Beutegreifer: Position von Bio Austria Tirol

Artikel aus der BinInfo Tirol – August 2022

Das vermehrte Auftreten von Beutegreifern (vor allem Wölfe und Bären) und die dadurch immer öfter zu verzeichnenden Risse von Weidetieren in bestimmten Regionen beschäftigt zur Zeit Teile der Bauernschaft intensiv. Für die Bäuerinnen und Bauern mit Weidehaltung in diesen Regionen stellt die Situation oft eine existenzielle Bedrohung und – nicht nur im Falle von Rissen, aber besonders dann – auch eine
enorme persönliche Belastung dar.

Biobäuerinnen und Biobauern haben eine gesetzlich verpflichtende Weidevorgabe zu erfüllen. Sie sind daher besonders darauf angewiesen, dass Weidehaltung und Almwirtschaft möglich ist.

Für uns als Verband ist deswegen vollkommen klar: es braucht dringend Auswege und Lösungen für die Betroffenen. Es muss verhindert werden, dass Bio-Bäuerinnen und Bio-Bauern sich gezwungen sehen, die Weidehaltung im Besonderen auf Almen
und damit die Bio-Tierhaltung aufzugeben.

Gleichzeitig ist aber auch deutlich anzumerken: Einfache, pauschale Lösungen gibt es für diese Problematik nicht, auch wenn das manchmal so dargestellt werden mag. Es braucht vielmehr ein Bündel von Maßnahmen. Dazu gehört aus Sicht des Verbandes
ein aktives Beutegreifermanagement, das Vergrämungsmaßnahmen und die Möglichkeit, auffällig gewordene Tiere zu entnehmen, beinhaltet. Ebenso zählen zu diesem Maßnahmenbündel Herdenschutzmaßnahmen, die praktikabel sind und großzügig von der öffentlichen Hand finanziert werden müssen.

Die Sicherstellung der bäuerlichen Weidewirtschaft unter der gegebenen Rückkehr der großen Beutegreifer ist eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung. Diese darf also nicht alleine an die Bauern abgeschoben werden.

Daher ist durch die zuständigen Behörden sicherzustellen, dass die Weidevorgabe der EU-Bio-Verordnung auch unter der Voraussetzung wachsender Beutegreiferpopulationen überall eingehalten werden kann. Gleichzeitig muss für die
Erarbeitung von Lösungsmöglichkeiten gesorgt werden, sowie erlittene Schäden infolge von Übergriffen großzügig finanziell abgegolten werden.

Position von Bio Austria

Die grundlegende Position von Bio Austria zum Thema Wolf ist seit 2018 auf unserer Website veröffentlicht: https://www.bio-austria.at/a/bauern/
bio-austria-bezieht-stellung-zum-thema-wolf

Bio Austria bekennt sich zu dem Ziel, Landwirtschaft sowie Arten- und Naturschutz bestmöglich in Einklang zu bringen. Die Rückkehr von großen Beutegreifern erfordert von Politik und Verwaltung Maßnahmen, um Menschen und Nutztiere zu schützen. Die Interessen der Bäuerinnen und Bauern schlicht dem Artenschutz unterzuordnen, wäre inakzeptabel.

Die Managementmaßnahmen sind dabei primär behördliche Aufgaben und dürfen nicht einfach auf die Landwirtschaft abgeschoben werden. Dabei sind auch Naturschutz und Wissenschaft gefordert und es sollen Erfahrungen aus anderen Ländern herangezogen werden. Die Entnahme von „Problemtieren“ muss dabei genauso möglich sein wie die gezielte Entnahme zur Regulation von Populationsgrößen. Bäuerinnen und Bauern sind jedenfalls kostendeckend zu entschädigen, wenn dennoch Nutztiere gerissen werden.