Die Biodiversität im Weingarten erhöhen

@ Dreisiebner-Lanz

Die Förderung der Biodiversität ist ein wichtiger Beitrag zur Stabilisierung der Ökosysteme. Mit gezielten Maßnahmen kann die Biodiversität im Weingarten gesteigert werden.

Im Weingarten bieten sich vielfältige Möglichkeiten, artenreiche Lebensräume zu schaffen. Im Folgenden werden einige davon besprochen.

Vielfältige Begrünungen 

Begrünungen in den Fahrgassen bieten neben Erosionsschutz, Schutz vor Verdichtung und Nährstoffauswaschung auch vielseitige Möglichkeiten zur Erhöhung der Biodiversität. In trockenen Regionen können kurzzeitige Begrünungen eine sinnvolle Alternative zum Offenhalten des Bodens darstellen. Längerfristige Begrünungsmaßnahmen bringen einen zusätzlichen mittel- und langfristigen Nutzen wie Verbesserung der Bodenstruktur und Humusaufbau. Dies gilt grundsätzlich für alle Arten von Begrünungen, allerdings kann eine gezielte Einsaat positive Effekte verstärken, wie zum Beispiel das Blühangebot vergrößern oder die Stickstoffversorgung durch Leguminosen optimieren. 

Die Bewirtschaftung der Begrünung hat relevante Effekte auf die Biodiversität. Ein höherer Schnitt beispielweise erhöht die Überlebenschancen für Kleintiere, außerdem werden Vegetationspunkte von Begrünungspflanzen weniger geschädigt und der Boden besser vor Austrocknung geschützt. Eine reduzierte Pflegeintensität wirkt sich ebenfalls positiv auf die Artenvielfalt aus. Der Einsatz von Mähbalken oder Walzen ist der Verwendung rotierender Geräte vorzuziehen. 

Wichtig ist, die Nutzungsintensität und die Art der Pflegemaßnahmen jedenfalls an die Zusammensetzung der Begrünungen anzupassen – und umgekehrt.

Blühstreifen für Nützlinge

Außerhalb der Weingartenflächen können ebenso Biodiversitätsmaßnahmen gesetzt werden. In Randflächen ist kaum ein Einfluss von Pflanzenschutzmaßnahmen gegeben. Dies ist gerade für Nützlinge vorteilhaft, die beispielsweise empfindlich gegenüber Schwefel sind. Mehrjährige Blühstreifen in Randflächen bieten ein Nektar- und Pollenangebot für Räuber wie Schwebfliegen, Florfliegen, Schlupfwespen, Wildbienen und andere Insekten. Blühstreifen kommen über die Förderung von Nützlingen somit eine große Bedeutung im Hinblick auf Schadinsekten zu. Zudem sind sie Lebensraum für Insekten, Kleinsäuger und andere Kleintiere. Die Blühstreifen können zusätzlich als Pufferzonen zu Nachbarflächen dienen.

Die Blühstreifenmischungen enthalten idealerweise Pflanzen mit unterschiedlichen Blühzeiten, Blumen mit offenen Blüten, Leguminosen und andere Wiesenpflanzenarten. Nach der Einsaat gilt es, die Pflegemaßnahmen zeitlich richtig zu setzen. In den meisten Fällen ist ein früher Schröpfschnitt erforderlich, die späteren Schnitte sollten sich an der Entwicklung der Arten sowie an der Aktivität der Nützlinge orientieren und ein Aussamen von ein- und überjährigen Blühpflanzen ermöglichen. Die Schnitthöhe sollte zumindest 8 bis 10 cm betragen, damit die Vegetationspunkte weniger geschädigt werden. Die Verwendung eines Blühstreifenmulchers ist ideal; wenn die entsprechende Technik nicht vorhanden ist, ist ein alternierender Schnitt eine Alternative.

Kein maschinelles Entblättern

In den Laubwänden leben viele Insekten. Auch die Weinstöcke selbst sind ein wichtiger Lebensraum und dienen einigen Vögeln wie dem Girlitz und dem Bluthänfling als Nistplatz. Durch wiederholte maschinelle Bearbeitungsschritte im Frühjahr und Sommer werden die Vögel und ihre Brut jedoch gestört und Insekten, die die Nahrungsgrundlage für Vögel und Fledermäuse darstellen, dezimiert. Dabei sind insbesondere Arbeitsgänge, die stark in die Laubwand eingreifen, problematisch. Der Verzicht auf maschinelles Entblättern und maschinelles Heften ist daher eine punktuelle, aber effektive Maßnahme zur Biodiversitätsförderung.

Gehölze und Nisthilfen

Auch unterschiedliche Landschaftselemente fördern die Biodiversität in und um Weingärten. Dazu gehören Einzelbäume, Feldgehölze, Niederhecken, naturnah gepflegte Böschungen, Steinhaufen und stufig aufgebaute Waldränder. Bei Gehölzen sollte darauf geachtet werden, dass sie keine (Zwischen)Wirte von Schadorganismen wie der Kirschessigfliege sind. Allfällige Pflegemaßnahmen müssen zu passenden Zeitpunkten unter Beachtung der Brutzeiten umgesetzt werden, bei der Positionierung der Landschaftselemente ist auf die Vernetzung von Biotopen zu achten. 

Natursteinmauern, Steinterrassen oder Steinhaufen sind wertvolle Habitate für zahlreiche wärmeliebende Arten wie Reptilien, Insekten und Vögel. Das Anbringen von Nisthilfen für Großvögel, Kleinvögel, Fledermäuse und Insekten oder Ansitzstangen für Raubvögel sind weitere einfach umzusetzende Maßnahmen.

Autorin: DI Sabrina Dreisiebner-Lanz MSc, Bio Ernte Steiermark

Es sind die Vorgaben der EU-Bio-Verordnung in Bezug auf Saat- und Pflanzgut zu beachten und bei Bedarf die entsprechenden Ausnahmegenehmigungen bei der Kontrollstelle zu beantragen. Ausführliche Informationen zum Thema Biodiversität und zur Bio Austria Biodiversitätsrichtlinie finden Sie unter www.bio-austria.at/biodiversitaet