Grünlandnachsaaten nach Trockenheit
Der Herbst bietet die besten Chancen
Das Grünlandjahr hat sich heuer als sehr herausfordernd entwickelt. Einem trockenen Frühjahr (laut GeoSphere in Österreich überhaupt das trockenste Frühjahr seit Aufzeichnungsbeginn) folgten bereits die ersten Hitzeperioden des Sommers. Flächendeckender Landregen, der von den Böden gut aufgenommen werden kann, blieb vorerst aus. Das Grünland als sehr wasserbedürftige Kultur leidet stark darunter. Um den Ertrag und die Qualität für die nächsten Jahre zu sichern, müssen in den nächsten Wochen die richtigen Entscheidungen getroffen werden.
Wie so oft, wenn in den Sommermonaten Regen nur infolge von Gewittern niedergeht, kann die Situation regional stark schwanken. Deshalb kann die Notwendigkeit zur Umsetzung von Sanierungsmaßnahmen nicht verallgemeinert werden. Der Artikel soll jedoch zur Sensibilisierung beitragen, Grünlandflächen hinsichtlich der Trockenheit zu prüfen. Dabei darf das Nutzungsziel und die Nährstoffversorgung nie aus dem Auge verloren werden.

Das Gründland leidet unter der Trockenheit massiv. Nachsaatmaßnahmen werden bei Trockenschäden zum Gebot der Stunde.
Trockenheit – die Folgen im Grünland
Abgestorbene Pflanzenteile und zurückbleibende Lücken sind als Schäden offensichtlich und fordern zum Handeln auf. Fehlende Niederschläge wirken jedoch bereits viel früher auf unser Grünland ein:
- Ertragswirksamer Wassermangel: Fehlt Wasser, stellen Gräser schnell ihr Wachstum ein. Dank spezieller Schließzellen (Stomata) kann die Verdunstung über die Blätter effektiv gebremst werden. Damit wird jedoch auch die Photosynthese-Leistung gedrosselt bzw. ganz eingestellt. Da Gräser für den Ertrag und die Qualität von Grünlandernten ausschlaggebend sind, machen sich Trockenperioden deshalb rasch aufgrund Ertragseinbußen bemerkbar. Dauert die Zeit des Wassermangels nicht allzu lange und erfolgt die Düngung des Grünlands bedarfsorientiert, trägt das Grünland meist keinen Schaden davon.
- Verschiebung der Artengruppen infolge von Trockenheiten: Bei länger andauernden oder auch wiederkehrenden Trockenperioden gibt es Pflanzen, die mit diesen Bedingungen besser umgehen können. Naturgemäß sind dies Arten, die über ihr Wurzelsystem auch in tieferen Bodenschichten noch Wasser erschließen können. Löwenzahn, Ferkelkraut, Spitzwegerich, Wiesen-Labkraut oder die Schafgarbe sind typische Vertreter der Kräuter, die sich bei Trockenheit oft auf Kosten der Gräser ausbreiten. Die Nachsaat geeigneter Mischungen haben hier zum Ziel, ein weiteres Ausbreiten dieser Arten zu verhindern bzw. diese auch wieder zurückzudrängen. Sind Grünlandflächen regelmäßig von Trockenperioden betroffen, können aber auch an sich wertvolle Gräserarten – wie z.B. sehr frühreife Raigrasarten – zum „Problem“ werden. Sie haben gemeinsam, dass bei Wassermangel Blattmasse schnell reduziert wird, um mit den Reserven die Samenbildung verfrüht einzuleiten (Notreife!). Ergebnis sind stängelreiche Aufwüchse mit geringen Masseerträgen. Ähnlich verhalten sich diese Arten bei unzureichender Nährstoffversorgung! Ein zu langes Aufschieben der Schnittnutzung verhilft diesen Arten, erneut auszusamen und sich im Bestand zu verjüngen. Eine Nachsaat kann hier das Ziel verfolgen, neue bestandsbildende Gräser einzubringen, die eine höhere Nutzungselastizität als auch Trockentoleranz aufweisen.
