Bio Austria lud zum „BürgerInnenforum Landwirtschaft“ in Donnerskirchen

BIO AUSTRIA Obfrau Gertraud Grabmann spricht bei einer Ddiskussionsveranstaltung über die Landwirtschaft von morgen
© Christoph Liebentritt
BIO AUSTRIA Obfrau Gertraud Grabmann spricht bei einer Ddiskussionsveranstaltung über die Landwirtschaft von morgen
© Christoph Liebentritt

Spannende, interaktive Diskussion mit Bäuerinnen, Politik, Wirtschaft, Umwelt-NGO und KonsumentInnen zur Zukunft der Landwirtschaft.

Klimawandel und damit verbundene Wetter-Extreme, Rückgang der Biodiversität und Artenvielfalt, Grundwasserbelastung – wir stehen heute vor einer Vielzahl umweltbezogener Herausforderungen, die auch mit der Landwirtschaft verbunden sind. Einerseits hat die Landwirtschaft immer stärker mit den Folgen des Klimawandels, etwa in Form von Wasserknappheit und Ernteausfällen zu kämpfen. Andererseits emittiert die Landwirtschaft global betrachtet ein Drittel der Treibhausgase und ist damit auch Mitverursacherin des Klimawandels.

Erstes BürgerInnenforum Landwirtschaft

Wie reagieren Politik und Wirtschaft auf diese Herausforderungen? Was kann jeder Einzelne zu einer Verbesserung beitragen? Welche Schritte sind notwendig, um den gegenwärtigen und künftigen Anforderungen gerecht zu werden? Diese Themenstellungen und Fragen wurden Mittwochabend auf Einladung von BIO AUSTRIA anlässlich des „BürgerInnenforums Landwirtschaft“ im Martinsschlössel in Donnerskirchen diskutiert. Burgenlands Agrarlandesrätin Verena Dunst, BIO AUSTRIA-Obfrau Gertraud Grabmann, Greenpeace-Landwirtschaftssprecher Sebastian Theissing-Matei und Martin Pinczker, Geschäftsführer eines Verarbeitungsunternehmens biologischer landwirtschaftlicher Rohstoffe mit Geschäftssitz im Burgenland diskutierten diese und andere Fragen in einer lebendigen, interaktiven Veranstaltung mit dem Publikum.

Ökologisierung ist gefragt

Die DiskutantInnen waren sich darin einig, dass zur Bewältigung der zahlreichen umwelt- und klimabezogenen Herausforderungen eine Ökologisierung der Landwirtschaft bewerkstelligt werden müsse. Ebenso einhellig wurde gesehen, dass die Verantwortung für die Herbeiführung nachhaltiger Veränderungen nicht an einer Stelle festzumachen sei, sondern diese Aufgabe gesamtgesellschaftlich bewältig werden müsse. Gleichzeitig wurde allerdings unisono betont, dass es Aufgabe der Politik sei, die dafür notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen.

Burgenland besonders Bio

Agrarlandesrätin Verena Dunst hob den hohen Bio-Anteil im Burgenland hervor. Dieser liegt mit über 31 Prozent Anteil an der gesamten landwirtschaftlichen Fläche und beinahe 23 Prozent aller bäuerlichen Betriebe über dem österreichischen Durchschnitt (letzterer liegt bei 24 Prozent Flächenanteil und 21,2 Prozent der Betriebe). In Bezug auf die künftige Entwicklung der Landwirtschaft betonte die Landesrätin, dass eine Ökologisierung derselben notwendig sei und darüber hinaus regionale Kreisläufe, auch etwa im Bereich der Veredelung regionaler landwirtschaftlicher Produkte und deren Verfügbarkeit, gestärkt werden müssten.

„Die Intensivierung der Landwirtschaft führt zu einer Auflassung der Bewirtschaftung weniger ertragreicher Standorte. Es sind jedoch genau diese Standorte, die naturschutzfachlich bedeutend sind und deren Nutzung zum Erhalt der Biodiversität und einer vielfältigen Landschaft notwendig ist. Über Förderungen wie ÖPUL wird ein Anreiz zur Bewirtschaftung solcher Flächen gegeben. Zur Unterstützung und Weiterentwicklung der biologischen Landwirtschaft gibt es ein breites Spektrum an Unterstützung wie bei markt- oder produktionsseitigen Interventionen aber auch im Bereich Beratung, Aus- und Weiterbildung und Forschung“, so Dunst.

KonsumentInnen informieren

Gertraud Grabmann nannte die verstärkte Information der KonsumentInnen über die Vorteile nachhaltiger Landwirtschaft als entscheidenden Faktor zur künftigen Entwicklung der Landwirtschaft. Gleichzeitig verwies sie auf das Potenzial der Landwirtschaft, durch den Einsatz regenerativer Methoden den Klimawandel positiv zu beeinflussen. „Leider wurde dieses Potenzial der Landwirtschaft beim Pariser Klimaabkommen nicht berücksichtigt. Ohne aber die Landwirtschaft miteinzubeziehen werden wir die notwendige Kehrtwende in der Klimapolitik wohl nicht schaffen“, so Grabmann. Die biologische Landwirtschaft zeige, dass eine nachhaltige, ökologische Landwirtschaft möglich ist. „Eine Landwirtschaft, die Böden fruchtbar hält und die Humusbildung fördert und damit auch klimaschädliches CO2 in den Böden speichert. Eine Landwirtschaft, die das Wasser sauber und Biodiversität aufrecht hält“, sprach sich Grabmann für eine „dringend notwendige Ökologisierung der Landwirtschaft in Europa und weltweit“ aus.

Auch die Politik in der Verantwortung

Greenpeace-Landwirtschaftssprecher Sebastian Theissing-Matei hob den starken Umweltbezug der Landwirtschaft und die daraus resultierenden Auswirkungen auf die Umwelt hervor. Er betonte, dass auch die konventionelle Landwirtschaft schrittweise ökologisiert werden müsse. Die Verantwortung hierfür sieht er bei der Politik: „Konsumentinnen und Konsumenten können durch bewusstes Einkaufen eine umweltfreundliche Landwirtschaft unterstützen. Die wesentliche Verantwortung trägt allerdings die Politik. Sie muss aktiv die Rahmenbedingungen für eine wachsende biologische Landwirtschaft schaffen.“ Dies sei etwa durch zielgerichtete Förderungen und mehr biologische Lebensmittel in der öffentlichen Beschaffung möglich.

Jeder Einkauf entscheidend

Martin Pinczker von der Bioprodukte Pinczker GmbH betonte ebenfalls die entscheidende Rolle der KonsumentInnen in Bezug auf die künftige Entwicklung der Landwirtschaft in Form deren Kaufentscheidungen. „Jeder Griff ins Regal ist eine Entscheidung für oder gegen eine umweltgerechte, biologische Landwirtschaft“, so der Wirtschaftstreibende.

Die Veranstaltung wurde mit Kooperation mit der Initiative MUTTER ERDE abgehalten.

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  • Markus Leithner MSc.

    Bio Austria, Presse
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