Der Weideplan 2022 im Detail

Das zuständige Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz hat im März die Weidevorgaben ab 2022 per Erlass veröffentlicht. Diese sind von allen Bio-Betrieben mit Raufutterverzehrern umzusetzen. Vorbereitend darauf ist von den Bio-Betrieben bis Ende Juni 2021 ein Weideplan für die Weidesaison 2022 zu erstellen, der bei der Bio-Kontrolle aufliegen muss.

Weideplan einmalig erstellen

Der Weideplan ist nur einmalig zu erstellen und soll die beabsichtigte Weidepraxis für 2022 darstellen. Er ist als eine Vorausplanung anzusehen, zumal sich viele Faktoren, wie beispielsweise das Graswachstum oder die Witterung, nicht exakt voraussehen lassen. Es kann auch zu Änderungen beim Tierbestand oder bei den Flächen kommen.

Bei der Erstellung des Weideplans herrscht weitgehende Formfreiheit. Es ist also kein einheitliches Formular auszufüllen. Die LK Österreich und BIO AUSTRIA stellen aber einen Musterweideplan zur Verfügung (siehe unten).
Werden bereits alle Raufutterverzehrer am Betrieb geweidet und wird diese Weidepraxis auch im Jahr 2022 weitergeführt, so kann auch die bisherige Dokumentation wie zum Beispiel der Austriebskalender der Bio-Kontrollstellen, das Weideblatt für die ÖPUL-Weideprämie u.s.w. als Weideplan herangezogen werden.

Inhaltliche Vorgaben für den Weideplan

Der Weideplan soll einen Überblick darüber geben,

  • welche Tierkategorien/Tiergruppen/Tierart voraussichtlich
  • wann (Zeitraum) und
  • wo (auf welcher Fläche/ welchem Feldstück)

geweidet werden. Dazu werden zuerst alle Tiergruppen (inkl. Kälber/Lämmer/Kitze unter 6 Monate) und die Flächen aufgelistet, die ab 2022 für die Weide genutzt werden sollen. Im Anschluss wird für jede Tiergruppe grob angegeben, wann sie im Zeitraum 1. April 2022 bis 31. Oktober 2022 voraussichtlich auf welcher Fläche sein wird.

Laufende Weidedokumentation

Laut Erlass ist die Weidehaltung am Betrieb während der Weidesaison von Anfang April bis Ende Oktober zu dokumentieren. Diese Aufzeichnungen müssen bei der Bio-Kontrolle 2022 vorgelegt werden. Sie bilden ab, wie die Einhaltung der Auslauf- und Weidevorgaben in der Praxis umgesetzt werden. Die Weidedokumentation ist nicht mit dem Weideplan zu verwechseln, kann aber wie oben erwähnt, für die Weideplanung herangezogen werden.  

Weidevorgabe ab 2022

Grundsätzlich müssen ab 2022 auf Bio-Betrieben alle Rinder, Schafe, Ziegen und Pferde geweidet werden. Der Umfang / das Ausmaß des Weideangebotes richtet sich dabei nach dem „Haltungssystem“, in dem das Tier / die Tiere steht / stehen. Es wird zwischen vier Haltungssystemen mit unterschiedlichem Weideausmaß (Optimum, Maximum) unterschieden:

Haltungssystem/-form Was ist umzusetzen?

A) Laufstall mit permanent zugänglichem Auslauf:

verlangt ein Optimum an Weide

Der Bewegungsaspekt auf der Weide steht im Vordergrund und nicht die Futteraufnahme. Jedenfalls muss die Weidefläche den Weidecharakter beibehalten und nicht nur Auslaufstatus haben. Überweidung, Zertrampeln des Bodens, Erosion und Umweltbelastungen sind zu vermeiden.
Für männliche Rinder (Stiere und Ochsen) > 1 Jahr im Haltungssystem A genügt der ständige Zugang zum Auslauf.

B) Laufstall ohne Winterauslauf:

verlangt ein Maximum an Weide

Der Schwerpunkt liegt neben dem Bewegungsaspekt auf der Futteraufnahme von der Weide während der Weidesaison.

C) Anbindehaltung (Rinder über 6 Monate) mit zweimal wöchentlichem Zugang zu Freigelände im Winter und immer, wenn das Weiden nicht möglich ist:

verlangt ein Maximum an Weide

Der Schwerpunkt liegt neben dem Bewegungsaspekt auf der Futteraufnahme von der Weide während der Weidesaison.

D) Ganzjährige Freilandhaltung

Die Weidehaltung muss den Ansprüchen an Futteraufnahme und Bewegung genügen.

Laut EU-Bio-Verordnung und Weideerlass ist eine begründete und vorübergehende Ausnahme von der Weidehaltung möglich. Als Gründe gelten generell:

  • der Zustand des Bodens,
  • die Witterung und
  • jahreszeitliche Bedingungen wie zum Beispiel ein verzögertes Graswachstum aufgrund eines erneuten Wintereinbruches im Frühjahr, über die Wintermonate hinausgehende Schneelage, Sturm- und Unwetterereignisse, usw.,
  • aber auch veterinärmedizinische Gründe.

Derzeit laufen noch Gespräche mit den zuständigen Ministerien, welche Flexibilität die Bio-Betriebe in Anspruch nehmen können, um eine regionaltypische Weidehaltung umsetzen zu können. Mit Antworten und Details zur Umsetzung ist im zweiten Halbjahr 2021 zu rechnen.

Kontakt für Fragen

Für allfällige Anfragen stehen Ihnen die Bio-BeraterInnen bei Ihrem BIO AUSTRIA Landesverband gerne zur Verfügung.