- Sichtbare Trockenschäden – abgestorbene Pflanzen (-teile) und Lücken: Ist die Trockenheit länger anhaltend, wie heuer in vielen Teilen Österreichs, stellen die Pflanzen ihre Energiereserven auf Selbsterhalt um: die Blätter vergilben und der oberirdische Teil vertrocknet langsam. Daher nimmt bei stehenden Aufwüchsen die Bio-Masse ab einem bestimmten Zeitpunkt wieder ab. Frisch gemähte Bestände zeigen wenig Nachtrieb oder werden braun. Das Gras wirkt „abgestorben“, befindet sich aber oft nur in einer Art Ruhezustand. Die gute Nachricht: Am stärksten betroffen sind flach- bzw. oberirdisch wurzelnde Gräser. Meist sind dies ohnehin weniger wertvolle Arten wie z.B. die Gemeine Rispe. Diese trocknet in solchen Jahren oft komplett aus. Damit hinterlässt sie mehr oder weniger große Lücken im Bestand, die mithilfe einer Nachsaat unbedingt wieder mit wertvollen Arten geschlossen werden müssen

Verschiebung der Artengruppen: Während Gräser unter Wassermangel leiden, gelangen tiefwurzelnde Arten noch an Wasser.
Nachsaat – (k)eine Frage der Technik
- Die vorhandene Nachsaattechnik und die richtige Anwendung Dieser ist maßgeblich für den Erfolg geplanter Maßnahmen.
- Einfache Übersaatverfahren, in dem der Striegeleinsatz und die Saatgutablage in einem Durchgang erfolgt, eignen sich gut für periodische, also regelmäßig wiederkehrende Nachsaaten. Zum Zwecke einer raschen Bestandsumwandlung oder einer effektiven Sanierung eignet sich diese Methode weniger.
- Im zweistufigen Nachsaatverfahren wird die Grasnarbe im ersten Schritt mittels Grünlandstriegel in mehrmaligen Überfahrten intensiv bearbeitet. Noch vorhandener Grasfilz und abgestorbene Pflanzenteile werden ausgestriegelt (und abtransportiert), um damit Lücken zu schaffen. Je größer der Striegelerfolg ist, desto mehr Platz steht der Nachsaat zur Verfügung. Erst dann wird das Saatgut in Breitsaat (Obenauf-Ablage) oder im Schlitzverfahren ausgebracht. Schlitzsaatverfahren sorgen für eine exakte Saatgutablage und erhöhen den Auflauferfolg. Bei Breitsaaten mit Säkombinationen sorgen meist nachlaufende Walzen für den nötigen Bodenschluss.
- Eine Neuanlage von Grünlandflächen stellt meist die letzte Option einer Sanierung dar, wenn kein erhaltungswürdiger Pflanzenbestand mehr vorhanden ist. Mit umbruchsloser Grünlanderneuerung mittels Umkehrfräse gibt es mittlerweile sehr gute Erfahrungen. Aber auch hier muss geprüft werden, ob der Standort dafür geeignet ist (gerade in Hanglagen oder auf seichtgründigen Standorten treten Trockenschäden auf). Außerdem sind etwaige Umbruchsverbote aus Förderverpflichtungen heraus zu berücksichtigen (z.B. Humuserhalt).

Diese Chance gehört genutzt: Als flachwurzelndes Gras hinterlässt die Gemeine Rispe nach Trockenheit oft große Lücken.
Das Richtige nachsäen – Standort und Nutzung entscheiden
Das eigentliche Ausmaß von Trockenschäden lässt sich meist erst nach den ersten Niederschlägen beurteilen. Auch wenn der oberirdische Teil vertrocknet ist, bleiben Vegetationsknospen und Wurzeln wertvoller Arten oft intakt. Nur so ist es möglich, dass es auch nach längeren Trockenperioden schnell wieder grün wird. Fakt ist jedoch auch, dass Grünlandbestände hinsichtlich der hohen Ansprüche an Qualität und Ertrag nach solchen Jahren eine Unterstützung im Sinne einer Verjüngung brauchen, um in langfristig wieder zufriedenstellende Ernten liefern zu können.
