Blühstreifen: Der Natur Raum geben

©Rudolf Schmid
©Rudolf Schmid

Rudolf Schmid hat viele Jahre Erfahrung mit der Anlage von Blühstreifen auf seinem 105 ha großen Bio-Ackerbaubetrieb in Traiskirchen.

„Bei mir sieht man immer etwas“, antwortet Rudolf Schmid auf Anfragen, welcher Zeitpunkt denn für eine Exkursion zu seinem Betrieb am idealsten wäre. Sein Ziel: Der Natur Raum geben, Vielfalt über das ganze Jahr hindurch.
Ackerblühstreifen sind dem studierten Botaniker seit vielen Jahrzehnten ein großes Anliegen. Der Betrieb in Traiskirchen in Niederösterreich wurde bis vor einem Jahr konventionell bewirtschaftet, doch schon der Vater hatte als Jäger Interesse, Lebensräume für das Niederwild zu gestalten. So wurden die ersten Streifen in einer Zeit angelegt, als diese noch als Maßnahme gegen Überschussproduktion und weniger aus dem Aspekt des Naturschutzes gefördert wurden. Das war dann das Anliegen von Rudolf. Der erste Acker, den er vor rund 30 Jahren von seinen Eltern nach Abschluss der Landwirtschaftsschule bekam, wurde für ihn zum Experimentierfeld und ist heute eine artenreiche Trockenwiese mit über 30 verschiedenen Arten und Raritäten. Zu finden sind die Phönizische Königskerze, Riemenzunge oder Kugellauch, eine Vielfalt an Insekten wie der Schmetterlingshaft findet Nist-, Brut und Nahrungsmöglichkeiten. Auf dieser und anderen mehr als 20 Jahre alten Brachen findet Rudolf Schmid immer wieder neue Arten und auch solche, an die er sich als Kind noch erinnern kann. Hier kann man gut sehen, wie sich die Natur mit Unterstützung wieder erholen kann.

Zeit und Raum

Fünf bis sechs Prozent der Ackerfläche werden im Rahmen des ÖPUL als UBB-Maßnahme (Umweltgerechte und biodiversitätsfördernde Bewirtschaftung) gefördert. Auf den Streifen sät Rudi Kleearten und Kräuter ein. Auf diesen Kurzzeitbrachen werden unterschiedliche Pflegemaßnahmen durchgeführt: Sie werden unregelmäßig je nach Bedarf gemäht, gemulcht oder umgebrochen.

Sieben bis acht Prozent der Ackerfläche sind als WF-Flächen (Vertragsnaturschutzflächen) angelegt. Auf den einjährigen Streifen wird durch unterschiedliche Bodenbearbeitungszeiten eine vielfältige Beikrautflora aus seltenen Pflanzen wie Mannschild, Rittersporn, Kornblume und Kornrade etabliert. Mehrjährige Blühstreifen beherbergen viele ausdauernde Wiesenpflanzen wie zum Beispiel Kartäusernelke, verschiedene Salbeiarten oder Odermennig. Bei Langzeitbrachen kann durch eine Mahd mit Abtransport des Materials oder ein seltenes Mulchen das volle Potential an Biodiversität erreicht werden. Das Mulchen hat sich insgesamt als weniger zielführend erwiesen, da konkurrenzschwache Arten nicht mehr wachsen und der Streifen in Folge zunehmend „vergrast“.
Auf den Schlägen werden zwischen den Hauptkulturen Soja und Mais leguminosenlastige und legumionosenfreie Begrünungsvarianten in der Fruchtfolge eingebaut.

Richtig ansäen

„Durch den regelmäßigen Herbizideinsatz ab den 1970er‐Jahren lassen sich im Rückblick unverkennbare Einflüsse auf die Artenzusammensetzung der Begleitflora auf Getreideäckern feststellen. Ansaaten sind daher auf Intensivstandorten mit erschöpftem Samenpool unerlässlich“, betont der Botaniker. „Es ist allerdings zu beachten, dass Blühflächen mit nur vier insektenblütigen Pflanzenarten – meist sind es Kulturpflanzen – eine wenig diverse Mischung bieten, die zwar sehr konkurrenzstark bodenständige Arten unterdrückt, aber für die natürliche Flora und Fauna wenig Platz lassen. Denn Äcker weisen meist mehr als ein Dutzend Arten, oft sogar über 20 Arten auf, Wiesen 30 bis 50 Arten. Bei den Mischungen sind natürlich auch die Kosten zu berücksichtigen Mischungen mit weniger als zehn Arten kosten zwischen 50 und 100 Euro pro Hektar, Mischungen mit rund 20 Arten liegen bereits über 200 Euro pro Hektar, für anspruchsvollere Blühmischungen muss man zwischen 150 und 300 Euro rechnen, Wildkrautmischungen mit regionalem Saatgut kosten über 1000 Euro pro Hektar. „Diese rechnen und entwickeln sich erst ab einer Anlagedauer von zehn und mehr Jahren“, betont der Biobauer. Rudolf Schmid hat vielfach regionale, mehrjährige Mischungen von Rewisa für Ackerblühstreifen eingesät.

Mehr Struktur schaffen

Um noch zusätzliche Strukturen im Intensivagrarraum einzubringen, wird eine Hecke mit Kirsche, Haselnuss, Maulbeere, Berberitze und vielen Blütenpflanzen für Insekten, 300 m lang und 12 m breit, angelegt. Durch eine Kraut-, Strauch- und Baumzone sollen Lebensräume für möglichst viele Tierarten geschaffen werden. Viele von ihnen nutzen auch den Lagerplatz, das Hofgelände und den Garten. Haussperling, Waldohreule, Mehlschwalbe, Sperber, Rotschwanz, Mauerbiene, Blindschleiche und Äskulapnatter zählen beispielsweise zu den Mitbewohnern am Bio-Hof Schmid.

Bessere Bedingungen

Für Rudolf Schmid ist es beinahe unmöglich, dem Ziel nach mehr Biodiversität und den stets wechselnden Rahmenbedingungen der einzelnen Förderperioden zu entsprechen. „Dieses Konzept muss längerfristig angelegt und darf nicht nach Belieben alle fünf Jahre geändert werden. Das Feilschen um Maßnahmen, Umfang, Sanktionen und Finanzierung werden das Problem der schwindenden Artenvielfalt langfristig nicht lösen“, kritisiert Schmid. Denn für eine langfristige Planung brauche es Sicherheit, das bringt der Natur auch den größten Nutzen.