Biobäuerin und Funktionärin – Im Gespräch mit Karin Schabus

Karin Schabus ist Biobäuerin in Kärnten und bringt sich in vielen verschiedenen Funktionen ein. Im Gespräch erzählt sie, was sie daran schätzt, warum Frauen anders ticken und auch nein sagen müssen.

 ©LK Kärnten

Der Biohof Seidl ist ein Pionierbetrieb in der biologischen Landwirtschaft.

Wann wurde auf Bio umgestellt und was war die Motivation?

Schabus: Ich habe 1988 meinen Mann kennengelernt und wir haben uns gefragt, wie wir unsere Zukunft gestalten möchten und wohin wir unseren Betrieb entwickeln möchten. Wir begannen, den Betrieb 1989/90 auf Bio umzustellen. Unsere Schwiegereltern waren sehr tolerant und haben uns in unserer Entscheidung unterstützt. Unsere Lebenseinstellung war immer: Wir wollen unser Leben nachhaltig gestalten und das in möglichst vielen Bereichen. Dazu zählen biologisch wirtschaften und essen, natürlich wohnen und unsere Energieversorgung durch Hackschnitzel, Solar und Photovoltaik sicherstellen. Unser Betrieb entwickelte sich Schritt für Schritt weiter, das ist bis heute so.

Was schätzen Sie am Beruf der Biobäuerin?

Schabus: Ich wollte schon immer Bäuerin werden. Und aus meiner Einstellung heraus gegenüber der Natur, der Schöpfung war der Weg als Biobäuerin gelegt. Achtsam mit dem umgehen, was wir haben. Ich frage mich, welche Spuren ich hinterlasse und danach richte ich mein Handeln. Ich bin dankbar für den schönen Platz, den wir haben. denn aus der Dankbarkeit heraus lebt es sich leichter, das Jammern bringt uns doch nicht weiter. Es ist mir auch wichtig, über den Tellerrand zu schauen, dann wird einem nämlich sehr schnell bewusst, dass eben nicht alles selbstverständlich ist. Diese Sichtweise prägt mich und meine Entscheidungen als Biobäuerin.

Natürlich ist bei weitem nicht alles eitel Wonne, wir haben als Bäuerinnen viel Arbeit und immer wieder Herausforderungen, die es zu meistern gilt. Aber es ist schon wichtig, dass uns bewusst ist, dass wir eine sehr wertvolle Arbeit leisten. Und was meinen Weg betrifft, ich bin immer offen für Neues, bilde mich weiter, schaue, dass ich zumindest einmal im Jahr etwas für meine Weiterbildung mache.

Sie sind nicht nur Biobäuerin, … 

sondern waren und sind in vielen anderen Bereichen als Funktionärin engagiert. Warum ist Ihnen das wichtig, als Biobäuerin haben sie sicher Arbeit genug!

Schabus: (lacht) Ja, aber das ist halt meine Einstellung. Wenn ich etwas bewegen will, muss ich mich einbringen. Denn wenn wir uns nicht selber einbringen, dann entscheiden andere über uns. Bei mir haben sich die verschiedenen Funktionen irgendwie ergeben. Ich war und bin entsprechend meiner Interessen und jeweiligen Lebenssituation in unterschiedlichen Bereichen aktiv. Ich bin jemand, die gerne anpackt und mitgestaltet und ich möchte meine Erfahrungen als Frau und Bäuerin einbringen. Und ich finde es sehr wichtig, dass sich der Frauenanteil in der Gesellschaft in den Institutionen und Funktionen widerspiegelt. Wir Frauen bringen andere Sichtweisen und Werthaltungen ein. Wir sind von Natur aus anders geprägt, wir sind sehr umsichtig. Das ist auch bei der Annahme von Funktionen so, wir schauen zuerst, wie sich das alles ausgeht – beispielsweise mit der Familie oder anderen Aufgaben. Männer verschreiben sich da viel schneller einer Sache.

Aber: Es ist auch harte Arbeit, im Landtag beispielsweise – es sind so viele Termine zu koordinieren und ich habe auch erkannt, dass jede Lebensphase ihre Möglichkeiten und ihre Aufgaben hat. Ich muss nicht alles ewig machen. Wenn man sich nicht verschließt, bringt das Leben immer neue Herausforderungen, die uns auf verschiedenen Ebenen wachsen lassen.