Hinsichtlich Saatgut gibt es im Handel eine breite Auswahl an Produkten. Auf entsprechende Qualität sollte dabei unbedingt geachtet werden. Unter der Dachmarke SAATGUT AUSTRIA werden Saatgutmischungen nach einem vorgegebenen Mischungsrahmen angeboten, durch deren Zusammensetzung und Bezeichnung der Verwendungszweck abgeleitet werden kann (z.B. für trockene Lagen bis drei Nutzungen). ÖAG zertifizierte Saatgutmischungen greifen zusätzlich auf Sorten zurück, deren positive Eigenschaften unter österreichischen Standortbedingungen geprüft worden sind. Beim Kauf von Mischungen sollte Diese den spezifischen Anforderungen jedenfalls gerecht werden (Standort und Bewirtschaftungsintensität). Die entsprechenden Saatstärken können den Mischungsempfehlungen in Abhängigkeit der Zielsetzung (periodische Übersaat, Nachsaat nach Striegelgang) entnommen werden.

Während das Bastardaigras bereits „aufgestängelt“ hat, bildet das Knaulgras noch Blattmasse.
Interessant kann auch sein, das Auftreten wertvoller Arten in Trockenperioden auf den eigenen Flächen genauer zu beobachten, um diese dann über die Beimengung einzelner Komponenten zu fertigen Mischungen noch gezielter zu fördern oder sogar eigene Nachsaatmischungen aus zugekauften Einzelkomponenten selber zu erstellen. Hier eine kleine Artenauswahl:
- Knaulgras, Timothe und Rotklee haben eine höhere Nutzungselastizität als Raigräser und gehen nicht so schnell in die Notreife
- Ähnliches gilt für Glatthafer und Hornklee, die zusätzlich bei mittlerer Nutzungsintensität in geringer Beimengung interessant sein können
- Beim Thema Wurzeltiefgang kommt auch der Rohrschwingel immer wieder ins Spiel. Aufgrund seiner eher geringen Futterwertzahl, seiner langsamen Jugendentwicklung und nicht zuletzt auch aufgrund seiner im Vergleich zu anderen Gräsern eher „harten“ Blätter (bei Weidegang nicht gefressen!) empfiehlt er sich außerhalb von Trockengebieten eher nicht für die Beimengung
- Festulolium (oder Wiesenschweidel) ist in jüngster Vergangenheit im Vormarsch. Es handelt sich dabei um Kreuzungen zwischen Weidelgräsern und Schwingelarten, wodurch die Ertragsfähigkeit von Raigräsern und die Ausdauer vom Schwingel kombiniert werden soll. Es ist jedoch genau auf die jeweilige Sorte zu achten, welche Weidel- bzw. Schwingelarten dahinterstecken
- Luzerne ist punkto Trockenverträglichkeit nahezu unschlagbar. Das erforderliche Nutzungsregime passt aber meist nicht zum Grünlandbestand, weshalb die Luzerne eher in Ackerfutterkulturen ihren Einsatz finden soll als auf Dauergrünlandflächen
Der richtige Zeitpunkt steht bevor
Für eine erfolgreiche Nachsaat müssen die Keimlinge entsprechende Bedingungen vorfinden. Dies bedingt unter anderem einen geringen Konkurrenzdruck durch den Altbestand und Feuchtigkeit an der Bodenoberfläche. Beide Kriterien sind am ehesten im Spätsommer ab August – je nach Schnittzeitpunkt des vorherrschenden Aufwuchses – vorzufinden. Mischungen mit Kleearten sollten bis Mitte August angebaut werden, bei Gräsermischungen kann die Aussaat bis Mitte September erfolgen.
Fazit:
Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass Trockenphasen häufiger und länger werden. Eine konsequente Grünlandpflege mit regelmäßiger Nachsaat, angepasster Düngung und der Auswahl trockenheitstoleranter Arten gewinnt daher zunehmend an Bedeutung. Betriebe, die den kommenden Herbst für notwendige Sanierungsmaßnahmen nutzen, schaffen die Grundlage für stabile Erträge und eine hochwertige Eigenfutterversorgung im nächsten Jahr.