Bio-Schweinehaltung: Die Fütterung überdenken

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Bio-Schweinehaltung

Die Fütterung überdenken!Die aktuellen hohen Futtermittelpreise beeinflussen in einem hohen Maß die Wirtschaftlichkeit der Bio-Schweinehaltung. Kurzfristig lohnt es sich auf jeden Fall, die Fütterung zu optimieren und dadurch Kosten zu sparen.

Die aktuellen hohen Futtermittelpreise beeinflussen in einem hohen Maß die Wirtschaftlichkeit der Bio-Schweinehaltung. Kurzfristig lohnt es sich auf jeden Fall, die Fütterung zu optimieren und dadurch Kosten zu sparen.

Laut den Bio Austria Richtpreisen muss man mit Futterkosten von deutlich über 200 Euro je Mastschwein und 1300 Euro je Sau und Jahr rechnen. Insbesondere für Mäster mit hohen Stallplatzkosten oder für solche, die auf einen Futterzukauf angewiesen sind, ist die Produktion auf Basis einer Vollkostenrechnung damit AKTUELL kaum mehr rentabel.

Kosten optimieren

Zwar ist für eine generelle Beurteilung der Wirtschaftlichkeit der Bio-Schweinehaltung eine mehrjährige Betrachtung notwendig, trotzdem braucht es auch kurzfristig Maßnahmen, um die hohen Kosten etwas „abzufedern“. Ein großer Hebel, den man als Landwirt selbst in der Hand hat, ist die Optimierung der Futterkosten. 

Die aktuellen Rahmenbedingungen am Futtermittelmarkt ändern jedenfalls auch die Voraussetzungen für die Rationsgestaltung. Dass die Versorgungsempfehlungen der konventionellen Schweinehaltung durch das Verbot synthetischer Aminosäuren in der Bio-Schweinehaltung aus wirtschaftlicher Sicht nicht sinnvoll umsetzbar sind, wurde bereits wissenschaftlich aufgearbeitet. In der Praxis wird teilweise sogar deutlich unter den Empfehlungen der meisten Bio-Berater von circa 9 g Lysin (rund 170 g Rohprotein) in der Anfangsmast und 7 g Lysin (rund 145 g Rohprotein) in der Endmast gefüttert und es werden oftmals trotzdem annehmbare Mast- und Schlachtleistungen erzielt. 

Es bringt jedoch wenig, wenn man bei der Rationsgestaltung Kosten spart, dann aber beim Magerfleischanteil und insbesondere bei der Futterverwertung wieder verliert. Füttert man mehr Getreide und weniger Eiweißfuttermittel, verlagert man Kosten von den Zukaufsfuttermitteln auf betriebseigene Futtermittel. Man fördert damit den eigenen Ackerbau anstatt den Futtermittelhändler und bekommt Teuerungen verzögert zu spüren.

Mehrphasige Fütterung

Unbedingt empfohlen wird eine mehrphasige Fütterung. Wer alle Tierkategorien mit dem gleichen Futter versorgt, lässt Geld oder Leistung liegen. Mit einer zweiten Mastphase können etwa 7 bis 20 Euro je Mastschwein gespart werden. Eine dritte Phase bringt weitere 5 Euro. Die Umsetzung erfordert teilweise nur etwas Kreativität. Füttert man mehrmals täglich, kann man beispielsweise in der Endmast zu einer Fütterungszeit ein stark abgewertetes Futter vorlegen. Wichtig ist in diesem Fall, dass möglichst jedes Tier einen eigenen Fressplatz zur Verfügung hat. 

In der Ferkelproduktion wird vor allem zur Leistungsoptimierung und zur Verhinderung tiergesundheitlicher Probleme mehrphasig gefüttert. Empfohlen wird zumindest ein Futter für Ferkel und säugende Sauen sowie ein zweites für tragende Sauen. Das Ferkelfutter ähnelt meist jenem der Anfangsmast. Allerdings werden üblicherweise etwas besser verdauliche, teurere Komponenten wie Magermilchpulver oder Kartoffeleiweiß eingesetzt. Ein Tragendfutter enthält deutlich weniger Eiweiß (6 g Lysin beziehungsweise rund 130 g Rohprotein) und Energie (12,5 MJ ME). Größere Betriebe mischen üblicherweise noch ein eigenes Säugend- und teilweise Absetzfutter. 

