Bio auf der Alm

© Hörl

Für Margret Hörl ist Bio mehr als nur ein Modewort. Guter Geschmack braucht für sie keine exotischen Zutaten und für ein einfaches Butterbrot würde sie so manches Gourmetmenü stehen lassen.
Die Alm ist Sehnsuchtsort, füllt Bildbände, Tourismuswerbungen und in der Kulinarik erwartet der Gast Natürliches und Unverfälschtes, Regionales. Eine, die das sehr ernst nimmt, ist die junge Biobäuerin Margret Hörl aus Saalfelden. Die Herkunft der Bio-Produkte von Partnerbetrieben aus der Region ist auf der Jagglhütte auf der Geralm im Hochköniggebiet selbstverständlich.

Aufgewachsen am Jagglhof in Saalfelden im Salzburger Pinzgau, als Jüngste mit zwei Brüdern, zog es sie nach der Matura zum Studium nach Graz, es folgten Auslandsaufenthalte in Amerika und Südtirol. Dazwischen eine Stelle bei Bio Ernte Steiermark, wo Margret für Bio-Ferien und Bio-Urlaub zuständig war. Dann der Entschluss, dass sie mit Eike, ihrem heutigen Mann in den Pinzgau zurückkehrt, um den elterlichen Hof zu übernehmen. Als Einstieg haben die beiden zunächst den Sommer auf der Alm verbracht, während Margrets Eltern den Hof im Tal bewirtschafteten. Idyllisch haben sie es sich vorgestellt. Aber mit der Ruhe war es schnell vorbei, es kamen mehr Gäste als erwartet und die Arbeit im Almausschank war dementsprechend umfangreich, aber auch erfüllend.

Kontrolliert und zertifiziert

Bio müsse auch für die Alm gelten, das war der Anspruch von Margret und so war die Jagglhütte die erste und ist nach wie vor einzige biozertifizierte Almausschank in Salzburg. „Es gab auch Momente des Zweifelns, wenn man im Supermarkt vor dem Zuckerregal steht und große Mengen Bio-Zucker für Mehlspeisen, Sirupe und Marmeladen einkauft und dieser doppelt so viel wie der konventionelle kostet. Mittlerweile beziehen wir den Zucker über die Sammelstellung von Bio Austria in 25 kg Säcken und haben so immer genug zu Hause. Generell ist Bio auf der Alm nicht so schwer, wenn man seine Lieferanten gefunden hat“, sagt Margret. Die Preise auf der Speisekarte sind jedoch nicht höher als auf anderen Almen. „Wir haben so kalkuliert, dass es sich gut ausgeht und uns geht es ja auch um die Unterstützung der Bio-Landwirtschaft. Und zu entscheiden, wem wir gerne unser Geld geben“, meint Margret. Natürlich ist bei Bio auf der Alm manches Mal Erklärungsbedarf gegeben, aber die Leute freuen sich vor allem darüber, dass sie wissen, woher die Produkte kommen. Auf der Speisekarte der Jagglhütte wird jeder Lieferant aus der Umgebung namentlich angeführt. Das ist Margret sehr wichtig, Bio müsse für sie überall gelten, am Heimbetrieb im Tal und eben auch auf der Alm.

Neue Projekte im Tal

Skeptisch waren anfangs auch Brigitte und Toni, die Eltern von Margret, aber mittlerweile führen sie die Bio-Alm den zweiten Sommer voller Elan weiter. Margret und Eike verbringen mit ihrer zweijährigen Tochter Sophie den Sommer auf dem 2018 übernommenen Hof im Tal.
Auch dort hat sich Einiges geändert und neue Projekte wurden angegangen. Heute werden wieder wie zu Großvaters Zeiten Dinkel und Roggen angebaut, mit zufriedenstellenden Erträgen. In der Ottingmühle im Lungau wird das Getreide aufbereitet und vermahlen.
Margret vermittelt ihr Wissen auch in Brotbackkursen oder bei Besuchen von Schulklassen. Mit viel Gefühl für das 300 Jahre alte Bauernhause wurden im Dachgeschoß zwei Ferienwohnungen ausgebaut. Fleisch, Eier, Dinkel und Roggen werden ab Hof und demnächst im Selbstbedienungsladen angeboten. Burgerpattys nehmen besonders die Feriengäste gerne an. Seit kurzem arbeiten die jungen Biobauern mit zwei weiteren Mutterkuhbetrieben an einem Bio-Jungrindvermarktungsprojekt mit Webshop. Während der Corona-Krise ist die Nachfrage nach regionalen Bio-Produkten auch am Jagglhof gestiegen.
In der Arbeitsteilung sind Margret und Eike flexibel. Während der im Sozialforschungsbereich tätig gewesene Quereinsteiger mit Leib und Seele Bauer geworden ist und vorrangig das Handwerkliche und die Außenwirtschaft übernimmt, macht Margret schwerpunktmäßig die Buchhaltung, Urlaub am Bauernhof und den gesamten Online-Auftritt; bei Arbeitsspitzen jedoch genauso Stallarbeit und Heuwerbung. Nebenbei arbeitet sie auch als selbständige Texterin. Und natürlich ist da noch Tochter Sophia und ab Herbst ein Geschwisterkind, die ihre Aufmerksamkeit brauchen. Ihren Ausgleich findet Margret in den Bergen, sei es mit Kletterseil, Bergschuhen, Mountainbike oder Tourenski. „Und auch wenn es nicht immer leicht ist, bereuen wir die Entscheidung, den Hof zu übernehmen keinesfalls. Es gibt wenig Berufe, die einem so viel Abwechslung und Möglichkeiten bieten wie die Landwirtschaft.“

Weitere Informationen: www.jagglhof.at