im Grünland sind in den vergangenen Jahrzehnten verloren gegangen. Dabei liefern gerade sogenannte Zeigerpflanzen wertvolle Hinweise auf Bodenverhältnisse, Nährstoffversorgung oder Bewirtschaftungsfehler. Wer sie kennt, kann Fehlentwicklungen früh erkennen und gegensteuern – bevor größere Ertragseinbußen entstehen.

Zeigerpflanzen können eine Bodenanalyse nicht ersetzen, aber gut ergänzen.

Was sind Zeigerpflanzen?

Die Artenzusammensetzung einer Wiese wird von natürlichen Standortfaktoren und der Bewirtschaftung bestimmt. Manche Pflanzen reagieren besonders empfindlich auf Veränderungen und zeigen dadurch bestimmte Bedingungen an. Solche Arten bezeichnet man als Zeigerpflanzen.

Sie helfen dabei,

  • Standortverhältnisse rasch einzuschätzen,
  • Bewirtschaftungsfehler frühzeitig zu erkennen,
  • Düngungs- und Pflegemaßnahmen abzuleiten,
  • den Wasserhaushalt besser einzuschätzen sowie
  • Befahrbarkeit und Trittfestigkeit zu beurteilen.

Was Zeigerpflanzen verraten

Je nach Art geben Zeigerpflanzen Hinweise auf unterschiedliche Faktoren:

  • Bodenverhältnisse: Nährstoffversorgung, pH-Wert, Bodenart, Verdichtung oder Wasserhaushalt
  • Klima: Temperatur- und Niederschlagsverhältnisse
  • Bewirtschaftung: Mahd, Beweidung oder übermäßige Düngung
  • Bestandsentwicklung: Verbrachung oder Wechselnässe

Wichtig ist jedoch: Zeigerpflanzen ersetzen keine Bodenanalyse. Sie liefern keine exakten Messwerte, sondern Hinweise, die immer im Zusammenhang mit Standort und Bewirtschaftung bewertet werden müssen. Auch Jahreszeit und Höhenlage beeinflussen ihre Aussagekraft.

Veränderungen früh erkennen

Auf vielen Grünlandflächen verändert sich die Artenzusammensetzung spürbar. Feuchtezeiger wie Schlangenknöterich oder Sumpfvergissmeinnicht verschwinden zunehmend, während trockenheitstolerante Arten wie Schafgarbe oder Zypressen-Wolfsmilch häufiger werden. Solche Entwicklungen liefern wertvolle Hinweise auf veränderte Standortbedingungen und können helfen, die Bewirtschaftung rechtzeitig anzupassen.

Autorin: Doris Wimmer, BIO AUSTRIA Niederösterreich und Wien

Der Artikel erschien in der BIO AUSTRIA Zeitung, Ausgabe Juni 2026 zum Schwerpunkt „Gesunde Bestände“:

https://www.bio-austria.at/d/bauern/BIO AUSTRIAzeitung-3-26/

Auch als E-Paper verfügbar: https://heyzine.com/flip-book/7fa5aa43b8.html


ZeigergruppeTypische PflanzenHinweis auf
LückenbüßerLöwenzahn, Vogelmiere, Stumpfblättriger Ampfer, Kriechender Hahnenfuß, Zottiger KlappertopfBewirtschaftungsfehler: zu frühe/zu häufige Mahd, Überbe-weidung, Witterung oder Schädlinge führen zu Lücken in der Grasnarbe
NährstoffzeigerStumpfblättriger Ampfer, Wiesen-Bärenklau, Wiesen-Kerbel, Giersch, Große Brennnessel, Acker-Queckezeigen nährstoffreiche Standorte an (z.B. Brennesselnester auf Hutweiden)
MagerkeitszeigerRotschwingel, Rot-Straußgras, Zittergras, Bürstling, Augentrost, Wiesen-Thymian, Wiesen-Margeritezeigen nährstoffarme Standorte an, lichtbedürftige Arten
UnternutzungszeigerDisteln, Klappertopfarten, AdlerfarnHinweis auf zu geringe oder zu späte Nutzung
Verdichtungs- und ÜbernutzungszeigerKriechender Hahnenfuß, Breitwegerich, Gemeine Rispe; Gänseblümchen, Stumpfblättriger Ampfer, Gemeine Rispe, Weißkleeweisen bei massenhaftem Vorkommen auf mäßig bis gute Nährstoff-versorgung hin sowie auf verdichteten Oberboden und übernutzten Pflanzenbestand
SäurezeigerBürstling, Heidekraut, Heidelbeere, Arnika weisen auf stark saure Bodenverhältnisse hin

Quelle: Bohner & Starz: „Zeigerpflanzen im Wirtschaftsgrünland“,  Sonderbeilage der Zeitschrift Fortschrittlicher Landwirt

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