Wie können Sie Ihre Funktionen mit ihrer Arbeit am Hof vereinbaren?

Worauf müssen Sie da besonders achten? 

Schabus: Das geht nur mit einem großen familiären Rückhalt. Die Arbeit im Landtag (Anmk: Karin Schabus war Landtagsabgeordnete von 2013 bis 2018) war sehr intensiv und bereichernd‚. Mein Mann hat sich in dieser Zeit – er unterrichtet Teilzeit in der Fachschule Stiegerhof – karenzieren lassen. Sonst wäre das nicht möglich gewesen. Das geht jedenfalls nur mit einer Partnerschaft, die solche Funktionen trägt. Politische Funktionen erweitern aber auch den eigenen Horizont, man lernt viele Bereiche und Menschen kennen mit verschiedenen Sichtweisen und dass es in einer Demokratie bei Entscheidungen auch Kompromisse braucht, damit etwas entstehen kann. Und man muss auch bereit sein, Funktionen wieder abzugeben, also das Feuer, für das man brennt, weiterzugeben, damit man nicht Gefahr läuft, selber auszubrennen.

Haben Sie einen Tipp für Kolleginnen?

Bringt euch ein! Habt Mut, es lohnt sich. Wir haben als Frauen das Problem, in der Politik unterrepräsentiert zu sein und mit unseren Kompetenzen oft nicht wahrgenommen zu werden.

Karin Schabus

Schabus:  Oft geht es um eine uns zugedachte Rolle wie zum Beispiel: Wie schaut sie aus? Wie ist sie als Ehefrau und Mutter? Daher müssen wir uns gegenseitig helfen, wir Frauen müssen uns vernetzen und uns stärken. Die Rolle als Funktionärin bringt viele Herausforderungen mit sich, an denen man wachsen kann, aber auch Konfrontationen, die man aushalten muss. Wir brauchen daher ehrliche Freunde und ein gutes Netzwerk, wir müssen auf andere zählen können. Großes, fachliches Wissen ist unabdingbar, aber wir können und müssen nicht immer perfekt sein, eine jede von uns hat ihre Stärken und darauf müssen wir unseren Fokus legen.

Und als Frau muss man sich nicht alles umhängen lassen, man muss auch nein sagen können und nicht alles selber machen. Ich habe oft gehört: Karin, mach du das – aber das geht nicht lange gut! Wir Frauen haben einen anderen, einen hohen Anspruch an uns selbst, die Männer ticken da ganz anders. Das habe ich jedenfalls gelernt. Und man muss sich auch Freiräume schaffen, wir Frauen müssen auf uns schauen. Wenn es dir gut geht, geht es auch dem Betrieb gut und dann gelingt auch die Arbeit besser. Auch die Jungen müssen sehen, dass es nicht nur die Arbeit am Hof gibt, sondern sie sollen die Werte erkennen, die damit verbunden sind. Unsere vier Kinder könnten sich alle vorstellen, den Betrieb weiterzuführen. Das ist auch eine Bestätigung für unseren Weg.

Frau Schabus, verraten Sie uns abschließend Ihren Lieblingsplatz?

Schabus: Ich bin gerne in der Natur, bei meinen Blumen und ich würde sagen, auf unserer Alm bei unserer Sennhütte. Da finde ich Ruhe, da habe ich einen anderen Blickwinkel und das gibt mir wieder viel Kraft für meine Aufgaben.

©Schabus

Betriebsübersicht:

Biohof Seidl

Karin und Konrad Schabus,
Bad Kleinkirchheim, Kärnten

  • 4 Kinder (Lukas, Anna, Jakob, Magdalena)
  • Bio-Betrieb seit 1992
  • 1100 m Seehöhe
  • 15 ha Grünland, 3 ha Hutweiden
  • 70 ha Alm, 105 ha Wald, 0,5 ha für Getreideanbau
  • 14 Mutterkühe mit Nachzucht, 3 Milchkühe, Stier, Schweine und andere Tiere für den Eigenbedarf, Pferde
  • Urlaub am Bio-Bauernhof

Karin Schabus ist vielseitig engagiert, unter anderem als Obfrau der Urlaub am Bauernhof-Betriebe in Kärnten (400 Mitglieder), als Kammerrätin in der Landwirtschaftskammer Kärnten und als Vizebürgermeisterin in Bad Kleinkirchheim.

W www.biohof-seidl.at

Autorin: Ingrid Schuler-Knapp