Zukauf und Lager

Will man langfristig mit Bio-Schweinen Geld verdienen, sollte man sich möglichst stabile Rahmenbedingungen schaffen. Ein Futtermittelzukauf zur Ernte ist üblicherweise billiger als während des Jahres. Gibt es nicht ausreichend Lagermöglichkeiten, kann das Futter oft relativ günstig extern eingelagert werden. Beim Einkauf von Bauer zu Bauer spart man zudem die Kosten für Ein- und Auslagern beim Händler. Spielraum bei der Preisverhandlung bringt auch die Tatsache, dass zwischen Landwirten meist keine Abzüge für Besatz oder Schwund angesetzt werden. Eine Sparstrategie könnte auch darin bestehen, betriebseigene hochwertige Qualitätsware teuer zu verkaufen und günstigeres Futtergetreide zuzukaufen. 

Bei Einsatzbeschränkungen für Einzelfuttermittel sollte man sich unbedingt an den aktuellsten Empfehlungen orientieren. Roggen beispielsweise kann nach neuesten Erkenntnissen in deutlich höheren Anteilen in der Ration eingesetzt werden als bisher empfohlen wurde und wirkt zudem positiv auf Darmgesundheit und Tierverhalten. 

Nebenprodukte einsetzen

Wollen wir mittelfristig Diskussionen zur Lebensmittelkonkurrenz und Klimabilanz von Bio-Schweinen vermeiden, muss das Schwein vornehmlich wieder ein Resteverwerter werden. 

Manchmal muss man sich nur etwas umhören, um in der Region ein Nebenprodukt aus der Bio-Lebensmittelerzeugung zu finden, das nur darauf wartet, über den Schweinemagen veredelt zu werden. Vieles landet bisher am Kompost. Notwendig sind dafür allerdings Flexibilität und Zeitressourcen. Oft handelt es sich auch nur um relativ kleine Chargen. 

Verbreitet eingesetzt werden bereits diverse Ölpresskuchen, zum Beispiel von Kürbis, Lein oder Sonnenblume. Auch zu Nebenprodukten aus der Milchverarbeitung, aus Brauereien oder Bäckereien gibt es bereits viele positive Erfahrungen. Die Wertigkeit des Futtermittels sollte man trotzdem immer vorab durch eine Futtermitteluntersuchung überprüfen. Anschließend muss kalkuliert werden, ob sich ein Einsatz lohnt. Nicht jeder Ölpresskuchen ist nämlich ein Eiweißfuttermittel und keinesfalls sind alle Presskuchen gleichwertig. Sehr billige Komponenten können die Futterkosten je Tier sogar erhöhen, wenn die Futterverwertung oder die Fruchtbarkeit leiden. Als Orientierungswerte sollten jedenfalls der Energie- sowie der Lysingehalt (idealerweise verdauliches) genutzt werden. Gerade beim Einsatz von Nebenprodukten sollte man sich bei der Rationsgestaltung jedenfalls nicht nur am Rohproteingehalt orientieren. Ein Beispiel: Kürbiskernkuchen hat etwa den 1,5-fachen Rohproteingehalt von Sojakuchen, ist aber ähnlich mit der essentiellen Aminosäure Lysin ausgestattet. Wer Soja selbst anbaut, sollte unbedingt den Rohproteingehalt überprüfen und für eine optimale Aufbereitung (Hitzebehandlung) sorgen. 

Raufutter gezielt nutzen

Eventuell machen diverse Futtermittel Anpassungen bei der Mineralstoffversorgung notwendig. Das gilt wegen des hohen Kalziumgehalts beispielsweise auch für Raufutter mit viel Leguminosen. 

Raufutter kann bei optimalem Einsatz einen guten Beitrag zur Futterversorgung leisten und im Idealfall, insbesondere während der Tragezeit und Endmast, Kraftfutter sparen. Sauen können bis zu 5 kg Silage oder 10 kg Grünfutter aufnehmen. Auch für Endmasttiere sind 1 bis 2 kg möglich. Will man Kraftfutter sparen, muss dieses rationiert vorgelegt werden. Soll Grundfutter auch einen Beitrag zur Eiweiß- oder Energieversorgung leisten, muss es frühzeitig (beim Ähren- beziehungsweise Rispenschieben sowie vor dem Öffnen der Blütenknospen) geerntet und entsprechend konserviert werden. Raufutter für Schweine generell als Eiweißfuttermittel zu betrachten, ist jedenfalls unrichtig.

Futterverluste vermeiden

Futter sollte keinesfalls verschwendet werden. Räumen Schweine Futter aus dem Trog, ist das häufig ein Zeichen suboptimaler Zusammensetzung oder schlecht eingestellter Futterautomaten. Im Winter kann indirekt durch gut eingestreute Liegeflächen und Kleinklimazonen (weniger Energie für Wärmehaushalt) Futter gespart werden. Auch Stress und Krankheiten, insbesondere Endoparasiten, „fressen“ Futter. Vorbeuge und frühzeitige Behandlung sind deshalb unabdingbar und leisten damit auch einen Beitrag zur Optimierung der Futterkosten. 

Autor: DI Helmuth Raser, LK Niederösterreich